Bahnhof Lausanne, 7:48 Uhr. Wegen des Umbaus ist die halbe Unterführung eine Baustelle, der Lift ist von einem Kinderwagen und einem Velo besetzt, und vor mir liegen 38 Stufen. In der rechten Hand ein Koffer mit 7,4 Kilo, in der linken ein Kaffee, der zu heiss ist, um ihn schnell zu trinken.
Das ist der Moment, in dem du merkst, ob ein Kabinenkoffer einen guten Tragegriff hat. Der Samsonite Essens Spinner 55 hat einen. Er ist gepolstert, schneidet nicht in die Finger, und er sitzt so, dass der Koffer beim Tragen nicht gegen das Knie schlägt. Oben angekommen war der Kaffee noch da, und meine Laune auch.
Seit 25 Jahren verkaufe ich Käsereitechnik im Aussendienst, zwischen Genf und St. Gallen, meistens mit der Bahn. Ein Kabinenkoffer ist bei mir kein Ferienaccessoire, er gehört zur Arbeitsausrüstung wie das Messgerät. Von Mitte Juli bis Mitte September hat mich der Essens begleitet: 38 Zugfahrten, 19 Hotelnächte, vier Flüge mit drei Airlines und ziemlich viel Kopfsteinpflaster in der Fribourger Unterstadt.
- 20 cm tief, passt bei SWISS und Edelweiss mit Reserve
- Schale federt zurück, statt zu brechen
- Leise Rollen, auch in der Hauptverkehrszeit im HB
- Zwei herausnehmbare Packtaschen, gepolsterter Tragegriff
- 2,79 kg leer, bei 8 kg bleibt wenig Luft
- Kein Aussenfach für Laptop oder Billett
- Der Zuggriff wackelt leicht
- Öffnet in zwei gleich grosse Hälften, im engen Hotelzimmer mühsam
Unser Urteil: ein zäher, leiser Kabinenkoffer, der auch strenge Masse einhält und nach neun Wochen Bahnalltag kaum Spuren zeigt. Zu schwer für Grammzähler und unpraktisch für alle, die unterwegs schnell ans Laptop müssen. Wer damit leben kann, bekommt für 200 bis 220 Franken einen Koffer für viele Jahre.
Warum 20 Zentimeter mehr ausmachen, als du denkst
Höhe und Breite sind bei Kabinenkoffern fast immer gleich, 55 mal 40 Zentimeter. Spannend wird es bei der Tiefe, und da reicht die Spanne von 20 bis 25 Zentimetern. Der Essens hat 20 und liegt damit deutlich unter dem, was SWISS und Edelweiss erlauben. Das klingt nach Kleinkram, aber in einem vollen Gepäckfach über Reihe 28 entscheiden drei Zentimeter, ob der Deckel zugeht.
Nachgemessen komme ich auf 55 x 40 x 20,4 Zentimeter. Die zusätzlichen vier Millimeter gehen auf das Konto des Seitengriffs. So sehen die Regeln der Airlines aus, die ich ab Genf, Zürich und Basel am häufigsten nutze. Die Vorgaben ändern sich gern, und vieles hängt vom gebuchten Tarif ab. Ein Blick auf die Website vor dem Abflug erspart dir Ärger.
| Airline | Handgepäck | Gewicht | Essens 55/20 |
|---|---|---|---|
| SWISS (Economy) | 55 x 40 x 23 cm | 8 kg | passt |
| Edelweiss | 55 x 40 x 23 cm | 8 kg | passt |
| easyJet, gratis | nur Tasche unter dem Sitz, 45 x 36 x 20 cm | bis 15 kg | zu gross |
| easyJet mit grossem Handgepäck | 56 x 45 x 25 cm, gegen Aufpreis oder in bestimmten Tarifen | bis 15 kg | passt |
Die Zeile, die viele überrascht, ist die dritte. Bei easyJet ab Genf oder Basel darf ein Rollkoffer nur mit, wenn du grosses Handgepäck gebucht hast. Ich hatte für den Flug nach Porto einen Sitz vorne gewählt, bei dem es inbegriffen ist. Am Gate wurde trotzdem gemessen, der Essens rutschte ins Gestell, und die Mitarbeiterin nickte, ohne aufzuschauen.
