Garmin Forerunner 170 im Test: Wie viel Laufuhr bekommst du für 300 Euro?

31 Läufe, 212 Kilometer und ein Hochbeet. Die neue Mittelklasse-Uhr von Garmin rechnet klüger als viele teurere Uhren. An einer Stelle hat Garmin aber gespart.

Läufer mit grauem Bart schaut am Flussufer im Morgennebel auf seine Sportuhr, dahinter eine Steinbrücke
Unser TesturteilGarmin Forerunner 170
8,6
Sehr gut für StraßenläuferSieben Wochen, 31 Läufe, 212 km, gekauft im Handel
Trainingshilfe9,2
Genauigkeit8,4
Akku8,5
Preis-Leistung7,8
Das gefällt uns
  • Trainingsbereitschaft und Trainingszustand, bisher nur in teureren Uhren
  • Helles AMOLED-Display, auch in der Mittagssonne gut lesbar
  • 41 Gramm, im Alltag kaum zu spüren
  • Garmin Pay und barometrischer Höhenmesser
Das stört uns
  • Nur einfaches GPS, kein Mehrfrequenz-GPS
  • Keine Karten, keine Triathlon-Funktion
  • Puls bei Intervallen spürbar verzögert
  • Die Forerunner 265 kostet im Handel nur rund 50 Euro mehr

Kurz gesagt: Die beste Garmin für Einsteiger und Hobbyläufer, die mehr wollen als Kilometer und Tempo. Wer oft im Wald oder zwischen Häuserschluchten läuft oder Triathlon macht, legt die paar Euro für die Forerunner 265 drauf.

Am Morgen nach dem Hochbeet hat mir meine Uhr einen Ruhetag verordnet. Trainingsbereitschaft 23 von 100, Empfehlung: „Erholung“. Ich hatte am Vortag keinen Meter gelaufen. Ich hatte vier Stunden lang Erde geschaufelt, Bretter verschraubt und zwei Kubikmeter Mutterboden durch den Garten gekarrt.

Die Garmin Forerunner 170 hatte also verstanden, was meine Frau Katrin nicht verstehen wollte: dass Gartenarbeit Sport ist. Das war der Moment, in dem ich angefangen habe, dieser Uhr zu vertrauen.

Hände mit Sportuhr schaufeln Mutterboden in eine Schubkarre neben einem halb fertigen Hochbeet
Vier Stunden Hochbeet. Am nächsten Morgen gab es Ruhetag.

Ich teste für dieses Team normalerweise Gartengeräte und Outdoor-Ausrüstung, und ich laufe seit 14 Jahren, drei- bis viermal pro Woche, meist an der Lahn. Die Forerunner 170 kam im Mai auf den Markt, ich habe sie in der ersten Woche gekauft und sieben Wochen lang jeden Tag getragen. Beim Laufen, beim Schlafen, beim Rasenmähen. Hier ist, was sie kann, wo sie spart, und für wen sich die 300 Euro lohnen.

Was die Forerunner 170 kann und was neu ist

Die 170 ist die Nachfolgerin der Forerunner 165 und sitzt in Garmins Laufuhren-Familie in der Mitte. Unter ihr gibt es die neue Forerunner 70 für 249,99 Euro, darüber die 265, die 570 und die 970. Äußerlich ist sie schlicht: rundes Gehäuse mit 42,6 Millimetern, fünf Tasten, ein 1,2 Zoll großes AMOLED-Display mit Touch.

Das Display ist hell, farbig und scharf. In der prallen Junisonne am Lahnufer konnte ich Pace und Puls ohne Schatten mit der Hand ablesen. Das war vor ein paar Jahren bei dieser Preisklasse noch keine Selbstverständlichkeit. Wer abends ohne Licht aufs Handgelenk schaut, wird trotzdem nicht geblendet, weil die Helligkeit sich anpasst.

Die eigentliche Neuerung steckt in der Software. Die 170 bekommt drei Funktionen, die bisher teureren Modellen vorbehalten waren:

  • Trainingsbereitschaft: ein Wert von 1 bis 100 am Morgen, berechnet aus Schlaf, Herzfrequenzvariabilität, Belastung der letzten Tage und Stress.
  • Trainingszustand: zeigt über Wochen, ob du fitter wirst, stagnierst oder dich überlastest.
  • Schnelles Training: Die Uhr erstellt dir passend zu deinem Zustand eine Einheit mit 30, 45 oder 60 Minuten.

