- Im Doppelstöcker bleibt nur ein leises Rauschen übrig
- Puls beim Joggen ohne Uhr, nah am Brustgurt
- Knapp 8 Stunden am Stück mit Geräuschunterdrückung
- Aufsätze in fünf Grössen, links und rechts kombinierbar
- Das Case muss öfter an die Steckdose als beim Vorgänger
- Kein richtiger Equalizer
- Mit Android bleibt vieles weg
- Die neue Form hält nicht in jedem Ohr
Kurz gesagt: Mit iPhone und langem Arbeitsweg kennen wir derzeit keine In-Ears, die mehr Ruhe schaffen. Pro-2-Besitzer ohne Akkuprobleme können sich das Upgrade sparen, ausser der Pulssensor reizt sie.
«Dieser Zug endet in Zug.» So stand es an einem Dienstag im Februar um 7:31 Uhr auf der Anzeige. Der Zugbegleiter hat es zweimal durchgesagt, wegen einer Stellwerkstörung vor Thalwil, und rund 400 Leute sind brav ausgestiegen. Ich nicht.
Ich sass im Oberdeck, die AirPods Pro 3 im Ohr, Geräuschunterdrückung an, und hörte einen Podcast über Schlafforschung. Geweckt hat mich dann ein Mann vom Reinigungsdienst, der mir sehr freundlich auf die Schulter tippte. Er hat gelacht. Ich auch, etwas später.
Das ist der Test in einem Satz: Diese Kopfhörer sind so ruhig, dass du aufpassen musst. Seit Ende September stecken sie an jedem Werktag in meinen Ohren, auf der Strecke Luzern und Zürich, morgens hin, abends zurück. Bis heute sind das gut 330 Fahrten. Davor hatte ich drei Jahre lang die Pro 2. Mich interessiert darum weniger der erste Eindruck als die Bilanz: Was hat sich nach neun Monaten als echter Fortschritt erwiesen, und wo hatten die alten die Nase vorn?
Geräuschunterdrückung: Das Oberdeck wird zur Stube
Laut Apple dämpfen die Pro 3 Umgebungslärm bis zu zweimal so stark wie das Vorgängermodell. Ich halte solche Sätze normalerweise für Prospektlyrik. Bei tiefen Frequenzen trifft dieser aber zu. Das Rollen der Räder, das Brummen der Lüftung und das Dröhnen im Zimmerberg-Basistunnel sind fast ganz weg.
Weil Gefühle keine Messwerte sind, haben wir nachgemessen. Ich habe im Oberdeck eine Tonaufnahme gemacht und sie zu Hause über einen Lautsprecher mit 80 Dezibel abgespielt. Ein Messmikrofon steckte in einem Kunstkopf. Unter den Pro 2 mass es noch 53 Dezibel, unter den Pro 3 nur 45. Acht Dezibel weniger nimmt dein Ohr ungefähr als halb so laut wahr.
Gegen Stimmen kommen die Pro 3 weniger gut an. Im Grossraumbüro in Zürich höre ich die Kollegin am Nebentisch leiser, aber ich höre sie. Hohe Frequenzen sind für jede Geräuschunterdrückung schwieriger zu neutralisieren, das ist Physik und keine Apple-Schwäche. In den Sportferien sind wir mit Edelweiss nach Gran Canaria geflogen, viereinhalb Stunden. Vom Dröhnen der Triebwerke bekam ich nach dem Start kaum noch etwas mit. Zwei Kinder, die hinter uns um ein Tablet stritten, hörte ich dagegen noch, zumindest den Refrain.
Auf dem Hinflug habe ich einen einfachen Vergleich gemacht: Hörbuch so laut, dass ich die Sprecherin mühelos verstehe. Mit den Pro 2 stand der Regler bei rund 70 Prozent, mit den Pro 3 bei 50 Prozent. Nach viereinhalb Stunden stieg ich mit einem erstaunlich klaren Kopf aus. Und damit kommen wir zur Kehrseite, die mich im Februar eine Fahrt bis zum Abstellgleis gekostet hat.

