Garmin Forerunner 170 Erfahrungen: Braucht ein Hobbyläufer mehr als diese Uhr?

23 Läufe, 187 Kilometer, vier Runden im Thunersee und eine Tochter, die sich die Uhr ausleiht. Was die Forerunner 170 kann, wo sie spart und warum der Schweizer Preis alles ändert.

Mann mit nassen Haaren und Badetuch über den Schultern sitzt am frühen Morgen auf einem Holzsteg am See und schaut auf seine schwarze Sportuhr mit gelbem Armband

«Mein Handy zählt doch auch.» Diesen Satz habe ich neun Jahre lang gesagt, jedes Mal, wenn jemand im Laufclub seine neue Uhr gezeigt hat. Das Handy steckte in der Jackentasche, die App sagte mir nach dem Lauf Distanz und Tempo, und mehr brauchte ich nicht. Dachte ich.

Im Mai hat Garmin die Forerunner 170 vorgestellt, eine Uhr für Leute, die regelmässig laufen, aber keine Marathonpläne schmieden. Preislich liegt sie zwischen der einfachen Forerunner 70 und den grossen Modellen. Meine habe ich wenige Tage nach dem Verkaufsstart bei einem Schweizer Händler bestellt. Seither war sie sechs Wochen an meinem Handgelenk: 23 Läufe rund um Thun, vier Runden im Thunersee, zwei Bergtouren und jede Nacht. Die Frage war einfach: Braucht ein Hobbyläufer wie ich mehr als diese Uhr? Oder reicht sogar weniger?

Unser FazitGarmin Forerunner 170
8,5
Sehr gut für Strasse, See und HügelSechs Wochen, 23 Läufe, 187 km, selbst gekauft, ab rund CHF 230
Trainingshilfe9,1
Messgenauigkeit8,3
Laufzeit8,6
Preis-Leistung7,6
Was sie gut macht
  • Eine ehrliche Morgenzahl, die sagt, wie viel heute drinliegt
  • Barometer an Bord, am Hang ein echter Vorteil
  • Farbiges Display, das auch in praller Sonne lesbar bleibt
  • Mit vier Trainings pro Woche über sieben Tage ohne Kabel
Wo sie spart
  • Satellitenempfang nur auf einer Frequenz, Wald und Gassen verwirren sie
  • Beim Tempowechsel hinkt der Puls hinterher
  • Weder Karten noch Triathlon
  • Die ältere 265 kostet in der Schweiz teils kaum mehr

Kurz gesagt: Für Hobbyläuferinnen und Hobbyläufer, die mit ihrer Uhr trainieren und nicht nur Kilometer sammeln wollen, ist die 170 meine Empfehlung. Wer viel unter Bäumen läuft, sollte vorher bei Schweizer Händlern nach der Forerunner 265 suchen. Die gibt es zeitweise für fast dasselbe Geld.

Die Uhr in zwei Minuten

Auf den ersten Blick eine ganz normale Sportuhr. Das Gehäuse ist rund und misst 42,6 Millimeter, bedient wird sie über Touch und Tasten am Rand. Das runde Farbdisplay, ein AMOLED mit 1,2 Zoll, ist die grösste Freude an ihr. Ich trage die schwarze Version mit gelbem Band, es gibt sie auch in Weiss. Mit 41 Gramm spürst du sie kaum, und ab der dritten Nacht habe ich vergessen, dass sie beim Schlafen dran ist.

Am Seeufer, mittags im Juni, konnte ich Tempo und Puls ablesen, ohne die andere Hand als Sonnenschutz über das Glas zu halten. Abends im Bett wird das Display von selbst dunkler. Bei Uhren um 200 Franken war beides vor wenigen Jahren nicht selbstverständlich.

Garmin hat der 170 ein paar Rechenkünste gegeben, die bisher den teureren Modellen gehörten:

  • Trainingsbereitschaft: eine Zahl zwischen 1 und 100, die dir beim Aufwachen sagt, wie erholt du bist. Dafür wertet die Uhr Schlaf, Herzschlagschwankungen, Stress und die letzten Trainings aus.
  • Trainingszustand: der Blick auf mehrere Wochen. Wirst du fitter, trittst du an Ort, oder übertreibst du es gerade?
  • Schnelles Training: ein fertiger Vorschlag für die nächste halbe, dreiviertel oder ganze Stunde, abgestimmt auf deine Morgenzahl.