Dazu kommen die bekannten Garmin-Werte wie Body Battery, Schlafanalyse, Laufeffizienz am Handgelenk und die kostenlosen Trainingspläne von Garmin Coach. Klingt nach viel Zahlen. Aber taugen die Zahlen etwas, wenn schon die Grundlage, also GPS und Puls, nicht stimmt? Das war mein erster Test.

GPS und Puls: Wir haben nachgemessen

Die 170 hat nur einfaches GPS, kein Mehrfrequenz-GPS. Das ist der größte Unterschied zur 265 und der Punkt, an dem Garmin gespart hat. Mehrfrequenz hilft vor allem dort, wo Signale von Häuserwänden oder dichtem Laub zurückgeworfen werden.

Ich habe drei Strecken jeweils fünfmal gelaufen: zehn Runden auf der 400-Meter-Bahn des Sportplatzes, eine offene Runde am Fluss mit 8,4 Kilometern, die ich mit dem Messrad des Vereins vermessen habe, und eine Waldrunde mit dichtem Buchenbestand.

Strecke (je 5 Läufe)Echte LängeForerunner 170, SchnittAbweichung
Sportplatz, 10 Runden4,00 km4,03 km0,8 %
Flussrunde, offen8,40 km8,43 km0,4 %
Waldrunde, dichtes Laub6,15 km6,01 km2,3 %

Auf offenen Strecken ist das hervorragend. Im Wald war die Aufzeichnung an zwei Tagen sichtbar zackig, und die Uhr hat mir im Schnitt 140 Meter unterschlagen. Für die Hausrunde ist das egal. Wenn du aber im Wald Tempoläufe machst und auf jede Sekunde pro Kilometer achtest, wird dich die Live-Pace ärgern. Die springt unter Bäumen gern mal um 15 Sekunden hin und her.

Den Puls habe ich wie immer gegen einen Brustgurt geprüft. Bei ruhigen Dauerläufen lag der optische Sensor im Schnitt 2 Schläge daneben, das ist sehr gut. Bei Intervallen braucht er nach jedem Tempowechsel 10 bis 15 Sekunden, bis er aufgeholt hat. Das ist typisch für Sensoren am Handgelenk. Die Uhr lässt sich aber mit einem Brustgurt koppeln, und für Intervalle würde ich das empfehlen. Mein Kollege Torsten hat übrigens ausprobiert, wie gut die Pulsmessung im Ohr ist, im Test der AirPods Pro 3. Die Grundlage stimmt also. Bleibt die spannendere Frage, was die Uhr aus diesen Daten macht.

Verschwitztes Handgelenk mit runder Sportuhr, daneben schmutzige Laufschuhe und eine Wasserflasche auf einer Gartenbank
Nach dem Lauf auf der Gartenbank. Der Puls lag nah am Brustgurt.

Trainingsbereitschaft: die Uhr, die dich bremst

Ich bin ein Läufer, der zu oft zu schnell läuft. Das sagt mir jeder Trainer, und ich höre es jedes Mal mit einem Nicken, und am nächsten Tag laufe ich wieder zu schnell. Die 170 hat daran in sieben Wochen mehr geändert als alle Trainer zusammen. Nicht, weil sie klüger ist, sondern weil sie mir jeden Morgen eine Zahl zeigt.

Die Trainingsbereitschaft hat in meinem Test gut zu meinem Gefühl gepasst. Nach schlechtem Schlaf, nach einem langen Lauf und nach dem erwähnten Hochbeet war sie niedrig. Nach zwei ruhigen Tagen hoch. An einem Tag lag sie bei 81, obwohl ich mich schlapp fühlte, und der Lauf war dann tatsächlich einer der besten des Monats. Seitdem höre ich öfter auf sie.

„Früher hat Holger beim Frühstück übers Wetter geredet. Jetzt redet er über seine Herzfrequenzvariabilität.“ Katrin, meine Frau, beim Sonntagsfrühstück

Die Funktion „Schnelles Training“ habe ich anfangs belächelt und dann fünfmal genutzt, immer wenn ich nur eine halbe Stunde Zeit hatte und keine Idee. Die Uhr hat mir einmal einen lockeren Lauf mit vier kurzen Steigerungen gebaut, einmal einen Tempoblock, einmal nur 30 Minuten ruhig. Passend zu dem, was die Tage davor passiert war.