Der Essens in Zahlen
Bei Samsonite gilt der Essens als Einstiegsmodell unter den Hartschalen. Für einen Einsteiger bringt er erstaunlich viel mit. Die Schale besteht aus Polypropylen, das mindestens zu 70 Prozent aus Recyclingmaterial stammt, und auch das Innenfutter ist aus wiederverwertetem PET. Hier die wichtigsten Daten, wie wir sie gemessen und nachgeschlagen haben.
| Merkmal | Samsonite Essens Spinner 55/20 |
|---|---|
| Aussenmasse | 55 x 40 x 20 cm (bei uns 20,4 cm mit Seitengriff) |
| Volumen | 39 Liter |
| Gewicht | 2,8 kg laut Samsonite, 2,79 kg auf unserer Waage |
| Material | Polypropylen, mind. 70 % recycelt |
| Rollen | 4 gefederte Doppelrollen |
| Schloss | TSA-Zahlenschloss, Dreipunktverschluss |
| Innen | 2 herausnehmbare, waschbare Packtaschen |
| Garantie | 5 Jahre laut Samsonite |
| Preis Schweiz | ca. CHF 198 bis 220, bei Samsonite CHF 210 |
Wer mehr Volumen will, findet den Essens auch in einer erweiterbaren Variante mit 23 Zentimetern Tiefe. Bei SWISS geht sie gerade noch durch, sobald du die Erweiterung öffnest, ist sie aber zu dick für jedes Gepäckfach. Meine Wahl fiel mit Absicht auf die schlanke Version, weil ich keine Lust habe, am Gate an Reissverschlüssen zu zerren. Und dann kam die Frage, was in 39 Liter passt.
Der Packtest: drei Nächte Kundentour, ein Stück Käse
Meine Standardliste für eine Tour mit drei Übernachtungen: drei Hemden, ein Pullover, eine Hose zum Wechseln, Unterwäsche und Socken, ein Paar leichte Schuhe, Kulturbeutel, Ladegeräte, dazu die Messkoffer mit pH-Meter und Einstichthermometer und ein Stapel Muster von Käsetüchern. Das Laptop reist separat im Rucksack.
Draufsetzen musste ich mich nicht. Den Platz verdanke ich den zwei Packwürfeln, die Samsonite mitliefert: Beim Zuziehen des Reissverschlusses pressen sie die Kleider flach. In den einen kamen Hemden und Pullover, in den anderen Wäsche, die Messkoffer lagen in der zweiten Schalenhälfte. Gepackt wog das Ganze 7,4 Kilo, bei SWISS bleiben also 600 Gramm für Ideen.
Wie schnell 600 Gramm weg sind, habe ich in Bulle gelernt. Ein Käser, den ich seit 15 Jahren betreue, schenkte mir zum Abschied ein Stück Vacherin Fribourgeois, 1,2 Kilo, in Papier gewickelt. Es kam in den Koffer, der Koffer in die Gepäckablage des Zuges nach Lausanne, und es war ein warmer Julinachmittag. Ab Romont hat der Käse sich vorgestellt. Der Herr gegenüber fragte bei Palézieux höflich, ob ich Käser sei. Ich habe «so ähnlich» gesagt und das Fenster gesucht, das sich nicht öffnen liess. Im Flugzeug wäre ich mit 8,6 Kilo über dem Limit gewesen, im Zug hatte das Gewicht eben andere Folgen.

Neun Wochen unterwegs: Rollen, Griffe, Schale
Von den Rollen hatte ich wenig erwartet und wurde eines Besseren belehrt. Über glatte Bahnhofsböden gleiten sie fast lautlos und halten brav die Spur. In der Halle des Zürcher HB habe ich mit dem Schallpegelmesser nachgemessen, aus einem Meter Abstand: 57 Dezibel beim Essens, 64 bei meinem alten Koffer auf derselben Strecke. Sieben Dezibel sind im Gedränge der Unterschied zwischen «man hört ihn» und «man hört ihn nicht».
