Ich habe Tausende Handyvideos auf meinem Telefon. Angeschaut habe ich davon vielleicht zwanzig. Die meisten wackeln, sind zu dunkel oder zeigen zwanzig Sekunden lang meinen Daumen. Nathalie sagt, ich filme wie ich Koffer packe: schnell, viel, und am Schluss fehlt das Wichtigste.
Deshalb habe ich diesen Sommer etwas ausprobiert, das viele Reisende in der Tasche haben: die DJI Osmo Pocket 4, eine Kamera so gross wie ein Schokoriegel, mit einem kleinen Stabilisator, der das Bild auch beim Gehen ruhig hält. Gekauft im Juli als Standard Combo bei einem Schweizer Händler, für 439 Franken. Vom 20. Juli bis Ende August war sie an 29 Tagen dabei: im Zug durch das Lavaux, auf den holprigen Pflastersteinen unten an der Saane, zwischen Pendlern im Hauptbahnhof Zürich und am 1. August auf unserem Balkon. 318 Clips, 11 Stunden und 40 Minuten Material. Die Frage war einfach: Braucht man so etwas, wenn man ein gutes Handy hat?
- Butterweiche Aufnahmen beim Gehen und auf Treppen
- Grosser Sensor, deutlich besser als das Handy am Abend
- 107 GB Speicher eingebaut, dazu microSD
- In 19 Minuten auf 80 Prozent geladen
- Nicht wasserdicht, und laut DJI nur ab 0 Grad
- Zu dick für die Hosentasche
- Zoom in 4K schnell unscharf
- Die Pocket 3 kostet heute 160 Franken weniger
Kurz gesagt: Wer gerne filmt und sich über wacklige, dunkle Handyvideos ärgert, bekommt mit der Pocket 4 viel bessere Bilder in einem Gerät, das in jede Jackentasche passt. Wer nur ab und zu ein Erinnerungsvideo macht, bleibt beim Handy. Und wer sparen will, schaut sich die Pocket 3 an.
Was die Osmo Pocket 4 ist, und was sie wiegt
Die Pocket 4 ist ein Stab mit Bildschirm, oben sitzt eine kleine Kamera auf drei Motoren. Diese Motoren gleichen jede Bewegung deiner Hand aus. Du gehst, rennst eine Treppe hoch oder schwenkst über einen See, und das Bild bleibt ruhig. DJI hat sie im April vorgestellt, als Nachfolgerin der Pocket 3.
Die wichtigsten Daten:
- 1-Zoll-Sensor und ein festes Objektiv mit 20 Millimetern und Blende f/2,0. Der Sensor ist deutlich grösser als in den meisten Handys.
- Video bis 4K mit 60 Bildern, Zeitlupe in 4K bis 240 Bilder pro Sekunde. DJI nennt 14 Blendenstufen Dynamikumfang.
- 107 Gigabyte Speicher eingebaut, zusätzlich ein Steckplatz für microSD bis 1 Terabyte.
- 2-Zoll-Bildschirm mit 1000 Nits. Drehst du ihn, schaltet sich die Kamera ein.
- 144 mal 44 mal 34 Millimeter, 190,5 Gramm. Meine Briefwaage sagt 191.
In die Innentasche meiner Jacke passt sie gut, in die Hosentasche nicht. Im Etui, das beim Standard Combo dabei ist, trage ich sie am Gurt des Rucksacks. So ist sie in zwei Sekunden bereit, und genau das ist der Punkt. Die beste Kamera nützt nichts, wenn der Moment vorbei ist, bis du sie ausgepackt hast.
Filmen beim Gehen: das Kopfsteinpflaster als Prüfstand
Mein erster richtiger Test war die Fribourger Unterstadt. Ich wohne hier seit Jahrzehnten und kenne jedes schiefe Pflaster zwischen der Kathedrale und der Berner Brücke. Ich bin die gleiche Strecke zweimal gegangen, einmal mit dem Handy, einmal mit der Pocket 4, beide Male im normalen Tempo und ohne mich zu bemühen.
Das Handyvideo ist brauchbar, aber jeder Schritt federt nach, und bei der Treppe zur Kathedrale hinauf hüpft das Bild. Die Pocket 4 gleitet. Man sieht, dass jemand geht, aber es fühlt sich an wie eine Kamerafahrt im Film. Nathalie hat die beiden Clips nebeneinander angeschaut und gefragt, ob ich für das zweite ein Velo benutzt habe.
