Elektrische Zahnbürste: Schall oder rotierend? Was dein Zahnfleisch wirklich braucht
Eine pensionierte Krankenpflegerin mit empfindlichem Zahnfleisch, zwei Zahnbürsten und zwei Termine bei der Mundhygiene. Was rotierend und Schall wirklich unterscheidet, und was nicht.
„Sie putzen fleißig, Frau Pucher. Nur zu fest.“ Das hat mir meine Dentalhygienikerin in Klagenfurt im März gesagt, während sie mit der kleinen Sonde an meinem Zahnfleisch entlangging und leise Zahlen diktiert hat. Vierzehn Stellen haben geblutet. An zwei Zähnen unten hat sich das Zahnfleisch ein Stück zurückgezogen. Mit 61 ist das nicht ungewöhnlich, sagt sie. Ich habe es trotzdem persönlich genommen.
Ich putze seit zwei Jahren mit einer Schallzahnbürste, der Philips Sonicare 3100, die mir meine Tochter Claudia geschenkt hat. Im Juli habe ich mir zusätzlich die Oral-B iO 6 gekauft, eine rotierende Bürste mit Andruckkontrolle, die rot leuchtet, wenn man zu fest drückt. Ich wollte wissen, ob das meinem Zahnfleisch hilft. Im September war der nächste Termin bei der Mundhygiene.
Dazwischen habe ich gemessen, gezählt und meinen Mann Herbert als zweite Testperson eingespannt. Hier steht, was ich gelernt habe: was Schall und rotierend wirklich unterscheidet, welche Bürste für empfindliches Zahnfleisch besser ist und was sie dich im Jahr kosten.
Zwei Systeme, kurz erklärt
Bei einer rotierenden Zahnbürste, wie sie Oral-B baut, sitzt ein kleiner runder Bürstenkopf auf dem Handstück. Er dreht sich schnell ein Stück hin und her und pulsiert dabei leicht. Du führst ihn von Zahn zu Zahn, wie eine kleine Poliermaschine, und hältst ihn an jedem Zahn ein, zwei Sekunden.
Bei einer Schallzahnbürste, wie Philips sie mit der Sonicare baut, sitzt ein länglicher Kopf, ähnlich wie bei einer Handzahnbürste. Er schwingt sehr schnell seitlich hin und her, laut Philips mit bis zu 31.000 Bewegungen pro Minute. Du legst ihn schräg an den Zahnfleischrand und gleitest langsam entlang, ohne zu schrubben.
| Oral-B iO 6 | Philips Sonicare 3100 | |
|---|---|---|
| System | oszillierend-rotierend, runder Kopf | Schall, länglicher Kopf |
| Putzmodi | 5, darunter Sensitiv | 1 |
| Andruckkontrolle | Leuchtring: grün richtig, rot zu fest | Handstück pulsiert bei zu viel Druck |
| Display und App | kleines Display, App mit Zonenerkennung | nein |
| Akku laut Hersteller | rund 2 bis 3 Wochen | bis zu 14 Tage |
| Preis beim Schreiben | ab rund 99 € | rund 44 bis 50 € bei Philips |
Die iO 6 ist also deutlich besser ausgestattet und doppelt so teuer. Die Sonicare 3100 ist eine einfache, solide Bürste mit genau dem, was man braucht. Ob die Ausstattung im Mund einen Unterschied macht, war meine eigentliche Frage. Vorher wollte ich aber wissen, was dazu schon bekannt ist.
Was die Forschung sagt, ohne Werbung
Ich habe in meinem Berufsleben gelernt, bei Studien zuerst nachzuschauen, wer sie bezahlt hat. Bei Zahnbürsten ist das besonders wichtig, weil viele Vergleiche von den Herstellern selbst kommen. Die unabhängigste Übersicht ist eine Auswertung der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2014, die 56 Studien zusammengefasst hat.
- Elektrisch gegen Hand: Elektrische Zahnbürsten haben nach drei Monaten im Schnitt rund 21 Prozent mehr Belag entfernt und Zahnfleischentzündungen um rund 11 Prozent stärker verringert als Handzahnbürsten.
