«Sind die gut für mein Knie?» Die Frage kommt in meiner Praxis in Solothurn fast jeden Tag, meistens beim Ausziehen der Schuhe. Und seit zwei, drei Jahren sind es auffällig oft Schuhe mit diesen Hohlkammern in der Sohle. Im Frühling habe ich angefangen mitzuzählen. Von 64 Patientinnen und Patienten, die in Sportschuhen kamen, trugen 21 On.
Meine Antwort war bisher ehrlich, aber unbefriedigend: Es kommt darauf an. Diesen Sommer wollte ich es genauer wissen. Ich habe mir den On Cloudmonster 3 gekauft, den stark gedämpften Trainingsschuh der Zürcher Marke, in der Damenversion ganz in Schwarz, Grösse 39, für 250 Franken im Schweizer On-Shop. Vom 9. Juni bis zum 27. August bin ich damit 34 Mal gelaufen, 247 Kilometer an der Aare, am Jurasüdfuss und durch die Verenaschlucht. Dazu habe ich ihn an 41 Arbeitstagen in der Praxis getragen, acht Stunden auf Linoleum.
- Weiche Landung, ohne schwammig zu sein
- Abrollende Sohle, die Grosszehe und Wade entlastet
- Breiter Vorfuss, gepolsterte Ferse
- Auch nach acht Stunden Stehen angenehm
- Sammelt Steinchen in den Rillen der Sohle
- Fällt rund eine halbe Nummer gross aus
- Schnürsenkel lösen sich, Doppelknoten nötig
- Für schnelle Einheiten zu schwerfällig
Kurz gesagt: Ein angenehmer, stabiler Schuh für ruhige Läufe und lange Tage auf den Beinen, besonders wenn Grosszehe oder Achillessehne empfindlich sind. Kein Wunderschuh fürs Knie. Und zum vollen Preis von 250 Franken zu teuer, wenn du in einer anderen Farbe oder als Vorjahresmodell 100 Franken sparen kannst.
Der Schuh auf der Waage: Was im Cloudmonster 3 steckt
Den ersten Cloudmonster brachte On 2022 heraus, als Antwort auf die dick gedämpften Schuhe der Konkurrenz. Die dritte Generation ist seit dem 5. März im Handel. Laut On soll sie die Abrollbewegung und die Spritzigkeit der ersten Version zurückbringen und mit mehr Dämpfung verbinden.
Technisch steckt Folgendes darin:
- Helion-Schaum in zwei Härten, darunter drei Lagen der typischen Hohlkammern, die On CloudTec nennt.
- Eine Platte aus einem Nylon-Mix (Speedboard) zwischen den Schichten, die sich unter dem Vorfuss biegt und beim Abstossen zurückfedert.
- Eine stark gebogene Sohle, eine sogenannte Rocker-Form, die dich beim Abrollen nach vorne kippt.
- 35 Millimeter unter der Ferse, 29 unter dem Vorfuss, also 6 Millimeter Sprengung.
On gibt 240 Gramm für die Damengrösse US 7 an. Mein Paar in 39 wiegt auf der Küchenwaage 252 Gramm pro Schuh. Für einen Schuh mit so viel Sohle ist das ordentlich, leicht ist er nicht. Mit der Schieblehre aus der Praxis habe ich an der Ferse 35,5 Millimeter gemessen, die Angabe stimmt also.

Auf dem Schuh steht in kleinen Buchstaben «Swiss Engineering». Entwickelt wird bei On in Zürich, hergestellt wie fast alle Laufschuhe in Asien. Das ist kein Vorwurf, es gehört nur zur Ehrlichkeit. Viel wichtiger ist, wie er an meinem Fuss sitzt.
Passform und Grösse: eine halbe Nummer Luft
Normalerweise trage ich 39,5. Im Laden in Solothurn habe ich beide Grössen anprobiert und bin bei 39 gelandet. In 39,5 hatte ich vor den Zehen mehr als eine Daumenbreite Platz, beim Bergablaufen rutscht der Fuss dann nach vorne. Viele Läuferinnen berichten dasselbe: Der Cloudmonster 3 fällt eher eine halbe Nummer gross aus.