Dazu kommen Body Battery, Schlafauswertung, kontaktloses Bezahlen mit Garmin Pay, ein Modus fürs Schwimmen im See und kostenlose Trainingspläne. Klingt nach viel. Nur rechnet eine Uhr mit falschen Rohdaten eben auch falsch. Darum habe ich zuerst nachgemessen.

Stimmt das GPS?

Hier muss ich kurz den Geometer rauslassen. Die 170 hört mehrere Satellitensysteme, aber jeweils nur auf einer Frequenz. Die Forerunner 265 nutzt zwei, im Fachjargon Mehrfrequenz-GPS. Der Vorteil zeigt sich dort, wo Signale von Fassaden oder Laub zurückgeworfen werden, bevor sie die Uhr erreichen. Dann hilft die zweite Frequenz, die Umwege herauszurechnen.

Drei Strecken habe ich deshalb mit meinem Arbeitsgerät eingemessen, einem GNSS-Empfänger mit Korrekturdienst, wie wir ihn für Grenzpunkte brauchen. Danach bin ich jede Strecke viermal mit der Uhr gelaufen.

Strecke (je 4 Läufe)EingemessenUhr, MittelwertFehler
Seeufer und Aarequai, offen7,85 km7,87 km0,3 %
Grüsisberg, dichter Buchenwald5,60 km5,45 km2,7 %
Altstadt und Schlossberg, enge Gassen3,20 km3,29 km2,8 %

Am See kann ich nichts aussetzen. Im Buchenwald fehlten jedes Mal rund 150 Meter, in der Altstadt kamen 90 Meter dazu, weil die Spur zwischen den Hausfassaden Haken schlägt. Für die Feierabendrunde spielt das keine Rolle. Wer aber Intervalle im Wald nach der Tempoanzeige läuft, wird nicht glücklich. Unter den Buchen sprang die angezeigte Pace teils um 20 Sekunden pro Kilometer hin und her.

Handgelenk mit schwarzer Sportuhr und gelbem Armband liegt neben einem Brustgurt, einer gefalteten Wanderkarte und einem Bleistift auf einem Holztisch
Uhr, Brustgurt, Landeskarte. Mehr braucht es für einen ehrlichen Vergleich nicht.

Und die Höhenmeter?

Für mich die wichtigste Frage, und in der Schweiz wichtiger als in Hamburg. In der 170 steckt ein barometrischer Höhenmesser, er misst also den Luftdruck. Der günstigeren Forerunner 70 fehlt er. Sie leitet die Höhe aus den Satelliten ab, und dieser Wert zappelt gerade bergauf gerne.

Meine Hausrunde führt vom See hinauf Richtung Goldiwil. Laut Landeskarte sind es 405 Höhenmeter. Die 170 zeigte bei drei Läufen 398, 411 und 402. Bei einer Bergwanderung auf den Niesen, die ich mit Andrea gemacht habe, lag sie am Gipfel 6 Meter neben der Kote auf der Karte. Wer in Thun, in Chur oder im Emmental läuft, läuft nie flach. Für mich ist der Höhenmesser der Grund, warum ich die 70 nicht empfehlen würde.

Ein Tipp: Die Uhr kalibriert sich meist selbst. Wenn du vor einem Lauf an einem Ort mit bekannter Höhe startest, kannst du den Wert von Hand setzen. Bei Wetterwechsel, etwa wenn der Föhn kommt, verschiebt sich der Luftdruck, und dann lohnt sich das.

Taugt der Puls?

Zwölf Läufe lang hatte ich zusätzlich einen Brustgurt um. Auf ruhigen, langen Runden wich der Sensor am Arm im Mittel um 3 Schläge pro Minute ab, damit kann ich gut leben. Anders bei den Intervallen am Aarequai: Beschleunige ich, zieht der Gurt sofort mit, die Uhr erst eine Viertelminute später. Das Licht, mit dem sie durch die Haut misst, ist eben langsamer als die Elektroden eines Gurts. Das gilt für jede Marke.

Wer Intervalle ernst nimmt, verbindet den Gurt mit der Uhr, das geht in einer Minute. Für alle anderen Läufe genügt der Sensor am Arm. Und viel spannender als der Puls unterwegs fand ich, was die Uhr über Nacht daraus rechnet.

Was bringt die Morgenzahl?

Ehrlich: Ich war skeptisch. Eine Zahl am Morgen, die mir sagt, ob ich laufen soll? Ich laufe, wenn ich Zeit habe. Nach sechs Wochen sehe ich es anders, und zwar wegen eines Mittwochs.