Dann die Standseilbahn. Die kleine Bahn zwischen der Neuveville und dem Quartier Saint-Pierre fährt seit über 100 Jahren mit Abwasser als Gegengewicht, wie jeder Fribourger seinen Gästen gern erzählt. Ich habe die Fahrt aus dem Fenster gefilmt, mit der Kamera in der Hand und dem Ellbogen an der Scheibe. Das Bild ist ruhig, die Farben der Dächer stimmen, und der Himmel ist nicht weiss ausgebrannt. Mit dem Handy war der Himmel hell, die Häuser dunkel.
Die Kamera kann Personen verfolgen. Ich habe sie auf das kleine Stativ gestellt, eine Hand hochgehalten, und sie ist mir auf dem Weg über die Berner Brücke gefolgt. Das klappte zuverlässig, bis eine Reisegruppe zwischen uns durchlief. Danach hat sie einen Herrn mit Sonnenhut verfolgt. Er hat es nicht bemerkt, ich hatte ein schönes Porträt von ihm.

Am Abend und in der Nacht: Hier zeigt der grosse Sensor, was er kann
Den grössten Unterschied zum Handy habe ich am 1. August gesehen. Von unserem Balkon aus haben wir das Feuerwerk über der Stadt gefilmt, Nathalie mit ihrem Handy, ich mit der Pocket 4. Auf dem Handyvideo sieht man die Raketen, der Himmel dazwischen ist aber ein graues Rauschen, und die Häuser verschwinden. Auf dem Video der Pocket bleibt der Himmel schwarz, die Dächer der Altstadt sind zu erkennen, und der Rauch hat Struktur.
Auch in der Gasse vor der Kathedrale, nur mit dem Licht der Strassenlaternen, war das Bild sauber genug, um es der Familie zu schicken. Es gibt einen eigenen Modus für wenig Licht. Ich habe ihn an drei Abenden benutzt und keinen Grund gefunden, ihn auszuschalten. Für Leute, die im Winter reisen, wenn es um fünf dunkel ist, ist das der wichtigste Grund für diese Kamera.
«Beim Handy sieht man, dass es ein Feuerwerk war. Bei deinem kleinen Ding sieht man, dass es schön war.» Nathalie, nach dem 1. August
Wo die Pocket an Grenzen kommt: beim Zoom. Die Kamera hat nur ein Objektiv, gezoomt wird digital. In Full HD geht das bis vierfach noch gut, in 4K wird das Bild schon ab zweifach weich. Wer oft entfernte Dinge filmt, Tiere oder Bergspitzen, braucht die Pocket 4P mit zweitem Objektiv, dazu weiter unten.
Akku, Speicher und Wärme: meine Messungen
DJI verspricht 240 Minuten Aufnahme, gemessen in Full HD mit 24 Bildern, bei ausgeschaltetem Bildschirm und ohne WLAN. So filmt niemand. Meine Werte sehen so aus:
| Test | Ergebnis |
|---|---|
| Dauerfilmen in 4K mit 30 Bildern, Bildschirm an | 2 Std. 38 Min. |
| Normaler Reisetag mit kurzen Clips von 7 bis 21 Uhr | 23 % übrig |
| Laden mit 65-Watt-Netzteil auf 80 % | 19 Min. |
| Laden mit 20-Watt-Handyladegerät auf 100 % | 61 Min. |
| Interner Speicher voll bei meinem Filmstil (4K, 60 Bilder) | nach 9 Reisetagen |
Einen ganzen Reisetag hält sie also locker durch. Das schnelle Laden ist Gold wert: Ein Café in der Bahnhofsbuvette dauert bei mir etwa 20 Minuten, und danach ist die Kamera wieder fast voll. Das Netzteil mit 65 Watt ist nicht dabei, mit einem Handyladegerät dauert es dreimal so lange.
Der eingebaute Speicher ist praktisch, weil du keine Karte vergessen kannst. Nach neun Tagen war er aber voll, und das Überspielen auf den Laptop über USB-C dauerte für 40 Gigabyte eine Weile. Einen Teil davon hat mein Kollege Reto in Luzern bekommen, als Testmaterial für sein neues MacBook Air. Seither steckt eine microSD-Karte mit 256 Gigabyte drin.