Gedränge hatte ich reichlich. Am Samstag der Street Parade musste ich mittags durch den HB, zwischen Leuten mit Glitzer im Gesicht und Flügeln auf dem Rücken. Der Essens hat sich dabei wendig drehen lassen, auch auf zwei Rollen gekippt. Ein junger Mann in einem Tigerkostüm hat ihn freundlich zur Seite geschoben, als wäre er Teil der Deko.
Der härteste Test liegt vor meiner Haustür. Die Fribourger Unterstadt besteht aus Kopfsteinpflaster und steilen Gassen. Laut wird es dort mit jedem Koffer. Umgefallen ist der Essens aber kein einziges Mal, und alle vier Rollen sitzen noch fest. Bergauf nehme ich die Standseilbahn, die bei uns seit über hundert Jahren mit Abwasser als Gegengewicht fährt. Mein Koffer ist vermutlich der einzige in der Schweiz, der regelmässig mit Abwasser den Hang hinauffährt.

Mein Lieblingsteil ist die Schale. Drückst du auf sie, gibt sie nach und springt wieder in Form, statt Risse zu bekommen. In Bulle ist der Koffer von der Laderampe der Käserei gefallen, gut einen Meter tief auf Beton, als ich ihn für ein Foto hinstellen wollte. Ergebnis: eine helle Schramme an der unteren Kante, sonst nichts.
«Für einen Koffer aus Plastik ist der zäh. Der hält mehr aus als meine Milchkannen.» Der Käser in Bulle, nachdem er den Koffer von der Rampe aufgehoben hatte
Den Zuggriff kannst du auf zwei Höhen einrasten, das klappt zuverlässig. Ganz straff sitzt er aber nicht, ich habe rund vier Millimeter Spiel gemessen. Hinter dir hergezogen stört das nicht. Schiebst du den Koffer aber neben dir durch einen engen Wagengang, klappert der Griff leise in der Hand. Kein Mangel, aber teurere Serien sind da straffer. Und damit sind wir bei dem Ort, an dem der Essens die meiste Zeit verbracht hat.
In der Bahn: Wo der Koffer hinpasst
Bei 38 Zugfahrten wollte ich vor allem eines wissen: Bekomme ich ihn über den Sitzen in die Ablage? Ja. Quer hineingelegt findet er mit seinen 20 Zentimetern im Doppelstöcker und im älteren Einstöcker Platz. An einem Freitag um halb fünf zwischen Zürich und Bern war das Gold wert, denn am Wagenende stapelten sich die Koffer schon bis unter die Decke.
Wer 7,4 Kilo über Kopfhöhe stemmt, freut sich nicht, schafft es aber. Dabei greife ich zum seitlichen Griff statt zum oberen. So liegt der Koffer schon waagrecht in der Hand und rutscht einfach hinein. Einer älteren Dame im IC nach Sion wollte ich ihren Koffer daneben heben. Ihrer war fünf Zentimeter tiefer und passte nicht hinein, also landete er zwischen unseren Knien. Sie hat mir trotzdem ein Biscuit angeboten.

Das dreistellige Zahlenschloss trägt das TSA-Zeichen. Amerikanische Kontrolleure dürfen es mit einem Spezialschlüssel öffnen, ohne es aufzubrechen, für Reisen innerhalb Europas ist das egal. Ausgeliefert wird es mit 0-0-0, deine eigene Kombination legst du über einen kleinen Knopf fest. Mein Rat: Notier den Code gleich im Handy. Im Hotel um Mitternacht fallen einem drei Ziffern erstaunlich schlecht ein.
Was mich im Alltag gestört hat
Am meisten vermisst habe ich ein Fach auf der Vorderseite. Laptop, Billett, Unterlagen für den Kunden, alles muss in den Rucksack, sonst musst du im Zug den Koffer aus der Ablage holen und auf dem Sitz öffnen. Wer ohne Rucksack reist, wird das jeden Tag spüren.