Der Vorfuss ist angenehm breit. Meine Zehen haben Platz, und auch eine Patientin mit beginnendem Hallux valgus, die ihn kurz anprobieren durfte, fand keinen Druckpunkt. Die Zunge ist seitlich angenäht und verrutscht nicht, die Ferse ist dick gepolstert und hält gut.
Weniger gut: die Schnürsenkel. Sie sind glatt und rund, und in den ersten zwei Wochen gingen sie mir dreimal während des Laufens auf, einmal mitten auf der Wengibrücke. Seit ich einen Doppelknoten mache, hält alles. Wer Schnellschnürsenkel mag, kann sie einfach austauschen.
Wie er sich läuft: weich, stabil und ein bisschen behäbig
Die ersten 25 Kilometer war der Schuh fester, als ich erwartet hatte. Die Hohlkammern geben bei der Landung zuerst nach, darunter fühlt sich der Schaum aber eher straff an. Nach etwa drei Wochen wurde er spürbar weicher, und ab da hat er mir richtig Freude gemacht.
Das Besondere ist das Abrollen. Du landest, die gebogene Sohle kippt dich nach vorne, und der Fuss muss dafür weniger arbeiten. Bei meinen ruhigen Läufen im Tempo von 6.20 bis 6.40 pro Kilometer fühlte sich das an, als würde mir jemand auf den Rücken tippen. Auf der Strecke von Solothurn der Aare entlang nach Altreu und zurück, gut 11 Kilometer, waren meine Waden am nächsten Morgen lockerer als nach dem gleichen Lauf in meinem alten Trainingsschuh.
Für Tempo ist er nichts. Meine Praxiskollegin Jasmin, 31 Jahre alt und Halbmarathonläuferin, hat ein zweites Paar zwölf Läufe lang getragen. Ihr Urteil nach dem ersten Intervalltraining auf der Bahn: «Wie mit Wanderschuhen tanzen.» Für ihre langen Sonntagsläufe will sie ihn trotzdem behalten.
«Bei 18 Kilometern merke ich an den Beinen am Schluss weniger als sonst. Bei 400-Meter-Intervallen fühle ich mich wie ein Lastwagen.» Jasmin, Physiotherapeutin und Halbmarathonläuferin
Stabilität: Der Schuh ist neutral, stützt also nicht aktiv nach innen. Die breite Sohle macht ihn aber gutmütig. Auf dem Kiesweg nach Altreu und in der Verenaschlucht mit ihren Wurzeln bin ich nie umgeknickt. Im Regen hat die Aussensohle auf nassem Asphalt gut gegriffen, auf nassen Holzstegen weniger. Das Obermaterial ist nach drei Minuten Regen durch und trocknet über Nacht mit Zeitungspapier.
Ein Punkt zur Farbe: Im Juli bin ich bei 31 Grad gelaufen, und die schwarze Version wurde in der Sonne spürbar warm. Wer oft mittags läuft, nimmt eine helle Farbe. Und da wären wir bei der Frage, die mir eigentlich wichtig war.
Der Blick der Physiotherapeutin: Wem er hilft und wem nicht
Zuerst das Wichtigste: Kein Schuh heilt ein Knie. Schmerzen beim Laufen haben meist mit zu viel, zu schnell und zu wenig Kraft zu tun, nicht mit der Sohle. Ein Schuh kann aber die Belastung verschieben, und das kann helfen.
Die gebogene Sohle des Cloudmonster 3 nimmt dem Grosszehengrundgelenk und dem Sprunggelenk einen Teil der Abrollarbeit ab. Solche Rocker-Sohlen setzen wir in der Orthopädie seit Langem ein, etwa bei einem steifen Grosszehengelenk. Wer dort Beschwerden hat oder eine gereizte Achillessehne, spürt die Entlastung oft sofort. Das habe ich bei zwei Patienten gesehen, die den Schuh mit meinem Einverständnis in der Praxis ausprobiert haben.
Der Haken ist derselbe: Was der Schuh übernimmt, trainierst du nicht mehr. Wer nur noch in stark gedämpften, abrollenden Schuhen läuft und steht, verliert Kraft in Fuss und Wade. Mein Rat an Patientinnen und Patienten lautet deshalb:
- Abwechseln. Ein zweites, flacheres Paar für kurze Läufe oder den Alltag hält den Fuss wach.
