Tageslichtlampe gegen das Wintertief: was wirklich hilft und welche Lampe sich lohnt
Wochenlang Hochnebel über dem Klagenfurter Becken, und um vier wird es finster. Eine Krankenpflegerin in Pension hat Tageslichtlampen mit dem Luxmeter nachgemessen und erklärt, was sie bringen.
Wer in Klagenfurt lebt, kennt den Nebel. Ab Mitte November liegt er oft wochenlang wie ein grauer Deckel über dem Becken, während oben am Dobratsch die Sonne scheint. Unten bleibt es den ganzen Tag dämmrig, und um halb fünf ist es finster. Im letzten Jänner habe ich gemerkt, dass ich in der Früh nicht mehr aus dem Bett wollte, nichts mehr gelesen habe und am Nachmittag Kekse gegessen habe wie andere Leute Wasser trinken.
Eine Tageslichtlampe sollte helfen, hat meine Tochter gemeint. Ich habe als Krankenpflegerin gelernt, nichts zu glauben, was man nicht messen kann. Also habe ich mir im September die Lampen aus unserem laufenden Test auf den Küchentisch gestellt und mir von meinem Schwiegersohn, einem Elektriker, ein richtiges Luxmeter ausgeborgt.
Das Ergebnis hat mich überrascht, vor allem eine Zahl, die auf jeder Verpackung steht und fast niemand richtig versteht. Hier ist, was ich gelernt habe.
Wie Licht gegen das Wintertief wirkt
Unser Körper stellt seine innere Uhr jeden Morgen nach dem Licht. Helles Licht in der Früh bremst das Schlafhormon Melatonin und sagt dem Gehirn, dass der Tag beginnt. Im Winter bekommen wir davon viel zu wenig. In einer normal beleuchteten Wohnung sind es 300 bis 500 Lux. Draußen an einem trüben Wintertag sind es immer noch 3.000 bis 5.000 Lux, an einem sonnigen Tag am Berg weit über 50.000.
Bei manchen Menschen führt der Lichtmangel zu einer echten saisonal abhängigen Depression, auch Winterdepression genannt. Typisch sind viel Schlaf, Heißhunger auf Süßes und Kohlenhydrate, Antriebslosigkeit und Rückzug. Viel häufiger ist eine leichtere Form, die man Winterblues nennt: Man fühlt sich schlapp und lustlos, kommt aber durch den Alltag.
Für beide Formen ist Lichttherapie gut untersucht. Die medizinischen Leitlinien empfehlen etwa 30 Minuten täglich bei 10.000 Lux, am besten am Morgen. Und genau bei dieser Zahl beginnt das Missverständnis.
Die 10.000 Lux und der Abstand: der Haken auf jeder Verpackung
Auf jeder Tageslichtlampe steht 10.000 Lux. Was oft klein darunter steht: in welchem Abstand. Bei der Beurer TL 50 sind es rund 15 Zentimeter, bei der Beurer TL 100 rund 10 Zentimeter, bei der Lumie Vitamin L 20 Zentimeter. Das ist so nah, dass du die Lampe beim Frühstück fast im Kaffee hättest.
Licht wird mit zunehmendem Abstand schnell schwächer. Ich habe deshalb jede Lampe an drei Abständen gemessen, mit dem Luxmeter genau auf Augenhöhe, im abgedunkelten Raum, nach fünf Minuten Aufwärmen.
| Gemessene Beleuchtungsstärke | 20 cm | 30 cm | 50 cm |
|---|---|---|---|
| Beurer TL 50 (Ø 25 cm) | 7.900 Lux | 4.100 Lux | 1.600 Lux |
| Beurer TL 100 (Ø 30 cm) | 7.200 Lux | 3.800 Lux | 1.500 Lux |
| Lumie Vitamin L (28 x 20 cm) | 9.700 Lux | 5.900 Lux | 2.700 Lux |
| Normale Küchenbeleuchtung | rund 350 Lux am Tisch | ||
Bei 50 Zentimetern, dem Abstand, den die meisten Menschen am Frühstückstisch angenehm finden, kommen bei keiner Lampe auch nur annähernd 10.000 Lux an. Die Stiftung Warentest hat in ihrem Test von 19 Tageslichtlampen im Herbst 2025 Ähnliches festgestellt: Die meisten Testpersonen wollten rund 50 Zentimeter Abstand, und Lampen mit großer Leuchtfläche gelten als wirksamer als kleine.