Ein kleiner Kritikpunkt aus dem Garten: Die Uhr zählt beim Rasenmähen fleißig Schritte, das ist fair. Beim Stachelbeerpflücken, als ich 40 Minuten unter einem Busch hockte, hat sie mich dreimal mit „Beweg dich!“ angestupst. Die Erinnerung lässt sich abschalten. Mehr Sorgen als die Bewegungsmahnung machen den meisten aber die Ladezeiten, also schauen wir auf den Akku.

Mann mit Sportuhr und Strohhut hockt unter einem Stachelbeerstrauch und pflückt Beeren
40 Minuten unter dem Stachelbeerbusch. Die Uhr fand, ich soll mich bewegen.

Tag und Nacht am Handgelenk: Schlaf, Tragekomfort, App

Eine Laufuhr, die nur beim Laufen am Arm ist, rechnet mit halben Daten. Die Trainingsbereitschaft braucht den Schlaf, und den Schlaf misst die Uhr nur, wenn du sie nachts trägst. Mit 41 Gramm und dem weichen Silikonarmband ging das bei mir problemlos. Nach der dritten Nacht habe ich sie nicht mehr bemerkt. Nur in zwei sehr heißen Juninächten habe ich das Armband ein Loch weiter gestellt, weil es unter der Uhr geschwitzt hat.

Die Schlafanalyse passt gut zu meinem Gefühl. Einschlafzeit und Aufwachzeit stimmten in meinem Protokoll bis auf wenige Minuten, nur wenn ich nachts kurz wach lag und still gelesen habe, hielt die Uhr das gern für leichten Schlaf. Morgens zeigt sie einen Bericht mit Schlaf, Erholung, Wetter und dem geplanten Training. Abends gibt es einen kurzen Rückblick auf den Tag. Katrin nennt das mein „Wort zum Sonntag, aber täglich“.

Alle Daten landen in der kostenlosen App Garmin Connect, ohne Abo. Die App ist voll, manchmal zu voll, und es dauert ein paar Tage, bis man die Kacheln so sortiert hat, dass das Wichtige oben steht. Wer mag, zahlt für Connect+ extra, für diese Uhr braucht es das aber nicht. Alles aus diesem Test funktioniert ohne Zusatzkosten. Und damit zur Frage, wie oft die Uhr ans Kabel muss.

Akku: eine Woche mit Training, ohne Stress

Garmin gibt bis zu zehn Tage im Smartwatch-Betrieb an, bis zu 20 Stunden mit GPS und bis zu vier Tage mit dauerhaft eingeschaltetem Display. Mein Alltag lag irgendwo dazwischen: vier Läufe pro Woche mit je 45 bis 70 Minuten, Schlafaufzeichnung jede Nacht, Benachrichtigungen vom Handy an, Display nur bei Bewegung.

Damit kam ich im Schnitt auf 7 Tage und 9 Stunden, bevor die Uhr bei 5 Prozent um Strom bat. Mit dauerhaft eingeschaltetem Display waren es in einer Testwoche nur 3 Tage und 20 Stunden. Ein dauerhaft leuchtendes Display sieht schöner aus, kostet aber mehr als die Hälfte der Laufzeit. Ich habe es nach dieser Woche wieder ausgeschaltet und nichts vermisst.

Unser Akku-TippLade die Uhr beim Duschen nach dem Lauf. In den 15 Minuten kommen rund 20 Prozent dazu, genug für zwei weitere Tage. So hängt sie nie über Nacht am Kabel, und die Schlafdaten gehen nicht verloren.

Geladen wird mit dem üblichen Garmin-Kabel. Leer auf voll dauerte im Test eine Stunde und 52 Minuten. Das Kabel ist das gleiche wie bei fast allen Garmin-Uhren, und im Urlaub ist das ein Vorteil. Die spannendste Frage für viele ist aber nicht der Akku, sondern der Preis im Vergleich zu den Geschwistern.

Forerunner 70, 170 oder 265: welche passt zu dir?

