Kindle Paperwhite im Test: Lohnt er sich in der Schweiz, oder doch ein Tolino?

Sechs Wochen, 23 Hotelnächte, Bücher auf Deutsch und Französisch. Als Zweisprachiger hat mich der Paperwhite überzeugt. Nur bei der Bibliothek muss er passen.

Mann liegt in einem schmalen Hotelbett und liest auf einem schwarzen E-Reader, das Bett ist von der Wand abgerückt und gibt eine Steckdose mit Ladekabel frei
Unser TesturteilKindle Paperwhite (12. Generation)
9,0
Unsere Empfehlung für VielleserSechs Wochen Test, 16 GB mit Werbung, selbst gekauft bei Galaxus
Lesekomfort9,4
Akku9,5
Reisetauglichkeit9,2
Offenheit6,9
Das gefällt uns
  • Scharfer Text, auch in der Mittagssonne am See
  • 16 Tage Lesen ohne Ladekabel, und noch Reserve
  • Wörterbücher für Deutsch und Französisch mit einem Tippen
  • Hat ein Bad im Schwarzsee ohne Folgen überstanden
Das stört uns
  • Keine Ausleihe über die Onleihe der Bibliotheken
  • Kein Schweizer Kindle-Shop, E-Books meist in Euro
  • Grundversion zeigt Werbung beim Sperrbildschirm
  • Automatisches Licht nur bei der Signature Edition

Kurz gesagt: Wer E-Books kauft und viel unterwegs liest, bekommt mit dem Paperwhite den ausgewogensten Kindle und einen der angenehmsten E-Reader auf dem Markt. Wer vor allem über die Bibliothek ausleiht, nimmt einen Tolino.

Die einzige Steckdose in Zimmer 214 eines Hotels in St. Gallen sitzt hinter dem Kopfteil des Bettes. Um sie zu erreichen, musst du das Bett eine Handbreit von der Wand ziehen, auf den Knien, mit dem Ladekabel zwischen den Zähnen. Ich habe das in 25 Jahren Aussendienst unzählige Male gemacht, für Handy, Laptop und Rasierer.

Für den Kindle Paperwhite musste ich es kein einziges Mal. In sechs Wochen Test habe ich ihn genau zweimal geladen, beide Male zu Hause in Fribourg, am Küchentisch, neben dem Kaffee.

Ich bin im Aussendienst für einen Hersteller von Käsereitechnik unterwegs, zwischen Genf und St. Gallen, vier Tage die Woche. Abends lese ich, im Zug und im Hotel, seit Jahren fast nur digital. Und weil ich Romand bin und seit 30 Jahren auch Deutsch spreche, lese ich in zwei Sprachen: Joël Dicker auf Französisch, Glauser auf Deutsch. Genau da wurde dieser Test interessanter, als ich erwartet hatte.

Display und Licht: gedruckt, nur ohne Papier

Seit Herbst 2024 verkauft Amazon die 12. Generation des Paperwhite. Ihr E-Ink-Bildschirm misst 7 Zoll und löst mit 300 Pixeln pro Zoll auf. Aus der üblichen Entfernung kannst du keine einzelnen Pixel ausmachen. Selbst kleine Schriften mit feinen Serifen sehen aus wie aus der Druckerei.

Die Bildschirmdiagonale ist im Vergleich zur Vorgängerversion von 6,8 auf 7 Zoll gestiegen, der Rahmen rundherum ist dafür dünner. Pro Seite passen ein paar Zeilen mehr, und das Umblättern ist laut Amazon um rund ein Viertel schneller. Beim Lesen fiel mir zwischen Antippen und neuer Seite keine Wartezeit mehr auf. Beim alten Kindle von 2018 hatte ich jedes Mal ein kurzes Blinzeln im Kopf.

Das Licht kommt von LEDs am Rand und fällt auf die Anzeige, statt dir wie bei einem Tablet direkt in die Augen zu strahlen. Die Lichtfarbe reicht von kühlem Weiss bis zu einem warmen Orange. Im Spätzug von Genf nach Fribourg, kurz nach zehn Uhr abends, lese ich mit fast ganz warmem Licht und im Dunkelmodus, also mit heller Schrift auf schwarzem Grund. Die Studentin neben mir schlief an der Scheibe weiter, bis kurz vor Fribourg.

Mann liest nachts im fast leeren Zug auf einem E-Reader mit weisser Schrift auf schwarzem Grund, neben ihm schläft eine junge Frau mit Kopfhörern an der Scheibe
Spätzug von Genf nach Fribourg. Dunkelmodus, und die Nachbarin schläft weiter.