Das heißt nicht, dass kleine Lampen nutzlos sind. Es heißt, dass du sie näher stellen oder länger verwenden musst. Und genau darin unterscheiden sich die Lampen im Alltag mehr als in den Prospektwerten.
Drei Lampen im Vergleich: was ich am Küchentisch erlebt habe

Beurer TL 50: Rund, 25 Zentimeter Durchmesser, 815 Gramm, ein einziger Knopf. Die Lampe ist als Medizinprodukt zugelassen und UV-frei. Sie ist die einfachste von allen, und das ist ein Vorteil: Einschalten, hinsetzen, fertig. Bei Beurer kostet sie beim Schreiben 79,99 Euro, im österreichischen Handel liegt sie um 80 Euro, manchmal im Angebot bei dm oder MediaMarkt darunter. Die Leuchtfläche ist klein, also stell sie auf 30 Zentimeter, nicht weiter weg.
Beurer TL 100: Etwas größer, mit einem Sockel mit Tasten, einer App namens LightUp, einem Timer und einem zusätzlichen Stimmungslicht in verschiedenen Farben. Für die Lichttherapie selbst bringt das nichts, sie leuchtet nicht stärker als die TL 50, eher etwas schwächer auf Abstand. Der Timer ist praktisch, die Farben fand ich verspielt. Beurer verlangt beim Schreiben 119,99 Euro.
Lumie Vitamin L: Eine flache, rechteckige Leuchtplatte von 28 mal 20 Zentimetern, etwa so groß wie ein Schulheft. Sie ist als Medizinprodukt der Klasse IIa zertifiziert. Sie hatte auf jeden Abstand die meisten Lux, weil das Licht gleichmäßiger über eine größere Fläche kommt. Sie blendet dadurch weniger, obwohl sie heller ist. Die Lampe ist in Österreich vor allem über Amazon.de erhältlich, beim Schreiben um rund 120 Euro.
Philips EnergyLight HF3419: Diese Lampe stand ursprünglich auch auf meiner Liste. Philips führt sie in Deutschland und Österreich derzeit nicht mehr im eigenen Shop, im Handel gibt es nur noch Restposten und gebrauchte Geräte. Ich habe sie deshalb aus dem Vergleich genommen. Wenn du eine gebrauchte findest, achte darauf, dass sie nicht schon jahrelang täglich lief, die Leuchtkraft von LEDs lässt mit der Zeit nach.

Mein Mann Herbert war anfangs der größte Skeptiker. Er hat gesagt, er sei 66 Jahre ohne Lampe ausgekommen. Nach drei Tagen hat er die Lumie in der Früh selbst eingeschaltet, um die Zeitung besser lesen zu können, wie er sagt. Ob das die Lichttherapie war oder die bessere Beleuchtung, lassen wir offen. Wichtiger als die Wahl der Lampe ist aber, wie du sie verwendest.
So verwendest du die Lampe richtig
Hier habe ich die meisten Fehler gesehen, bei mir selbst und bei Freundinnen, denen ich die Lampen geborgt habe.
- Am Morgen, nicht am Abend: Am besten in der ersten Stunde nach dem Aufstehen. Licht am Abend verschiebt deine innere Uhr nach hinten, und du schläfst schlechter ein.
- Nicht hineinschauen: Das Licht soll seitlich ins Auge fallen. Stell die Lampe schräg vor dich und frühstücke, lies oder schreib dabei. Direktes Hineinstarren ist unangenehm und bringt nicht mehr.
- Abstand messen, nicht schätzen: Leg beim ersten Mal ein Lineal hin. 30 Zentimeter sind näher, als du denkst.
- Jeden Tag: Die Wirkung kommt meist nach ein bis zwei Wochen täglicher Anwendung. Wer die Lampe nur an schlechten Tagen einschaltet, merkt wenig.
- Brille auf: Normale Brillen ohne Tönung sind kein Problem. Sonnenbrillen und stark getönte Gläser natürlich schon.

Ein Mythos, den ich oft höre: Tageslichtlampen machen Vitamin D. Das stimmt nicht. Gute Lampen sind UV-frei, und ohne UV-B-Strahlung bildet die Haut kein Vitamin D. Wenn du deinen Vitamin-D-Spiegel wissen willst, lass ihn beim Hausarzt bestimmen.
Und das beste Licht ist immer noch gratis. Ein Spaziergang zu Mittag bringt auch bei Nebel mehr Licht als jede Lampe am Tisch. Wenn der Nebel über Klagenfurt hängt, fahre ich mit Herbert manchmal auf den Pyramidenkogel oder die Villacher Alpenstraße hinauf. Nach zwanzig Minuten über der Nebeldecke bin ich ein anderer Mensch. Aber es gibt Momente, in denen weder Spaziergang noch Lampe reichen.