Garmin macht es dir nicht leicht, weil die Modelle so nah beieinander liegen. Hier sind die Unterschiede, die im Alltag wirklich zählen:

Forerunner 70Forerunner 170Forerunner 265
Preis (UVP / Straße)249,99 € / ähnlich299,99 € / ab ca. 279 €älteres Modell / ab ca. 330 €
DisplayAMOLED 1,2 ZollAMOLED 1,2 ZollAMOLED 1,1 oder 1,3 Zoll
Trainingsbereitschaftjajaja
Mehrfrequenz-GPSneinneinja
Barometrischer Höhenmesserneinjaja
Garmin Payneinjaja
Freiwasser-Schwimmenneinjaja
Triathlon-Modusneinneinja
Gewicht40 g41 g39 bis 47 g

Die Forerunner 70 hat erstaunlich viel von der 170, aber keinen barometrischen Höhenmesser. Sie berechnet Höhenmeter aus dem GPS, und das wird bei hügeligen Läufen ungenau. Auf meiner Taunus-Runde mit 310 Höhenmetern zeigte die 170 dank Barometer im Schnitt 306 an. Ohne Barometer schwankt der Wert je nach Empfang schnell um einige Dutzend Meter. Wer flach läuft, spart mit der 70 aber 50 Euro und verzichtet nur noch auf kontaktloses Bezahlen.

Die Forerunner 265 ist das ältere Modell, aber technisch in zwei Punkten besser: Mehrfrequenz-GPS und ein echter Triathlon-Modus. Sie kostet im Handel zum Zeitpunkt unserer Aktualisierung ab rund 330 Euro, also rund 50 Euro mehr als die 170. Für Waldläufer und Triathleten ist das gut angelegtes Geld. Für alle anderen nicht unbedingt.

Die 170 gibt es auch als Music-Version für 349,99 Euro, mit Speicher für Musik und WLAN. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, ob du ohne Handy laufen willst. Ich laufe ohne, aber mit Kopfhörern, und habe die Music-Version trotzdem nicht vermisst, weil ich mein Handy sowieso in der Laufweste habe.

Für wen sich die Forerunner 170 lohnt

Kauf sie, wenndu auf Straße, Feldwegen oder am Fluss läufst, zwei- bis fünfmal pro Woche trainierst und wissen willst, wann du Gas geben kannst und wann du besser ruhig läufst. Sie ist leicht, bequem, hält eine Woche und funktioniert mit iPhone und Android.
Lass sie, wenndu viel im dichten Wald oder in der Innenstadt zwischen hohen Häusern läufst und genaue Live-Pace brauchst. Oder wenn du Triathlon machst oder Karten zur Navigation willst. Dann ist die 265 oder die 570 die bessere Wahl.

Ich behalte sie, auch nach dem Test. Nicht wegen der vielen Werte, sondern wegen des einen am Morgen. Seit sieben Wochen laufe ich meine lockeren Läufe endlich locker, und meine Knie danken es mir. Das Hochbeet übrigens auch, es ist inzwischen voll mit Zucchini.

Wie wir Sportuhren testen, mit vermessenen Strecken, Brustgurt und Wochen im Alltag, erklären wir auf der Seite So testen wir. Weitere Ausrüstung für draußen, die unsere Tests bestanden hat, findest du in unseren Testberichten.

Häufige Fragen zur Garmin Forerunner 170

Was ist der Unterschied zwischen Forerunner 165 und 170?

Die 170 bekommt Trainingsbereitschaft, Trainingszustand, genauere Belastungsanalyse und das schnelle Training, das dir kurze Einheiten vorschlägt. Display, Tasten, Garmin Pay und Höhenmesser hatte auch schon die 165.

Hat die Forerunner 170 Karten?

Nein. Du kannst eine Strecke als Linie auf die Uhr laden und ihr folgen, aber es gibt keine Straßen- oder Wanderkarten. Dafür brauchst du mindestens eine Forerunner 570 mit Kartenfunktion oder die 970.

Wie genau ist das GPS der Forerunner 170?

Auf offenen Strecken sehr genau, in unserem Test unter einem Prozent Abweichung. Unter dichtem Laub waren es im Schnitt 2,3 Prozent. Wer oft im Wald läuft, profitiert vom Mehrfrequenz-GPS der Forerunner 265.

Funktioniert die Forerunner 170 mit dem iPhone?

Ja, über die kostenlose App Garmin Connect, genauso wie mit Android. Auf Nachrichten antworten kannst du am iPhone allerdings nicht direkt von der Uhr, nur lesen.