Dazu kommt ein Punkt, der mit der Bauweise zu tun hat. Aufgeklappt teilt sich der Essens in zwei gleich tiefe Schalen. Zum Packen ist das angenehm. In einem Hotelzimmer in Chur mit genau einem Schritt Platz zwischen Bett und Schrank belegte er offen aber fast einen Meter, ich konnte ihn dort nur auf dem Bett öffnen.
Bleibt das Gewicht. Mit 2,79 Kilo ohne Inhalt gehört er nicht zu den Leichten, und bei 8 Kilo Limit bleiben gut fünf für deine Sachen. Leichtere Koffer mit denselben Massen gibt es, meist mit dünnerer Schale oder zu einem deutlich höheren Preis.
Wem ich den Essens empfehle
Drei Alternativen
- Samsonite Proxis Spinner 55: wiegt dank anderer Schale spürbar weniger und ist tadellos verarbeitet. Kostet aber ungefähr das Doppelte. Interessant für alle, die ständig mit engen Gewichtsgrenzen fliegen.
- Samsonite Essens erweiterbar: dieselbe Konstruktion mit 23 Zentimetern Tiefe und etwas höherem Preis. Sinnvoll, wenn du ohnehin fast immer SWISS fliegst und jeden Liter brauchst.
- Victorinox Airox: für alle, die lieber eine Schweizer Marke ziehen. Leichter als der Essens, dafür auch teurer. Vor dem Kauf die Tiefe prüfen, nicht jedes Modell hat 20 Zentimeter.
Nach neun Wochen: meine Bilanz
Über den Essens redet niemand auf dem Perron, und genau das spricht für ihn. Er macht einfach seine Arbeit. Er findet Platz in der Ablage, rollt leise durch den HB, verkraftet Pflaster, Laderampe und Street Parade und hat nach neun Wochen weniger Spuren als mein alter Koffer nach der ersten Messe. Dafür nimmst du drei Dinge in Kauf: ein paar Hundert Gramm zu viel, kein Aussenfach und einen Griff, der leicht wackelt.
Im Koffer reist bei mir übrigens immer der E-Reader mit, der in sechs Wochen nie an die Steckdose musste. Meine Erfahrungen stehen im Test des Kindle Paperwhite. Wer im Zug lieber Ruhe hat, findet im Langzeittest der AirPods Pro 3 von Reto die ruhigsten Kopfhörer, die unser Team kennt. Nach welchen Regeln wir Koffer wochenlang durch Bahnhöfe ziehen, steht auf der Seite So testen wir, und weitere Begleiter für unterwegs warten in unseren Testberichten.
Häufige Fragen
Darf der Essens 55 bei SWISS in die Kabine?
Ja. In der Economy von SWISS darf ein Handgepäckstück bis 55 x 40 x 23 cm messen und 8 kg wiegen. Der Essens 55/20 liegt mit 20 cm Tiefe klar darunter. Achte auf das Gewicht: Leer wiegt er schon 2,79 kg.
Darf ich den Essens bei easyJet mitnehmen?
Nur mit grossem Handgepäck, das du gegen Aufpreis oder in bestimmten Tarifen buchst. In diesem Fall darf er bis 56 x 45 x 25 cm gross sein. Gratis ist bei easyJet nur eine Tasche unter dem Sitz mit 45 x 36 x 20 cm.
Wie viel wiegt der Essens 55 leer?
Samsonite nennt 2,8 kg, unsere Waage zeigte 2,79 kg. Bei einem Limit von 8 kg bleiben also gut 5 kg für den Inhalt.
Wo kaufe ich den Essens in der Schweiz am günstigsten?
Samsonite selbst verlangt zum Zeitpunkt des Schreibens 210 Franken. Bei anderen Schweizer Händlern und Onlineshops liegt er meist zwischen 198 und 220 Franken, je nach Farbe und Aktion. Ein Preisvergleich lohnt sich.