Wann du zum Arzt gehen solltest
Eine Tageslichtlampe ist bei leichten Beschwerden ein guter erster Schritt. Sie ersetzt aber keine Behandlung, wenn es dir wirklich schlecht geht. Aus meinen Jahren auf der Station sage ich dir: Geh zu deinem Hausarzt, wenn eines davon zutrifft.
- Du fühlst dich seit mehr als zwei Wochen fast jeden Tag niedergeschlagen oder hoffnungslos.
- Du hast an nichts mehr Freude, auch nicht an Dingen, die dir sonst wichtig sind.
- Du schläfst viel mehr oder viel weniger als sonst und kommst trotzdem nicht in die Gänge.
- Du ziehst dich von Familie und Freunden zurück.
Bei manchen Menschen ist Vorsicht mit Lichttherapie geboten: bei Erkrankungen der Netzhaut, bei bestimmten Medikamenten, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen, etwa manchen Antibiotika oder Johanniskraut, und bei einer bipolaren Störung. Sprich in diesen Fällen vorher mit deinem Arzt.
Eine Frage, die mir oft gestellt wird: Zahlt die Krankenkasse die Lampe? In der Regel musst du sie selbst kaufen. Frag bei einer ärztlich diagnostizierten Winterdepression trotzdem bei deiner Kasse nach. Bevor es ums Geld geht, schauen wir uns an, woran du überhaupt eine gute Lampe erkennst, denn der Markt ist voll mit Modellen, die nur gut aussehen.
Woran du eine gute Tageslichtlampe erkennst
Im Elektrohandel und online gibt es Dutzende Modelle zwischen 25 und 300 Euro. Viele sehen gleich aus. Diese Punkte habe ich mir vor dem Kauf angeschaut, und ich würde sie dir auch raten:
- Medizinprodukt mit CE-Kennzeichnung: Dann wurde geprüft, ob die Lampe hält, was sie verspricht, und ob sie für die Augen sicher ist.
- Abstand zur Lux-Angabe: Steht bei den 10.000 Lux kein Abstand dabei, ist die Angabe wertlos. Je größer der Abstand bei 10.000 Lux, desto besser.
- Größe der Leuchtfläche: Eine große Fläche bringt auf normalem Abstand mehr Licht ins Auge und blendet weniger als ein kleiner, greller Punkt.
- Kein Flimmern: Halt die Handykamera vor die Lampe. Siehst du auf dem Bildschirm dunkle Streifen, flimmert sie. Das kann nach einer halben Stunde Kopfweh machen.
- Neigbarer Ständer: Die Lampe sollte leicht schräg von oben leuchten können, so wie das Tageslicht durch ein Fenster.
Bei allen drei Lampen in meinem Vergleich hat die Handykamera kein Flimmern gezeigt. Bei einer billigen Lampe um 29 Euro, die mir eine Nachbarin geborgt hat, waren die Streifen deutlich zu sehen. Sie hat sie seither nicht mehr eingeschaltet.
Mehr Licht im Alltag, auch ohne Lampe
Eine Lampe ist ein Werkzeug, kein Ersatz für Gewohnheiten. Diese kleinen Dinge haben bei mir und bei Herbert mehr bewirkt, als ich erwartet hätte:
- Der Fensterplatz: Wir frühstücken seit Oktober am Tisch direkt am Fenster und nicht mehr in der Ecke. Selbst bei Nebel sind es dort am Vormittag 800 bis 1.500 Lux, gemessen.
- Hellere Lampen in der Küche: Wir haben die gelblichen Glühbirnen in der Küche gegen LED mit neutralweißem Licht getauscht. Am Abend im Wohnzimmer bleibt es warmweiß und gedämpft.
- Der Mittagsspaziergang: 20 Minuten zwischen elf und eins, bei jedem Wetter. Draußen ist es auch bei Nebel heller als jede Wohnung.
- Feste Aufstehzeit: Auch am Wochenende. Die innere Uhr mag keine Sprünge.
Ein Lichtwecker, der das Schlafzimmer in der Früh langsam heller macht, kann das Aufstehen erleichtern. Für eine Lichttherapie ist er zu schwach, als Ergänzung ist er nett. Und damit zurück zur Frage, welche der drei Lampen ich dir empfehle.