Sitz und Aufsätze: Bei mir links S, rechts M
Das Gehäuse der Pro 3 ist kompakter geworden und hat eine neue Form. In den Silikonaufsätzen steckt jetzt ein Kern aus Schaumstoff, der sich an deinen Gehörgang schmiegt, und es gibt fünf Grössen von XXS bis L. Wer bisher selbst mit XS Druck im Ohr hatte, bekommt mit XXS endlich eine Option.
Bei mir hat der Sitztest in den Einstellungen etwas verraten, das ich nach 42 Jahren nicht wusste: Mein linker Gehörgang ist enger als der rechte. Jetzt trage ich links S und rechts M, und seitdem sitzen die Stöpsel auch beim Treppensteigen im Bahnhof Luzern fest. Ohne den Test hätte ich die linke Seite einfach für schlechter gehalten.
Bei Seraina, meiner Frau, lief es weniger glatt. Ihre Pro 2 sassen jahrelang tadellos. Mit den Pro 3 ist ihr beim Joggen um den Rotsee gleich in der ersten Woche der linke Stöpsel auf den Kiesweg gefallen, und ein Labrador war schneller bei ihm als sie. Er hat nur geschnuppert, zum Glück. Eine Nummer kleiner, XS, und das Problem war erledigt.

Ähnliche Berichte findest du in Foren zuhauf: Bei einem Teil der Leute sitzt die neue Form weniger stabil als die alte. Wichtig für die Schweiz: Ein gesetzliches Rückgaberecht für Onlinekäufe gibt es bei uns nicht. Apple nimmt Produkte innert 14 Tagen zurück, bei anderen Händlern lohnt sich ein Blick in die Bedingungen, bevor du bestellst. Teste den Sitz in dieser Zeit ausgiebig, vor allem beim Sport. Dort wartet nämlich die grösste Neuerung.
Pulsmessung: erstaunlich nah am Brustgurt
Neu steckt in beiden Stöpseln ein optischer Pulssensor. Er leuchtet mit Infrarot in die Haut und erkennt an den winzigen Schwankungen im Blutfluss, wie schnell dein Herz schlägt. Das Prinzip kennst du von Sportuhren. Ein Training startest du in der Fitness-App des iPhones, eine Uhr ist dafür nicht nötig.
Ich habe dem Sensor zuerst nicht getraut und ihn deshalb gegen den Brustgurt antreten lassen, der bei uns als Referenz für jede Pulsmessung dient. Zwölf Läufe rund um den Rotsee, zwei bis vier Runden, dazu zwei Einheiten mit kurzen Bergsprints den Gütsch hinauf. Im ruhigen Dauerlauf lagen die AirPods im Schnitt keine drei Schläge neben dem Gurt. Bei den Sprints hinkten sie jeweils ein paar Sekunden hinterher.
| Einheit (14 insgesamt) | Abweichung zum Brustgurt |
|---|---|
| Ruhiger Dauerlauf, flach | 1 bis 3 Schläge pro Minute |
| Zügiger Lauf, 4 Runden | 2 bis 4 Schläge pro Minute |
| Bergsprints am Gütsch | bis 11 Schläge, kurz nach jedem Antritt |
Wer als Freizeitläufer nur wissen will, ob er gemütlich oder zu schnell unterwegs ist, ist damit bestens bedient. Für ein Training streng nach Zonen würde ich weiterhin den Gurt umschnallen. Mich hat überrascht, wie wenig die Kälte ausmacht: Auch im Januar bei minus zwei Grad am Rotsee lief die Messung stabil. Jede Messung zieht Energie, und damit landen wir beim einzigen Punkt, an dem die Pro 2 besser waren.
Akku: Die Stöpsel halten länger, das Etui kürzer
Apple nennt jetzt 8 Stunden Laufzeit mit aktiver Geräuschunterdrückung, zwei mehr als bei den Pro 2. Im Oktober liess ich die frisch gekauften Pro 3 mit Musik bei 50 Prozent Lautstärke laufen, bis sie aufgaben: nach 7 Stunden und 52 Minuten.