Helles Licht ist die eigentliche Stärke von E-Ink. Im Gegensatz zum Handy wird die Anzeige bei Sonne nicht schlechter, sondern besser lesbar, wie eine Zeitung. Das hat sich in der Ferienwoche am Schwarzsee gezeigt, aber dazu gleich mehr. Zuerst das, was mich als Zweisprachigen am meisten überrascht hat.

Lesen in zwei Sprachen: das Wörterbuch als Sitznachbar

Mein Deutsch ist gut, aber nicht perfekt. Bei Romanen stolpere ich über Wörter, die im Aussendienst nie vorkommen: Handwerksbegriffe, alte Redewendungen, Dialektfarbe. Früher habe ich solche Stellen überlesen oder das Handy gezückt. Beim Kindle tippe ich lange auf das Wort, und darunter erscheint die Erklärung.

Das Gute ist: Du kannst pro Sprache ein Wörterbuch wählen. Bei deutschen Büchern nutze ich ein Deutsch-Französisch-Wörterbuch, bei französischen Büchern ein einsprachiges französisches. Jedes nachgeschlagene Wort landet im Vokabeltrainer, und dort habe ich nach sechs Wochen 214 Einträge gezählt. Zufällig dieselbe Zahl wie das Hotelzimmer in St. Gallen.

Unser Tipp für ZweisprachigeGeh in den Einstellungen zu «Sprache und Wörterbücher» und lade für jede Sprache, in der du liest, ein passendes Wörterbuch herunter. Danach wählt der Kindle automatisch das richtige, je nachdem, in welcher Sprache das Buch geschrieben ist. Das funktioniert auch offline im Tunnel.

An seine Grenzen kommt das Wörterbuch bei Schweizer Wörtern. «Beiz» kennt es, «Znüni» auch. In einem neueren Berner Krimi sagte der Kommissar aber ständig «Gring», und da blieb das Feld leer. Ich habe dann Reto aus unserem Team im Chat gefragt. Seine Antwort kam zwischen Zug und Thalwil: «Chopf. Also Kopf.» Seitdem weiss ich, dass Berner Kommissare ihren Gring anstrengen.

Einen eigenen Schweizer Kindle-Shop gibt es nicht. Du kaufst E-Books über amazon.de, amazon.fr, amazon.it oder amazon.com, je nachdem, wo dein Konto läuft, und die Preise erscheinen meist in Euro. Mein Konto hängt an amazon.de, französische Bücher finde ich dort auch, manche Titel aus Westschweizer Verlagen aber gar nicht. Wie gut der Kindle unterwegs mitmacht, war die zweite grosse Frage.

Schwarzer E-Reader auf einem Küchentisch aus Holz, daneben ein französisches Taschenbuch, eine Kaffeetasse und ein Notizblock mit Bleistift
Küchentisch in Fribourg: der Kindle, ein Taschenbuch von früher und der Notizblock für Wörter wie «Gring».

Zug, Hotel und Schwarzsee: sechs Wochen im Einsatz

Der Test lief vom 22. Juni bis Anfang August. Darin stecken 23 Hotelnächte zwischen Chur, St. Gallen, Sion und Genf, rund 40 Zugfahrten und eine Ferienwoche am Schwarzsee mit Martine, meiner Frau. Elf Bücher habe ich in dieser Zeit gelesen, sieben auf Französisch, vier auf Deutsch.

211 Gramm wiegt der Paperwhite, weniger als so mancher dicke Taschenbuchkrimi. Im Rucksack, zwischen Laptop und Mustermappe, merke ich ihn nicht. Die Hülle habe ich weggelassen, um zu sehen, was er aushält. Nach sechs Wochen hat die Rückseite zwei feine Kratzer vom Reissverschluss, das Display keinen.

Was mir im vollen Zug um halb acht fehlt, sind Tasten zum Umblättern. Stehend im Gang, eine Hand am Griff, tippe ich mit dem Daumen an den Rand, und das klappt meistens. Mit Handschuhen stelle ich mir das im Winter fummelig vor, und schon im Sommer habe ich aus Versehen drei Seiten weitergeblättert, weil der Zug in Lausanne ruckartig bremste. E-Reader mit Tasten gibt es, etwa von Kobo, sie kosten aber spürbar mehr. Für mich ist das kein Grund, umzusteigen.