Welche Lampe passt zu dir?
| Lampe | Preis beim Schreiben | Stärke | Passt für |
|---|---|---|---|
| Beurer TL 50 | rund 80 € | einfach, klein, günstig | alle, die nah am Tisch sitzen und keinen Schnickschnack wollen |
| Beurer TL 100 | rund 120 € | Timer, App, Stimmungslicht | alle, die Timer und Farben am Abend schätzen |
| Lumie Vitamin L | rund 120 € | größte Leuchtfläche, meiste Lux auf Abstand | alle, die 40 bis 50 cm Abstand halten wollen |
Mein persönlicher Favorit ist die Lumie Vitamin L, weil sie auf normalem Abstand am meisten Licht bringt und am wenigsten blendet. Wer sparen will und die Lampe auf 30 Zentimeter heranstellen kann, ist mit der Beurer TL 50 gut bedient. Die TL 100 würde ich nur kaufen, wenn dir die Zusatzfunktionen wirklich etwas bedeuten.
Achte beim Kauf darauf, dass die Lampe als Medizinprodukt gekennzeichnet und UV-frei ist. Billige Lampen aus Online-Marktplätzen mit Angaben wie 25.000 Lux halten oft nicht, was sie versprechen. Im Test der Stiftung Warentest hat eine Lampe sogar die Note mangelhaft bekommen.
Black Friday und Weihnachten: nicht erst im Jänner kaufen
Tageslichtlampen sind Saisonware, und die Nachfrage steigt genau dann, wenn es draußen dunkel wird. Am 27. November, dem diesjährigen Black Friday, sind Beurer-Lampen erfahrungsgemäß im Angebot. Kauf aber nicht erst im Jänner, wenn es dir schon schlecht geht. Die Wirkung braucht ein bis zwei Wochen.
Als Weihnachtsgeschenk ist eine Tageslichtlampe eine gute Idee für Menschen, die im Winter leiden, aber nie etwas für sich selbst kaufen würden. Leg einen kleinen Zettel mit den fünf Regeln von oben dazu. Wie du bei den Black-Friday-Angeboten falsche Rabatte erkennst, hat mein Kollege Christoph in einem eigenen Ratgeber zusammengefasst.
Was ich nach vier Wochen am Küchentisch sagen kann
Ich verwende seit Ende September jeden Morgen eine Lampe beim Frühstück, abwechselnd die drei Modelle. Für eine Wirkung gegen das Wintertief ist es noch zu früh, der Nebel kommt bei uns erst im November. Was ich schon sagen kann: Ich wache leichter auf, und ich bin am Abend früher müde, was mir bei meinen Schlafproblemen guttut. Wie ich meinen Schlaf seit dem Sommer aufzeichne, habe ich im Bericht über den Oura Ring 4 beschrieben.
Unser großer Test der Tageslichtlampen läuft bis Februar, mit einer fünften Lampe, der Innosol Rondo. Zwischenergebnisse gibt es bei den laufenden Tests. Unsere Prüfmethoden erklären wir unter So testen wir.
Das Luxmeter meines Schwiegersohns habe ich übrigens noch nicht zurückgegeben. Er hat schon zweimal nachgefragt. Ich messe gerade, wie hell es in der Küche meiner Nachbarin ist, und die Zahlen erzähle ich ihr lieber nicht.
Häufige Fragen zu Tageslichtlampen
Wie lange muss ich vor einer Tageslichtlampe sitzen?
Bei 10.000 Lux auf Augenhöhe etwa 30 Minuten am Morgen. Weil die meisten Lampen 10.000 Lux nur auf 10 bis 20 Zentimeter erreichen, brauchst du auf 50 Zentimeter Abstand eher eine bis zwei Stunden. Stell die Lampe deshalb auf rund 30 Zentimeter.
Wann ist die beste Zeit für eine Tageslichtlampe?
Am Morgen, idealerweise in der ersten Stunde nach dem Aufstehen. Am Abend kann helles Licht deine innere Uhr verschieben und das Einschlafen erschweren.
Bildet eine Tageslichtlampe Vitamin D?
Nein. Gute Tageslichtlampen sind UV-frei, und ohne UV-B-Strahlung bildet die Haut kein Vitamin D. Den Vitamin-D-Spiegel kann dein Hausarzt mit einer Blutabnahme bestimmen.
Wer sollte keine Tageslichtlampe verwenden?
Menschen mit Netzhauterkrankungen, mit Medikamenten, die lichtempfindlich machen, und mit einer bipolaren Störung sollten vorher mit dem Arzt sprechen. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit über zwei Wochen ersetzt die Lampe keine ärztliche Abklärung.