Im Ladeetui steckt dafür weniger Reserve. Insgesamt sind es mit Etui etwa 24 Stunden Hören mit Geräuschunterdrückung, früher gut 30. Im Alltag heisst das für mich: Ich lege das Case etwa alle sechs Tage aufs Ladepad, früher alle neun. Kein Drama, aber auf einer Woche Ferien ohne Kabel merkst du es.
Wie versprochen habe ich die Stöpsel nach neun Monaten nochmals durch denselben Test geschickt. Ergebnis: 7 Stunden und 14 Minuten, also knapp acht Prozent weniger. Für Akkus dieser Grösse ist das ein üblicher Verschleiss. Das Etui nimmt Strom über USB-C, MagSafe oder sogar den Puck der Apple Watch. Das spart auf Reisen ein Kabel, und im Hotel gibt es erfahrungsgemäss sowieso nie genug Steckdosen.
Klang, Übersetzung und ein Nicken zu viel
Klanglich sind die Pro 3 etwas wärmer abgestimmt. Der Bass hat mehr Punch, Stimmen bleiben trotzdem klar vorne. Für Sprache ist das ideal, bei Orchestermusik wünsche ich mir in den Höhen etwas mehr Glanz. Wer am Klang schrauben will, findet keinen echten Equalizer, bloss ein paar Regler versteckt in den Bedienungshilfen.
Die Live-Übersetzung habe ich im Mai im Tessin ausprobiert, bei meinem Kollegen Fulvio in Lugano. Voraussetzung ist ein iPhone ab dem 15 Pro, auf dem Apple Intelligence läuft. Im Grotto erklärte uns der Wirt auf Italienisch die Tagesteller, und ich hörte mit rund zwei Sekunden Verzögerung eine deutsche Version. Das klappte gut, bis er in den Tessiner Dialekt wechselte. Da gab die Übersetzung auf, und Fulvio hat den Rest übernommen, mit breitem Grinsen und etwas freier Interpretation beim Dessert.

Schweizerdeutsch versteht die Übersetzung übrigens auch nicht, sie rechnet mit Hochdeutsch. Das ist kein Mangel der AirPods, sondern ein Thema für die ganze Branche.
Gesteuert wird über den Stiel. Ein Druck stoppt die Musik, zwei springen zum nächsten Stück, ein langer Druck schaltet zwischen Geräuschunterdrückung und Transparenz um, und mit einem Wisch regelst du die Lautstärke. Das Wischen scheitert allerdings an dicken Winterhandschuhen, eine Erkenntnis aus dem Januar auf Gleis 3 in Luzern. Am meisten nutze ich eine Kleinigkeit: Anrufe per Kopfbewegung. Ein Nicken heisst ja, ein Kopfschütteln nein.
Wenn im Gedränge beide Hände besetzt sind, ist das herrlich praktisch. Nur einmal hat es mich in Verlegenheit gebracht. Ich habe genickt, um einen Anruf anzunehmen, und die ältere Dame mir gegenüber hat freundlich zurückgenickt. Wir haben uns danach bis Zürich noch zweimal zugenickt, aus Höflichkeit. Seraina sagt, so fängt in Luzern eine Bekanntschaft an.
Beginnst du selbst zu reden, dreht die Gesprächserkennung die Musik von allein herunter. An der Kasse in der Migros heisst das: Ich sage «Grüessech», die Musik wird leise, und nach dem Bezahlen läuft sie weiter. Die Mikrofone halten beim Telefonieren den Wind erstaunlich gut draussen. Meine Mutter hat mich sogar auf der Seebrücke bei kräftiger Bise verstanden.
Mit einem Android-Handy werden die AirPods zu gewöhnlichen Bluetooth-Kopfhörern, immerhin mit Geräuschunterdrückung. Auf Puls, Übersetzung, Sitztest und den automatischen Wechsel zwischen Geräten musst du dort verzichten. Mit einem Galaxy bezahlst du einen guten Teil des Preises für Funktionen, die stumm bleiben. Wie sich das beste Android-Handy des Jahres sonst schlägt, steht im Test des Galaxy S26 Ultra.