Am Dienstag davor hatte ich mich über den Vorschlag der Uhr hinweggesetzt. Sie wollte 30 Minuten locker. Ich wollte Intervalle, weil das Wetter schön war. Am Mittwochmorgen zeigte die Uhr 22 von 100. Ich bin trotzdem gelaufen und nach vier Kilometern mit schweren Beinen umgekehrt. Inzwischen frage ich sie, bevor ich die Schuhe binde.

«Früher hast du gefragt, wie das Wetter wird. Jetzt fragst du deine Uhr, ob du dich gut fühlst.» Andrea, beim Zmorge

Meistens deckt sich die Zahl mit dem, was mein Körper sagt. Nach einer kurzen Nacht fiel sie, nach einem Ruhetag und einem Spaziergang stieg sie. An einem Samstag nach einem Znacht bei Freunden mit zwei Gläsern Wein zeigte sie am Sonntag 31. Die Uhr hat nichts dazu gesagt. Das musste sie auch nicht.

Läufer im roten Shirt bleibt auf einem steilen Waldweg zwischen Buchen kurz stehen und schaut auf seine schwarze Sportuhr mit gelbem Armband
Im Grüsisberg. Unter den Buchen springt die Pace-Anzeige, die Höhenmeter stimmen trotzdem.

Den Knopf für das schnelle Training habe ich fünfmal gedrückt, jeweils an Tagen mit wenig Zeit und ohne Plan. Heraus kamen zum Beispiel 30 ruhige Minuten, ein Block im Wettkampftempo oder ein Dauerlauf mit ein paar kurzen Sprints am Schluss. Jedes Mal war der Vorschlag klüger als meine eigene Idee für den Abend.

Und im Wasser?

Im Juni bin ich viermal morgens im Thunersee geschwommen, eine Runde entlang der Bojen beim Strandbad. Die Uhr ist bis 5 ATM dicht und hat einen Freiwasser-Modus. Die Distanz war ungenau, wie bei jeder Uhr im Wasser, weil das GPS nur beim Armzug über der Oberfläche Empfang hat. Sie zeigte im Schnitt 1,31 Kilometer, ich schätze die Runde eher auf 1,2. Für Tempo und Zeit reicht das, für eine Bestenliste nicht.

Danach sitze ich jeweils auf dem Steg, und die Uhr zeigt mir, dass mein Puls beim Schwimmen höher war als beim Laufen. Das hätte ich ohne Uhr nicht geglaubt.

Wie lange hält der Akku?

Laut Garmin schafft die 170 als reine Smartwatch zehn Tage, beim Aufzeichnen mit GPS 20 Stunden und mit ständig leuchtendem Bildschirm rund vier Tage. Mein Alltag lag dazwischen: vier Läufe von 40 bis 75 Minuten pro Woche, Schlafmessung jede Nacht, Nachrichten vom Handy auf der Uhr, Display nur beim Heben des Arms.

So hielt sie im Mittel 7 Tage und 14 Stunden, dann kam die Warnung bei 5 Prozent. In einer Woche habe ich das Display dauernd leuchten lassen. Nach 3 Tagen und 16 Stunden war Schluss. Seither ist die Einstellung wieder aus.

Unser Akku-TippHäng die Uhr ans Kabel, während du nach dem Lauf duschst und Zmorge isst. In 20 Minuten kommen rund ein Viertel dazu. So muss sie nie über Nacht laden, und die Schlafdaten für die Morgenzahl fehlen nie.

Von leer auf voll brauchte sie 1 Stunde und 57 Minuten. Der Stecker ist der gleiche, den Garmin seit Jahren verwendet, in unserer Schublade liegen davon inzwischen drei. Und einmal, an einem Sonntag, war die Uhr gar nicht bei mir.

Lara, zehn Jahre alt, hat sie sich ausgeliehen, für einen Familienausflug an den Blausee. Sie hat 14'212 Schritte gesammelt, mir jede Stunde den Zwischenstand gemeldet und am Abend verkündet, sie sei jetzt fitter als ich. Die Morgenzahl am Montag war damit für mich natürlich wertlos. Lara fand, das sei mein Problem.

Mädchen sitzt im Schneidersitz auf dem Sofa und schaut auf die viel zu grosse schwarze Sportuhr mit gelbem Armband an ihrem dünnen Handgelenk
Lara mit meiner Uhr. Das Armband im engsten Loch, der Stolz im grössten.