- Rotierend gegen Schall: Für rotierende Bürsten gab es die meisten und besten Daten. Ein klarer Sieger zwischen beiden Systemen lässt sich daraus aber nicht ableiten. Einzelne Studien, oft vom Hersteller rotierender Bürsten finanziert, sehen rotierend leicht vorn.
- Zahnfleischrückgang: Es gibt keinen Beleg, dass elektrische Bürsten bei richtiger Anwendung Zahnfleisch schädigen. Der wichtigste Faktor ist der Druck, nicht das System.
„Die beste Zahnbürste ist die, mit der Sie zwei Minuten lang sanft und gründlich putzen. Welches System, ist Nebensache.“ Meine Dentalhygienikerin, als ich sie nach ihrer Empfehlung gefragt habe
Das ist eine ehrliche Antwort, aber sie hat mir nicht gereicht. Ich wollte wissen, wie das bei mir aussieht, mit meinem Zahnfleisch und meinem Druck. Also habe ich im eigenen Badezimmer nachgemessen.
Unser Test im Badezimmer: Färbetabletten und ein strenger Ehemann
In der Apotheke gibt es Färbetabletten für Zahnbelag. Du kaust eine Tablette nach dem Putzen, spülst aus, und überall, wo noch Belag sitzt, färben sich die Zähne rosa oder violett. Das ist kein Labor, aber es zeigt sehr deutlich, wo man schlampt. Ich habe an zehn Abenden mit jeder Bürste nach dem Putzen gefärbt und mit einem Handspiegel die gefärbten Flächen gezählt, Zahn für Zahn, außen und innen.
Herbert, 66, hat bis August mit einer Handzahnbürste geputzt und sich jede elektrische Bürste mit dem Satz verbeten, das sei Spielzeug für die Enkelkinder. Ich habe ihm die Sonicare 3100 mit einem neuen Bürstenkopf hingelegt und gesagt, es sei für die Wissenschaft. Er hat das als Ehre aufgefasst.
| Gefärbte Flächen nach dem Putzen, Schnitt aus 10 Abenden | Elfriede | Herbert |
|---|---|---|
| Handzahnbürste, vor dem Test | nicht gemessen | 31 von 112 Flächen |
| Philips Sonicare 3100 | 17 von 112 | 19 von 112 |
| Oral-B iO 6, Modus Sensitiv | 13 von 112 | 16 von 112 |
Beide elektrischen Bürsten haben bei Herbert deutlich mehr entfernt als seine Handzahnbürste, und das war für mich das wichtigste Ergebnis. Zwischen den beiden elektrischen lag die iO 6 bei uns etwas vorne, bei mir und bei ihm. Der Unterschied war vor allem an den Innenseiten der unteren Backenzähne zu sehen, also dort, wo man mit einem länglichen Kopf schlecht hinkommt und mit einem runden Kopf jeden Zahn einzeln umfährt.

Wo sich die beiden Bürsten am meisten unterschieden haben, war aber nicht der Belag, sondern das Gefühl. Die Sonicare 3100 kitzelt am Anfang, bis man sich daran gewöhnt hat, und sie arbeitet leise. Die iO 6 ist noch leiser als frühere Oral-B-Bürsten, fühlt sich aber an wie eine kleine Politur. Herbert hat die rotierende lieber, weil er „merkt, dass sie arbeitet“. Ich mag die Schallbürste am Zahnfleischrand lieber, weil sie dort weicher wirkt. Und am Zahnfleisch lag ja mein eigentliches Problem.
Empfindliches Zahnfleisch: was die Andruckkontrolle verändert hat
Ich bin eine Drückerin. Das wusste ich vorher nicht, die iO 6 hat es mir am ersten Abend gezeigt. Der Ring zwischen Bürstenkopf und Handstück leuchtet grün, wenn der Druck passt, und rot, wenn er zu hoch ist. In der ersten Woche war er bei mir an jedem Abend mehrmals rot, vor allem oben links, wo ich mit der rechten Hand kräftig gegenhalte.
Die Sonicare 3100 hat ebenfalls einen Drucksensor. Sie macht sich durch ein leichtes Pulsieren im Handstück bemerkbar, wenn du zu fest drückst. Das habe ich in zwei Jahren nie bewusst wahrgenommen. Ein rotes Licht im Spiegel siehst du dagegen sofort. Genau dieser Unterschied hat bei mir etwas bewirkt.