Datenblatt und Schweizer Preise
| Merkmal | AirPods Pro 3 |
|---|---|
| Akku mit Geräuschunterdrückung (Stöpsel) | bis 8 Stunden |
| Akku gesamt mit Case | bis 24 Stunden |
| Schnellladen | 5 Minuten für rund 1 Stunde |
| Aufsätze | 5 Grössen, XXS bis L, mit Schaumkern |
| Schutz | IP57 (Stöpsel und Case) |
| Sensoren | Pulssensor, Bewegungssensoren, Mikrofone |
| Case laden | USB-C, MagSafe, Qi, Apple-Watch-Ladegerät |
| Gewicht | ca. 5,6 g pro Stöpsel |
| Preis Apple Store Schweiz | CHF 219 |
| Preis im Handel | meist CHF 194 bis 219 |
Im Apple Store Schweiz kosten die Pro 3 zum Zeitpunkt unserer letzten Prüfung im September 219 Franken. Bei Digitec, Galaxus und Interdiscount liegen sie meist darunter, den tiefsten Preis haben wir bei 194 Franken gesehen. Mehr als 210 Franken würde ich heute nicht mehr bezahlen.
Die Pro 2 sind inzwischen deutlich günstiger zu haben. Ob die Pro 3 den Mehrpreis wert sind, entscheiden drei Dinge. Erstens: Wie viele Stunden pro Woche verbringst du in Zug oder Flugzeug? Zweitens: Möchtest du beim Joggen Pulsdaten ohne Uhr? Drittens: Passt die neue Form zu deinen Ohren?
Wem ich die AirPods Pro 3 empfehle
Zurück zu den Pro 2 will ich nicht. Der 7:12er ist voll wie eh und je. Von seinem Lärm kriege ich bloss nichts mehr mit. Und am Endbahnhof schaue ich seit Februar sicherheitshalber einmal von meinem Podcast auf.
Seit September begleiten mich die Pro 3 mit dem neuen iPhone 18 Pro, und das Paar ist im Alltag eingespielt. Wer abends im Zug lieber liest als hört, findet im Test des Kindle Paperwhite von Pierre-Alain einen Begleiter, der wochenlang ohne Steckdose auskommt. Unser Vorgehen mit Kunstkopf, Brustgurt und monatelangem Pendeln beschreiben wir auf der Seite So testen wir. Alles, was bei uns sonst noch durch den Test gegangen ist, steht in den Testberichten.
Häufige Fragen zu den AirPods Pro 3
AirPods Pro 2 oder Pro 3: Was hat sich geändert?
Die Pro 3 dämpfen Lärm stärker, messen den Puls, sind neu geformt, haben fünf Aufsatzgrössen und laufen am Stück bis zu 8 Stunden, zwei mehr als die Pro 2. Mit dem Etui zusammen sind es dafür nur noch etwa 24 statt 30 Stunden.
Kann ich die AirPods Pro 3 zurückgeben, wenn sie nicht passen?
Ein gesetzliches Rückgaberecht für Onlinekäufe gibt es in der Schweiz nicht. Apple nimmt Produkte innert 14 Tagen zurück, andere Händler haben eigene Regeln. Prüf die Bedingungen vor dem Kauf und teste den Sitz in dieser Zeit gründlich.
Wie genau ist die Pulsmessung der AirPods Pro 3?
In unserem Vergleich mit einem Brustgurt lagen sie bei gleichmässigem Tempo meist 1 bis 3 Schläge daneben. Bei schnellen Tempowechseln reagieren sie ein paar Sekunden verzögert, dann sind bis 11 Schläge Abweichung möglich.
Funktionieren die AirPods Pro 3 mit einem Android-Handy?
Ja, aber nur als einfache Bluetooth-Kopfhörer, immerhin mit Geräuschunterdrückung und Transparenz. Für Puls, Übersetzung, Sitztest und die meisten Einstellungen braucht es ein iPhone.
