- Gestochen scharfer Text, auch in praller Sonne
- Akku hält im Urlaub locker drei Wochen
- Übersteht Badewanne und Strand
- Blättern endlich ohne spürbare Pause
- Keine Onleihe, keine Ausleihe aus Stadtbibliotheken
- Werbung auf dem Sperrbildschirm in der Grundversion
- Kein automatischer Lichtsensor ohne Signature Edition
- Keine Tasten zum Umblättern
Kurz gesagt: Für fast alle, die Romane, Sachbücher und Krimis lesen, ist der Paperwhite der beste Kindle. Den Colorsoft brauchst du nur, wenn du viele Comics, Kochbücher oder Kinderbücher liest.
„Du nimmst zwei E-Reader mit in den Urlaub. Zwei.“ Gabi, meine Frau, stand im Flur neben meinem Rucksack und hat nicht gefragt, sie hat festgestellt. Ich habe etwas von Vergleichstest gemurmelt. Sie hat die Augenbrauen gehoben und ihren Koffer weiter gepackt.
Drei Wochen Usedom später kann ich sagen: Es hat sich gelohnt, nur nicht so, wie ich dachte. Ich hatte erwartet, dass der Kindle Colorsoft mit seinem Farbdisplay den Paperwhite alt aussehen lässt. Nach sieben Wochen Test, davon drei am Strand, war es umgekehrt.
Ich bin seit 25 Jahren im Außendienst, 60.000 Kilometer im Jahr, und abends im Hotel lese ich. Seit 2012 fast nur digital, weil ein Koffer voller Taschenbücher auf Dienstreisen keine Option ist. Hier kommt also ein Test von jemandem, der sich über schlecht gesetzte Silbentrennung ärgern kann, und der trotzdem versucht, fair zu bleiben.
Display und Licht: Text wie auf gutem Papier
Der aktuelle Kindle Paperwhite ist die 12. Generation, seit Herbst 2024 im Handel. Er hat ein 7 Zoll großes E-Ink-Display mit 300 Pixeln pro Zoll. Das ist die Grenze, ab der dein Auge beim normalen Leseabstand keine einzelnen Punkte mehr erkennt. Buchstaben sehen aus wie gedruckt, auch bei kleiner Schrift.
Das Display ist gegenüber dem Vorgänger von 6,8 auf 7 Zoll gewachsen, vor allem weil die Ränder schmaler geworden sind. Auf eine Seite passen dadurch ein paar Zeilen mehr. Das klingt nach wenig, bedeutet aber bei einem 500-Seiten-Krimi deutlich weniger Blättern. Und das Blättern selbst ist schneller geworden, Amazon spricht von 25 Prozent. Im Test habe ich die Verzögerung zwischen Tippen und neuer Seite nicht mehr bewusst wahrgenommen.
Die Beleuchtung sitzt vor dem Display und strahlt nicht in die Augen wie bei einem Tablet. Du kannst die Farbe von kaltem Weiß bis zu warmem Bernstein regeln. Abends im Ferienhaus lese ich auf fast ganz warm, und Gabi, die im Bett neben mir schlafen wollte, hat sich nicht ein Mal über das Licht beschwert. Das war beim Tablet früher anders, und in so manchem Hotelzimmer mit dünnen Wänden auch.
Das Licht im Schlafzimmer ist das eine. Die eigentliche Prüfung war aber das Gegenteil: grelle Sonne, Sand und Salzwasser.

Drei Wochen Usedom: Strandkorb, Wanne, Möwe
E-Ink spiegelt nicht wie ein Handydisplay. Je heller die Sonne, desto besser lässt es sich lesen, genau wie Papier. Im Strandkorb in Ahlbeck um 13 Uhr, bei wolkenlosem Himmel, war der Paperwhite ohne Beleuchtung perfekt lesbar. Mein Handy daneben war ein schwarzer Spiegel, in dem ich vor allem meine Sonnenbrille sah.
Der Paperwhite ist nach IPX8 wasserdicht, Amazon garantiert zwei Meter Süßwasser für 60 Minuten. Gabi hat ihn an drei Abenden mit in die Badewanne genommen, beim zweiten Mal ist er ihr aus der Hand gerutscht und kurz untergegangen. Abtrocknen, fertig. Nach Salzwasser solltest du ihn kurz mit Leitungswasser abspülen, das empfiehlt Amazon auch selbst.
„Ich hab ihn tatsächlich aus dem Schaum gefischt und einfach weitergelesen. Beim Taschenbuch wäre das Kapitel dahin gewesen.“ Gabi, nach Kapitel 11 eines sehr dicken Schwedenkrimis

Und dann war da die Möwe. Ich saß auf der Promenade in Heringsdorf, Kindle in der linken Hand, Fischbrötchen in der rechten, und war gerade an der Stelle, an der der Kommissar den Täter erkennt. Die Möwe kam von hinten. Das Fischbrötchen war weg, der Kindle nicht. Seitdem weiß ich, wofür Möwen sich interessieren, und es ist nicht Literatur.