Bedienung und Ton: Was im Alltag zählt
Einschalten geht, indem du den Bildschirm drehst. Nach zwei Tagen mache ich das ohne Hinsehen. Neben dem Aufnahmeknopf gibt es einen kleinen Joystick, mit dem du die Kamera schwenkst, und zwei neue Tasten, die du belegen kannst. Ich habe eine für den Wechsel zwischen Hoch- und Querformat eingestellt, die andere für den Nachtmodus. Die Menüs auf dem kleinen Bildschirm sind anfangs fummelig, mit meinen 56 Jahren und einer Lesebrille in der Brusttasche erst recht.
Der Ton über die drei eingebauten Mikrofone ist für Umgebungsgeräusche gut. Das Rauschen der Saane, das Klacken der Standseilbahn, die Durchsage im Zug, alles klingt natürlich. Wenn ich aber selbst spreche und dabei gehe, geht meine Stimme im Wind unter. Wer Videos mit Kommentar machen will, nimmt das Creator Combo mit dem Funkmikrofon DJI Mic 3. Die Pocket 4 verbindet sich direkt damit, ohne Empfänger.
Ein Wort zur App: Du brauchst sie für Updates und um Clips aufs Handy zu laden. Die Kamera funktioniert aber auch ohne. Ich habe am Anfang alles über die App gemacht und am Schluss fast nichts mehr. Die Clips kommen abends über das Kabel auf den Laptop, das ist schneller und schont den Handyakku.

Pocket 3, Pocket 4 oder Pocket 4P?
Hier wird es interessant, denn die Vorgängerin ist nicht verschwunden. Die Pocket 3 bekommst du im Schweizer Handel inzwischen ab rund 257 Franken, also 160 Franken unter der Pocket 4. Sie hat den gleich grossen Sensor, den drehbaren Bildschirm und die gleiche Stabilisierung. Die Pocket 4 bringt dazu die Zeitlupe in 4K mit bis zu 240 Bildern, mehr Dynamikumfang, den eingebauten Speicher, zwei zusätzliche Tasten und eine verbesserte Personenverfolgung. Das Zubehör der Pocket 3 passt auch an die Pocket 4.
| Modell | Franken, ab ca. | Für wen |
|---|---|---|
| Osmo Pocket 3 | ab ca. CHF 257 | Reisende, die ruhige Bilder wollen und sparen möchten |
| Osmo Pocket 4, Essential Combo | ab ca. CHF 384 | wer nur die Kamera braucht und Zubehör schon hat |
| Osmo Pocket 4, Standard Combo | ab ca. CHF 418 | unser Testgerät, mit Etui und Griff mit Stativgewinde |
| Osmo Pocket 4, Creator Combo | ab ca. CHF 471 | mit DJI Mic 3, Weitwinkelvorsatz, Fülllicht und Ministativ, für alle, die sprechen |
| Osmo Pocket 4P | ab ca. CHF 506 | zweite Kamera mit dreifachem Zoom, für Tiere, Berge, Konzerte |
Mein Rat: Wer vor allem Reiseerinnerungen filmt und keine Zeitlupe braucht, kauft die Pocket 3 und hat 160 Franken für ein Nachtessen in der Unterstadt übrig. Wer abends viel filmt, Clips für soziale Medien schneidet oder die Kamera jahrelang behalten will, nimmt die Pocket 4. Das Creator Combo lohnt sich nur, wenn du wirklich in die Kamera sprichst. Dann ist das Mikrofon aber das beste Zubehör im ganzen Paket.
Vor dem Black Friday kaufen oder danach?
Der 27. November ist dieses Jahr Black Friday. Die Pocket 4 erlebt ihn zum ersten Mal, sie ist erst seit April im Handel. Verlässliche Schweizer Zahlen, wie tief die Pocket 3 am letzten Black Friday gefallen ist, habe ich nicht gefunden. Was ich sehe: Die Händlerpreise liegen schon heute spürbar unter dem, was DJI im eigenen Shop in Euro verlangt, und die Pocket 3 ist seit dem Start der Nachfolgerin deutlich günstiger geworden.