Am Schwarzsee habe ich um die Mittagszeit auf dem Steg gelesen, wolkenloser Himmel, Licht vom Wasser. Die Seiten waren ohne Licht gestochen scharf. Auf dem Handydisplay daneben erkannte ich dagegen nur mein eigenes Spiegelbild, samt Sonnenbrand auf der Nase. Und dann kam das Pedalo.

Laut Amazon übersteht der Paperwhite dank IPX8 eine Stunde in bis zu zwei Metern Süsswasser. Beim Aussteigen aus dem Pedalo ist er mir aus der Hand gerutscht, direkt neben dem Steg ins Wasser, vielleicht einen halben Meter tief. Martine war schneller als ich und hat ihn herausgefischt. Abgetrocknet, weitergelesen, genau auf der richtigen Seite.

«Du hast ihn fallen lassen, ich habe ihn gerettet. Ab jetzt ist das zur Hälfte meiner.» Martine, meine Frau, mit nassen Ärmeln auf dem Steg am Schwarzsee
Nasse Frauenhände halten einen tropfenden schwarzen E-Reader über einem Tretboot, dahinter ein Bergsee mit Tannen
Schwarzsee, Tag vier. Martine hat ihn gerettet, seitdem gehört er ihr zur Hälfte.

Sie hat ihn dann tatsächlich an drei Abenden auf dem Balkon für sich beansprucht, mit einem Krimi, den ich gerade anfangen wollte. Das ist die unterschätzte Kehrseite eines guten E-Readers: Er wird geliehen. Wie weit der Akku bei zwei Lesern trägt, zeigt die nächste Tabelle.

Akku: 16 Tage ohne Kabel

Amazon nennt bis zu zwölf Wochen Laufzeit. Diese Zahl gilt allerdings für 30 Minuten täglich, abgeschaltetes WLAN und Licht auf halber Stufe. Ich lese deutlich mehr. Nach dem ersten Laden habe ich das Kabel in der Schublade gelassen und gezählt.

MessungKindle Paperwhite
Lesezeit pro Tag (Schnitt)1 Std. 50 Min.
Tage ohne Laden16
Akku nach 16 Tagen41 %
Volle Ladung am Laptop-Netzteil (USB-C)2 Std. 25 Min.
Gewicht, eigene Waage211 g

Hochgerechnet reicht eine Ladung für gut vier Wochen meines Lesepensums. Geladen wird über USB-C, ein Netzteil liegt nicht bei. Jedes Handyladegerät mit Schweizer Stecker tut es, auch ein altes mit 5 Watt, dann dauert es einfach länger. Kabelloses Laden gibt es nur bei der teureren Signature Edition. Ich habe es nicht vermisst, weil ich unterwegs schlicht nie laden musste.

Beim WLAN lohnt ein Blick: Ist es dauernd an, sinkt die Laufzeit spürbar. Ich schalte es nur ein, wenn ich ein neues Buch lade. So weit das Schöne. Jetzt zu den zwei Dingen, die dich vor dem Kauf interessieren sollten.

Die Haken: Werbung und die Bibliothek

Die günstigste Version zeigt Werbung auf dem Sperrbildschirm, Amazon nennt das «Spezialangebote». Beim Lesen siehst du davon nichts. Bei mir erschien an einem Morgen ein Kochbuch über Vegan-Grillieren, das Martine sehr lustig fand. Wer sie loswerden will, kann das auch später noch im Amazon-Konto gegen eine Gebühr erledigen. Beim Kauf musst du dich also nicht festlegen.

Schwerer wiegt etwas anderes. Viele Bibliotheken in der Deutschschweiz leihen E-Books über die Onleihe aus, und die funktioniert mit dem Kindle nicht. Der Grund ist ein Kopierschutz von Adobe, mit dem Amazon-Geräte nichts anfangen können. Dasselbe gilt für E-Books aus anderen Shops, die so geschützt sind.

Wer viel ausleiht, ist mit einem Tolino besser bedient, den es in der Schweiz zum Beispiel bei Orell Füssli gibt, oder mit einem Kobo, den in der Romandie etwa die Fnac führt. Beide öffnen solche Bücher. EPUB-Dateien ohne Schutz, etwa von kleinen Verlagen, landen dagegen über «Send to Kindle» per App oder Mail auf dem Gerät. Mit einem Kindle hängst du enger an Amazon. Im Gegenzug hast du den grössten E-Book-Shop, Kindle Unlimited und eine Synchronisation zwischen Handy-App und Reader, die bei mir nie gehakt hat.