Mit 211 Gramm ist der Paperwhite leichter als die meisten Taschenbücher mit über 400 Seiten. 14 Bücher habe ich in drei Wochen gelesen, im Rucksack wog das trotzdem nicht mehr als ein einziges. Wie lange der Akku dabei durchgehalten hat, hat selbst mich überrascht.

Akku: Das Ladekabel blieb zu Hause
Amazon gibt bis zu zwölf Wochen an, gerechnet mit einer halben Stunde Lesen pro Tag, WLAN aus und Licht auf mittlerer Stufe. Im Urlaub lese ich deutlich mehr als nach einem langen Tag auf der A2. Ich habe das Ladekabel absichtlich zu Hause gelassen, um zu sehen, ob das gutgeht.
| Messung | Paperwhite | Colorsoft |
|---|---|---|
| Lesezeit in 3 Wochen (Schnitt pro Tag) | 2 Std. 20 Min. | 1 Std. 10 Min. |
| Akku nach 3 Wochen | 31 % | 18 % |
| Laden 0 auf 100 % (USB-C, 9 W) | 2 Std. 35 Min. | 2 Std. 50 Min. |
| Gewicht | 211 g | 219 g |
Der Paperwhite hat bei doppelter Lesezeit deutlich mehr Akku übrig als der Colorsoft. Das liegt am Farbfilter, der mehr Licht schluckt, sodass die Beleuchtung heller arbeiten muss. Amazon gibt für den Colorsoft auch nur bis zu acht Wochen an. Wer Comics in Farbe liest und dabei oft umblättert, lädt noch häufiger.
Laden geht per USB-C, mit jedem Handyladegerät. Die teurere Signature Edition kann auch kabellos laden. Das ist nett, im Urlaub war es mir aber egal. Womit wir beim eigentlichen Duell wären.
Paperwhite oder Colorsoft: Wer braucht Farbe?
Der Colorsoft hat dasselbe Format wie der Paperwhite, ist nur 8 Gramm schwerer und zeigt Text ebenfalls mit 300 Pixeln pro Zoll. Farbe gibt es mit 150 Pixeln pro Zoll. Buchcover, Landkarten in Reiseführern, Diagramme in Sachbüchern und Comics sehen damit plötzlich lebendig aus.
Die Farben sind aber gedämpft. Denk an eine Zeitung, die ein paar Tage in der Sonne lag, nicht an ein Tablet. Beim Lesen von Romanen, also schwarzer Schrift auf hellem Grund, wirkt der Hintergrund beim Colorsoft einen Hauch grauer und weniger klar als beim Paperwhite. Nebeneinander im Strandkorb hat Gabi, ohne zu wissen, welches Gerät welches ist, dreimal den Paperwhite als angenehmer bezeichnet.
- Colorsoft lohnt sich, wenn du viele Comics oder Graphic Novels liest, Kochbücher digital nutzt, Kindern vorliest oder beim Lesen gern farbig markierst.
- Paperwhite reicht, wenn du vor allem Romane, Krimis, Fantasy oder Sachbücher ohne viele Abbildungen liest. Das trifft auf die allermeisten zu.
- Preisunterschied: Der Colorsoft kostet laut Liste 30 Euro mehr als der Paperwhite, im Angebot schrumpft der Abstand manchmal auf 15 Euro, manchmal wächst er auf 60.
Der Colorsoft ist also kein schlechter E-Reader, er ist ein Spezialist. Ich habe ihn nach dem Urlaub wieder in den Karton gelegt und dem Kollegen gegeben, der Comics sammelt. Bevor du dich für einen Kindle entscheidest, solltest du aber zwei Haken kennen, die für beide gelten.
Kleine Kniffe, die das Lesen angenehmer machen
Nach sieben Wochen habe ich ein paar Einstellungen gefunden, die ich jedem sofort nach dem Auspacken empfehlen würde. Keine davon ist versteckt, aber kaum jemand stellt sie um.
- Schrift und Ränder: Unter „Aa“ im Buch kannst du Schriftart, Größe, Zeilenabstand und Seitenränder anpassen. Mit schmalen Rändern und etwas mehr Zeilenabstand liest es sich bei mir ruhiger. Die Einstellung lässt sich als Design speichern.
- Wörterbuch: Tipp lange auf ein Wort, und du bekommst die Erklärung, ohne das Buch zu verlassen. Bei englischen Büchern hat mir das im Urlaub mindestens zwanzigmal geholfen.
- Seitenumbruch mit der Handfläche: Auf der Liege lese ich einhändig, mit dem Daumen am rechten Rand. Die Tippzonen zum Umblättern lassen sich so einstellen, dass fast der ganze Bildschirm vorwärts blättert. Dann triffst du auch mit sandigen Fingern.
- Flugmodus: Im Urlaub ohne WLAN hält der Akku spürbar länger. Einmal am Abend kurz einschalten, damit die Leseposition mit dem Handy synchronisiert wird, reicht.