- Langsam umsteigen. Die ersten zwei Wochen nur jeden zweiten Lauf im neuen Schuh, maximal 45 Minuten.
- Kraft nicht vergessen. Zehnmal pro Tag langsam auf die Zehenspitzen und wieder runter, auf einem Bein. Das bringt dem Knie mehr als jede Sohle.
Acht Stunden in der Praxis: der Schuh als Arbeitsschuh
Viele kaufen den Cloudmonster gar nicht zum Laufen, sondern für den Alltag. Also habe ich ihn an 41 Arbeitstagen getragen, jeweils rund acht Stunden, davon die meiste Zeit stehend oder gehend. In meinem Tagebuch habe ich jeden Abend notiert, wie müde meine Füsse sind, auf einer Skala von 1 bis 10.
Im Schnitt kam ich auf 3,8. In meinen gewohnten Praxisschuhen, flachen Turnschuhen mit wenig Dämpfung, lag der Wert in den vier Wochen davor bei 5,6. Das ist kein Laborwert, aber für meine Füsse ein deutlicher Unterschied, vor allem an langen Donnerstagen bis 19 Uhr.
Ein Detail hatte ich nicht auf der Rechnung: Auf dem Linoleum der Praxis quietschten die Sohlen in der ersten Woche bei jeder schnellen Drehung. Eine ältere Patientin fragte nach der dritten Übung, ob hier eine Maus wohne. Nach etwa zehn Tagen war das Quietschen verschwunden. Die Maus hat sie trotzdem weiter gesucht.

Abrieb und Steinchen nach 247 Kilometern
Nach 247 Kilometern Laufen und 41 Arbeitstagen sieht der Schuh gebraucht aus, aber nicht müde. Aussen an der Ferse, wo ich lande, ist der Gummi um etwa 1,5 Millimeter abgelaufen. An zwei Stellen, wo der Schaum ohne Gummi frei liegt, ist er angeraut. Das Obermaterial hat keine Löcher, die Dämpfung fühlt sich eher besser an als am Anfang. Ich rechne mit 600 bis 700 Kilometern, bevor ich ihn zum Laufen ersetze.
Ein Ärgernis bleibt, und jeder On-Träger kennt es: Die Rillen zwischen den Hohlkammern sammeln Steinchen. Nach einem Lauf auf dem Kiesweg nach Altreu habe ich einmal neun Stück herausgeklaubt, mit dem Hausschlüssel auf der Fussmatte. Auf Asphalt passiert das selten, auf Kies nach fast jedem Lauf. Walter nennt meine Schuhe seither «die Kiesgrube» und fragt, ob ich für die Störche in Altreu baue.

Die Alternativen, mit Schweizer Preisen
| Schuh | Preis in Franken | Was anders ist |
|---|---|---|
| On Cloudmonster 3 | CHF 250 bei On, einzelne Farben bei Händlern ab ca. CHF 131 | unser Testschuh |
| On Cloudmonster 2 (Vorjahr) | Damen ab ca. CHF 120 | ähnliche Idee, weniger ausgeprägtes Abrollen, älteres Obermaterial |
| On Cloudmonster 3 Hyper | Damen ab ca. CHF 220 | spritzigerer Schaum, für Läuferinnen, die auch mal schneller wollen |
| Hoka Clifton 10 | Damen ab ca. CHF 103 | weich gedämpft, leichter, ohne Hohlkammern und ohne Steinchenproblem |
Die Preisspanne beim Cloudmonster 3 selbst ist erstaunlich. Im Schweizer On-Shop kostet er 250 Franken, einzelne Farben gab es Ende August für 175 oder 200 Franken. Bei Schweizer Händlern gab es die Damenversion in einzelnen Farben ab rund 131 Franken. Wer bei der Farbe flexibel ist, spart also fast die Hälfte.