Passt sie unter den Weihnachtsbaum? Oft, und zwar für mehr Leute, als man denkt. Für Grosseltern, die ihre Enkel filmen wollen, ohne dass alles wackelt. Für Jugendliche, die Videos für soziale Medien machen. Und für alle, die viel reisen und mehr als Handyfotos mit nach Hause bringen möchten. Sinnvoll dazu: eine schnelle microSD-Karte mit 256 Gigabyte, ein Netzteil mit 65 Watt, der Akkugriff für rund 64 Franken, der laut DJI zweieinhalb Stunden Aufnahme dazugibt, und ein ND-Filterset für sonnige Tage. Das Set der Pocket 3 für rund 53 Franken passt.
Zurückgeben und reklamieren: Ob eine online bestellte Kamera zurückgehen darf, bestimmt bei uns der Shop und nicht das Gesetz. Bei einem Geschenk klär die Frist für den Umtausch nach Neujahr vorher ab und lass den Karton heil. Für Mängel gelten zwei Jahre, wenn der Händler das in seinen Bedingungen nicht verkürzt. Wer die Kamera oft draussen dabei hat, schaut sich die Zusatzversicherung DJI Care Refresh an, die auch Stürze abdeckt.
Zum Unwetter noch ein Satz: Die Pocket 4 ist nicht wasserdicht. Bei einem Gewitter in Genf habe ich sie in einen Gefrierbeutel gesteckt und durch den Beutel gefilmt. Das Resultat war erstaunlich brauchbar und sah aus wie ein Film aus den Siebzigerjahren.

Wem die Pocket 4 Freude macht
Ich behalte sie, und zum ersten Mal schaue ich meine Videos auch an. Nathalie hat aus den Clips des Sommers einen Film von neun Minuten für ihre Mutter in Romont geschnitten. Er ist weder wacklig noch dunkel, und mein Daumen kommt kein einziges Mal vor. Welcher Kabinenkoffer 380 Kilometer über Perrons und Treppen übersteht, steht in meinem Test des Samsonite Essens. Und womit ich im Zug lese, wenn ich nicht filme, im Test des Kindle Paperwhite. Unsere Testregeln fasst So testen wir zusammen.
Was mich Mitreisende zur Pocket 4 fragen
Was kostet die DJI Osmo Pocket 4 in der Schweiz?
Im September verlangte der Schweizer Handel für das Essential Combo ab rund 384 Franken, als Standard Combo ab rund 418 Franken und als Creator Combo ab rund 471 Franken. Die Pocket 4P mit zweiter Kamera begann bei rund 506 Franken.
Osmo Pocket 3 oder Pocket 4: Welche soll ich kaufen?
Die Pocket 3 kostet rund 160 Franken weniger und hat den gleich grossen Sensor und die gleiche Stabilisierung. Die Pocket 4 bietet dazu Zeitlupe in 4K bis 240 Bilder, mehr Dynamikumfang, 107 GB internen Speicher, zwei zusätzliche Tasten und eine bessere Personenverfolgung. Für reine Reiseerinnerungen reicht die Pocket 3.
Welches Combo der Pocket 4 lohnt sich?
Für die meisten das Standard Combo mit Etui und Griff. Das Creator Combo lohnt sich, wenn du in die Kamera sprichst, weil das Funkmikrofon DJI Mic 3 dabei ist. Das Essential Combo ist nur sinnvoll, wenn du Zubehör schon hast, etwa von einer Pocket 3.
Wie viele Stunden filmt die Osmo Pocket 4 mit einer Akkuladung?
DJI nennt 240 Minuten in Full HD bei ausgeschaltetem Bildschirm. Bei uns lief sie in 4K mit Bildschirm 2 Stunden und 38 Minuten am Stück. Ein Reisetag mit vielen kurzen Clips war problemlos, mit 23 Prozent Rest am Abend. Mit einem 65-Watt-Netzteil ist sie in 19 Minuten auf 80 Prozent.
Ist die Osmo Pocket 4 wasserdicht und wintertauglich?
Sie ist nicht wasserdicht. DJI gibt einen Betriebsbereich von 0 bis 40 Grad an. Im Schnee trägst du sie deshalb in der Innentasche und nimmst sie nur für die Aufnahme heraus. Bei Hitze kann sie in 4K mit hoher Bildrate nach gut 20 Minuten eine Temperaturwarnung zeigen.