  • Paperwhite passt, wenn du E-Books kaufst oder im Abo liest und dich nicht um Formate kümmern willst.
  • Tolino oder Kobo passen, wenn die Bibliothek deine wichtigste Quelle ist oder du bei Schweizer Buchhandlungen einkaufst.
  • Colorsoft lohnt sich, wenn Comics, Rezepte oder Bildbände einen grossen Teil deines Lesestoffs ausmachen. Für Romane ist der Paperwhite klarer und hält länger.

Wo kaufen in der Schweiz, und zu welchem Preis

Amazon hat keinen Schweizer Shop, den Kindle bekommst du aber problemlos. Galaxus und Digitec führen ihn, Interdiscount ebenfalls, und amazon.de liefert in die Schweiz. Bei Artikeln, die Amazon selbst verkauft, rechnet der Shop mit Schweizer Mehrwertsteuer und übernimmt nach eigenen Angaben die Einfuhrgebühren. Ich habe bei Galaxus gekauft, für 139 Franken, weil ich bei einem Defekt lieber einen Schweizer Ansprechpartner habe.

ModellWas es kannPreis in der Schweiz ca.
Paperwhite, 16 GB, mit WerbungIPX8, 7 Zoll mit 300 ppi, Akku bis 12 WochenCHF 130 bis 155
Paperwhite, 16 GB, ohne Werbungwie oben, ohne SpezialangeboteCHF 148 bis 165
Paperwhite Signature Edition32 GB, Lichtsensor, kabelloses Laden, ohne WerbungCHF 167 bis 190

So standen die Preise bei Schweizer Händlern, als ich diesen Test geschrieben habe. An Aktionstagen wie dem Black Friday sinken sie regelmässig deutlich, wer Zeit hat, wartet. In 16 GB passen weit mehr als tausend Romane. Mehr Speicher lohnt sich nur für Hörbücher oder eine grosse Comicsammlung.

Wem ich den Paperwhite empfehle

Kauf ihn, wenndu oft unterwegs liest, im Zug, im Hotel oder am See, deine E-Books kaufst oder im Abo liest, vielleicht sogar in zwei Sprachen. Dann ist er einer der besten Reisebegleiter, die ich kenne.
Lass ihn, wenndie Onleihe deiner Bibliothek deine Hauptquelle ist oder du E-Books lieber in einer Schweizer Buchhandlung kaufst. Dann nimm einen Tolino oder Kobo. Für Bildbände und Comics ist der Colorsoft die bessere Wahl.

Für Hörbücher im Zug gehören bei mir gute Kopfhörer in die Tasche. Die ruhigsten, die unser Team kennt, beschreibt Reto im Langzeittest der AirPods Pro 3, nach gut 330 Fahrten zwischen Luzern und Zürich. Warum wir E-Reader wochenlang im Gepäck haben und nicht bloss einen Abend, steht auf der Seite So testen wir. Mehr getestetes Reisezubehör liegt in unseren Testberichten.

Mein Paperwhite reist weiter mit. Die Steckdose hinter dem Bett in St. Gallen darf von mir aus bleiben, wo sie ist.

Häufige Fragen zum Kindle Paperwhite

Wo kann man den Kindle Paperwhite in der Schweiz kaufen?

Bei Schweizer Händlern wie Galaxus, Digitec oder Interdiscount und direkt bei amazon.de, das in die Schweiz liefert. Die Grundversion mit 16 GB kostet zum Zeitpunkt des Schreibens rund 130 bis 155 Franken.

Kann ich mit dem Kindle E-Books aus der Bibliothek ausleihen?

Über die Onleihe nicht. Sie schützt ihre E-Books mit Adobe-DRM, und das unterstützen Kindles nicht. Wer viel ausleiht, ist mit einem Tolino oder Kobo besser bedient.

Kann ich auf dem Kindle Bücher auf Deutsch und Französisch lesen?

Ja. Du kaufst die Bücher im Kindle-Shop deines Kontos, zum Beispiel amazon.de oder amazon.fr, und kannst für jede Sprache ein eigenes Wörterbuch einstellen. Nachgeschlagene Wörter landen automatisch im Vokabeltrainer.

Ist der Kindle Paperwhite wasserdicht?

Ja, nach IPX8. Er hält laut Amazon bis zu eine Stunde in zwei Metern tiefem Süsswasser aus. Unser Testgerät ist in den Schwarzsee gefallen und läuft seither ganz normal. Kommt er mit Meerwasser in Kontakt, spül ihn danach kurz unter dem Wasserhahn ab.