Rabattwochen im November: worauf du achten solltest
Der Black Friday kommt am 27. November. Ehrlich gesagt habe ich keine verlässlichen Zahlen, wie tief der Cloudmonster am letzten Black Friday in der Schweiz gefallen ist. Was ich sehe: Schon jetzt, Ende August, gibt es einzelne Farben im On-Shop reduziert und bei Händlern deutlich günstiger. Die Rabatte gelten fast immer für bestimmte Farben und Grössen, selten für alle.
Und als Geschenk? Laufschuhe sind heikel zu verschenken, weil Grösse und Gefühl so persönlich sind. Besser ist ein Gutschein oder ein gemeinsamer Besuch im Laden. Wenn du trotzdem ein Paar unter den Baum legen willst, dann nur mit Umtauschmöglichkeit. Gut dazu passen gute Laufsocken, eine Stirnlampe oder eine Leuchtweste. Im November ist es um halb sechs dunkel an der Aare.
Zurückschicken: On bietet im Schweizer Shop eine kostenlose Rückgabe innerhalb von 30 Tagen, ausgenommen sind Limited Editions, Sonderfarben und Artikel aus dem Ausverkauf, die nur gegen Rückerstattung zurückgehen. Andere Shops haben andere Fristen, denn ein allgemeines Rückgaberecht für Onlinebestellungen schreibt in der Schweiz kein Gesetz vor. Wichtig: Getragene Schuhe mit Strassenspuren nimmt kaum jemand zurück. Lauf die ersten Minuten deshalb in der Wohnung oder auf dem Laufband, bevor du draussen startest.
Wem ich ihn in der Praxis empfehle
Mein Fazit für die Praxis ist jetzt präziser als «es kommt darauf an». Wer ruhig läuft und empfindliche Zehen oder Sehnen hat, darf ihn gerne probieren. Wer Knieschmerzen hat, soll zuerst zu mir kommen, nicht in den Schuhladen. Wie Beat in Thun seine Laufstrecken mit Uhr und Landeskarte nachmisst, liest du in seinem Erfahrungsbericht zur Garmin Forerunner 170. Und was mein Smart Ring über die Erholung nach langen Läufen verraten hat, liest du in meinem Bericht über 62 Nächte mit dem Oura Ring 4. Unsere Prüfmethoden, von der Küchenwaage bis zum Tagebuch, erklärt So testen wir.
Was Patientinnen mich zum Cloudmonster 3 fragen
Fällt der On Cloudmonster 3 gross oder klein aus?
Eher gross. Bei uns passte eine halbe Nummer kleiner als gewohnt, und viele Läuferinnen und Läufer berichten dasselbe. Probier wenn möglich beide Grössen an und achte auf etwa eine Daumenbreite Platz vor den Zehen.
Ist der Cloudmonster 3 gut bei Knieproblemen?
Er kann die Landung weicher machen, heilt aber kein Knie. Knieschmerzen beim Laufen haben meist mit Trainingsmenge und Kraft zu tun. Deutlich spürbar entlastet die gebogene Sohle dagegen das Grosszehengelenk und oft die Achillessehne. Bei Beschwerden lohnt sich zuerst eine Abklärung.
Was ist der Unterschied zwischen Cloudmonster 2 und 3?
Der Cloudmonster 3 hat zwei Schaumhärten, drei Lagen Hohlkammern, eine stärker gebogene Sohle und ein neues, bequemeres Obermaterial. Er rollt deutlicher ab als der Vorgänger. Der Cloudmonster 2 ist in der Schweiz als Vorjahresmodell ab rund 120 Franken zu haben und bleibt eine gute Wahl zum kleinen Preis.
Kann man den Cloudmonster 3 als Alltags- oder Arbeitsschuh tragen?
Ja. Wir haben ihn an 41 Arbeitstagen in einer Physiotherapiepraxis getragen, und die Füsse waren abends spürbar weniger müde als in flachen Turnschuhen. Wechsle trotzdem ab und zu auf flachere Schuhe, damit die Fussmuskulatur gefordert bleibt.
Was kostet der On Cloudmonster 3 in der Schweiz?
Im Schweizer On-Shop kostet er 250 Franken, einzelne Farben waren Ende August auf 175 oder 200 Franken reduziert. Bei Schweizer Händlern gab es einzelne Farben ab rund 131 Franken für Damen und ab rund 136 Franken für Herren.