70, 170 oder 265: Der Schweizer Preis entscheidet

In Deutschland ist die Rechnung einfach, bei uns nicht. Die Preise der drei Uhren liegen in der Schweiz anders, und das verschiebt die Empfehlung. So sah es bei Schweizer Händlern aus, als ich diesen Test geschrieben habe:

ModellPreis in der SchweizIm Vergleich zur 170
Forerunner 70ab ca. CHF 190ohne Barometer, ohne Garmin Pay, ohne Schwimmen im See
Forerunner 170ab ca. CHF 230unsere Testuhr
Forerunner 265je nach Farbe ab ca. CHF 250, sonst um CHF 380zusätzlich GPS auf zwei Frequenzen und Triathlon-Modus

Die 265 ist schon länger auf dem Markt, kann aber zwei Dinge, die der 170 fehlen: den genaueren Satellitenempfang auf zwei Frequenzen und einen eigenen Modus für Triathlon. In Deutschland zahlst du dafür deutlich drauf. In der Schweiz gab es sie beim Schreiben bei einzelnen Händlern und in bestimmten Farben für rund 250 Franken, also nur etwa 20 Franken über der 170. In anderen Farben kostet sie weiterhin um die 380. Läufst du oft im Wald und findest die 265 zum tiefen Preis, greif zu.

Mit der 70 sparst du rund 40 Franken. Dafür musst du ohne Barometer, ohne Bezahlen am Handgelenk und ohne Seeschwimm-Modus auskommen. Im Seeland mag das gehen. Bei uns im Oberland würde ich es nicht machen.

Zu Garmin Pay noch ein Wort: Es funktioniert nur mit Karten von teilnehmenden Banken, und die Schweizer Liste ist kürzer als die deutsche. Schau vor dem Kauf auf der Garmin-Seite nach, ob deine Karte dabei ist. TWINT gibt es auf der Uhr nicht.

Mein Rat nach sechs Wochen

Greif zu, wenndu ein paarmal pro Woche auf Asphalt, Feldwegen oder am Ufer läufst, gerne bergauf gehst und eine Uhr willst, die dir morgens ehrlich sagt, ob heute ein harter oder ein ruhiger Tag drinliegt. Handy mit Apple oder Android ist egal, beides klappt.
Such weiter, wenndeine Trainings grösstenteils unter dichten Bäumen oder zwischen hohen Häusern stattfinden und du dich auf die Tempoanzeige verlassen musst, wenn du für einen Triathlon trainierst oder unterwegs eine Karte brauchst. Dann schau nach der 265 zum guten Preis oder nach der 570.

Ich gebe sie nicht mehr her. Das Handy bleibt beim Laufen inzwischen oft auf dem Küchentisch, und meine ruhigen Läufe sind endlich ruhig. Wie wir Sportuhren prüfen, mit eingemessenen Strecken und Brustgurt als Vergleich, erklärt unsere Seite So testen wir. Nach dem langen Lauf am Sonntag wird bei uns übrigens grilliert. Welcher Gasgrill auch im Urner Föhn die Temperatur hält, hat Hansruedi in Altdorf herausgefunden, in seinem Test des Weber Spirit E-325. Alle weiteren Berichte findest du im Ratgeber.

Fragen aus dem Laufclub

Was kostet die Garmin Forerunner 170 in der Schweiz?

Beim Schreiben lag sie bei Schweizer Händlern ab rund 230 Franken, je nach Shop und Farbe bis etwa 280 Franken. Vergleiche die Preise, die Unterschiede sind gross. Schau dabei auch auf die Forerunner 265, die es zeitweise fast gleich günstig gibt.

Hat die Forerunner 170 einen Höhenmesser?

Ja, einen barometrischen. In unserem Test lag sie auf einer Runde mit 405 Höhenmetern im Schnitt nur wenige Meter daneben. Die günstigere Forerunner 70 hat keinen Barometer und rechnet die Höhe aus dem GPS.

Misst die 170 im Wald genau genug?

Für die Distanz reicht es meistens, bei uns fehlten im dichten Buchenwald 2,7 Prozent. Die Tempoanzeige schwankt unter Bäumen aber spürbar. Wenn du dort regelmässig Intervalle läufst, ist eine Uhr mit Empfang auf zwei Frequenzen wie die 265 die bessere Wahl.

Kann ich mit der Forerunner 170 im See schwimmen?

Ja. Sie ist bis 5 ATM wasserdicht und hat einen Freiwasser-Modus. Die Distanz ist im Wasser ungenauer als an Land, bei uns zeigte sie rund zehn Prozent zu viel. Zeit und Puls stimmen.