Und ein Tipp aus eigener Erfahrung: Blase nach dem Strand den USB-C-Anschluss kurz aus. Bei mir steckte nach zwei Wochen so viel Sand darin, dass das Kabel zuerst nicht richtig saß. Klingt banal, spart aber den Schreck, wenn der Kindle am letzten Urlaubstag scheinbar nicht mehr lädt. So viel zu den Stärken. Jetzt zu den Dingen, die du vor dem Kauf wissen solltest.
Die zwei Haken: Werbung und Onleihe
Der erste Haken ist die Werbung. Die günstigste Version zeigt auf dem Sperrbildschirm Buchempfehlungen von Amazon. Die stören beim Lesen nicht, aber sie sind da. Bei mir war es wochenlang ein Liebesroman mit einem Mann ohne Hemd auf dem Cover. Gabi hat jedes Mal gefragt, ob ich ihr nach 31 Jahren Ehe etwas sagen will. Die Werbung lässt sich gegen einen Aufpreis von etwa 10 Euro entfernen, auch nachträglich im Amazon-Konto.
Der zweite Haken wiegt schwerer, und viele merken ihn erst nach dem Kauf. Kindles unterstützen die Onleihe nicht, also das Ausleihen von E-Books über deine Stadtbibliothek. Die Onleihe nutzt ein Kopierschutzformat, das Kindles nicht lesen. Wer viel über die Bibliothek liest, ist mit einem Tolino besser bedient, der die Onleihe direkt eingebaut hat.
Eigene EPUB-Dateien ohne Kopierschutz kannst du übrigens problemlos per „Send to Kindle“ an deinen Kindle schicken, per E-Mail oder App. Bücher aus anderen Shops mit Kopierschutz dagegen nicht. Du bindest dich mit einem Kindle also stärker an Amazon als mit anderen E-Readern. Wenn dich das nicht stört, bekommst du dafür den größten E-Book-Shop, Kindle Unlimited und die beste Synchronisation zwischen Handy, E-Reader und Hörbuch.
Modelle und Preise im Überblick
| Modell | Was es kann | Preis ca. |
|---|---|---|
| Paperwhite, 16 GB, mit Werbung | 7 Zoll, 300 ppi, IPX8, bis 12 Wochen Akku | UVP 169,99 €, oft 140 bis 155 € |
| Paperwhite, 16 GB, ohne Werbung | wie oben, ohne Werbung | UVP 179,99 € |
| Paperwhite Signature Edition | 32 GB, automatischer Lichtsensor, kabelloses Laden, ohne Werbung | UVP 199,99 € |
| Colorsoft, 16 GB | Farbe mit 150 ppi, Text 300 ppi, bis 8 Wochen Akku | UVP 199,99 € |
| Colorsoft Signature Edition | 32 GB, Lichtsensor, kabelloses Laden | UVP 229,99 € |
Die Preise gelten zum Zeitpunkt des Schreibens, Amazon senkt sie an Aktionstagen regelmäßig um 20 bis 30 Prozent. Wenn du nicht dringend einen brauchst, lohnt sich das Warten auf den nächsten Aktionstag fast immer. Die 16 GB der Grundversion reichen übrigens für weit über tausend Romane. Mehr Speicher brauchst du nur für Hörbücher oder sehr viele Comics.
Für wen der Paperwhite der richtige Kindle ist
Wenn du den Kindle mit auf Reisen nimmst, gehört für mich noch ein gutes Paar Kopfhörer in die Tasche, für Hörbücher im Zug oder Flieger. Die ruhigsten, die wir getestet haben, stellen wir im Test der AirPods Pro 3 vor. Wer im Urlaub lieber läuft als liest, findet im Test der Garmin Forerunner 170 eine Uhr, die ebenfalls wochenlang ohne Steckdose auskommt.
Wie wir Geräte über Wochen testen, statt nur einen Nachmittag, erklären wir auf der Seite So testen wir. Weitere getestete Reisebegleiter findest du in unseren Testberichten.
Häufige Fragen zum Kindle Paperwhite
Kann man mit dem Kindle Paperwhite die Onleihe nutzen?
Nein. Kindles unterstützen das Kopierschutzformat der Onleihe nicht. Wer E-Books über die Stadtbibliothek ausleiht, braucht einen Tolino oder einen anderen E-Reader mit Onleihe-Unterstützung.
Lohnt sich der Aufpreis für die Version ohne Werbung?
Die Werbung erscheint nur auf dem Sperrbildschirm und nicht beim Lesen. Wenn sie dich stört, kannst du sie auch nach dem Kauf im Amazon-Konto gegen rund 10 Euro entfernen. Du musst dich also nicht sofort entscheiden.
Ist der Kindle Paperwhite wasserdicht?
Ja, nach IPX8. Amazon garantiert zwei Meter Süßwasser für bis zu 60 Minuten. In unserem Test hat er einen Tauchgang in der Badewanne ohne Folgen überstanden. Nach Salzwasser kurz mit Leitungswasser abspülen.
Paperwhite oder Colorsoft: Welcher ist besser für Romane?
Der Paperwhite. Text wirkt auf ihm etwas klarer und kontrastreicher, der Akku hält länger und er ist günstiger. Der Colorsoft spielt seine Stärke erst bei Comics, Bildern und farbigen Markierungen aus.