Im September war ich wieder bei der Mundhygiene. Gemessen wird dort an sechs Stellen pro Zahn, ob das Zahnfleisch beim vorsichtigen Sondieren blutet. Im März, mit der Sonicare und meinem alten Druck, waren es 14 Stellen. Im September, nach zehn Wochen mit der iO 6 im Modus Sensitiv, waren es 8.
Ich bin vorsichtig mit diesem Ergebnis. Ich habe in dieser Zeit auch angefangen, jeden Abend Zahnzwischenraumbürstchen zu verwenden, weil mir die Dentalhygienikerin das im März ans Herz gelegt hat. Das allein kann einen großen Teil ausmachen. Was ich sicher sagen kann: Ich drücke heute weniger, auch mit der Sonicare, weil ich gelernt habe, wie sich der richtige Druck anfühlt.
Zur Zahnpasta noch ein Satz, weil mich Freundinnen oft danach fragen: Für Erwachsene ist eine normale Zahnpasta mit rund 1.450 ppm Fluorid richtig, das steht klein auf der Tube. Nach dem Putzen ausspucken, aber nicht mit viel Wasser nachspülen, dann bleibt das Fluorid länger an den Zähnen. Stark schleifende Zahnpasten zum Aufhellen sind bei freiliegenden Zahnhälsen keine gute Idee, egal mit welcher Bürste.
Wer schon Zahnfleischrückgang hat, sollte sich die Technik einmal bei der Mundhygiene zeigen lassen. In Österreich zahlt die Kasse die professionelle Zahnreinigung in der Regel nicht, manche Kassen geben aber einen Zuschuss. Frag bei deiner nach. Der Termin hat mich rund 100 Euro gekostet und mir mehr gebracht als jede neue Bürste. Neue Bürsten haben aber noch eine andere Seite, und die kostet jedes Jahr Geld.
Was die Bürsten im Jahr wirklich kosten
Den Kaufpreis zahlst du einmal, die Aufsteckbürsten jedes Vierteljahr. Zahnärzte empfehlen, den Kopf alle drei Monate zu tauschen, oder früher, wenn die Borsten auseinanderstehen. Beide Bürsten erinnern dich daran, die iO 6 über das Display und die App, die Sonicare über ein Lämpchen, wenn ein passender Bürstenkopf aufgesteckt ist.
| Kosten pro Person | Oral-B iO 6 | Philips Sonicare 3100 |
|---|---|---|
| Originalköpfe, Preis pro Stück beim Schreiben | rund 7 bis 10 € | rund 6 bis 9 € |
| 4 Köpfe im Jahr | rund 28 bis 40 € | rund 24 bis 36 € |
| Gerät plus 3 Jahre Köpfe | rund 185 bis 220 € | rund 115 bis 155 € |
Die iO-Köpfe passen nur auf iO-Bürsten, nicht auf ältere Oral-B-Modelle. Das ist ärgerlich, wenn im Haushalt noch eine alte Oral-B steht. Bei Philips passen die Klick-Köpfe auf fast alle aktuellen Sonicare-Handstücke. Bei dm und Bipa gibt es regelmäßig Aktionen mit Mehrfachpackungen, und dann sinkt der Preis pro Kopf deutlich. Nachbauköpfe von Fremdherstellern sind billiger. Ich habe welche probiert und sie nach einer Woche weggelegt, die Borsten waren härter und an den Enden nicht abgerundet. Für empfindliches Zahnfleisch würde ich bei den Originalen bleiben.

Zum Akku: Die iO 6 hielt bei mir mit zweimal Putzen am Tag 18 Tage, die Sonicare 3100 genau 14. Für die Urlaubswoche reichen beide. Die iO 6 hat ein Reiseetui dabei, die Sonicare nicht. Bleibt die Frage, wann man am günstigsten kauft.
Ein Wort aus der Pflege: Zähne putzen bei anderen
Auf der Station habe ich in 35 Jahren vielen Menschen die Zähne geputzt, die es selbst nicht mehr konnten. Ältere Menschen nach einem Schlaganfall, Patienten mit Arthrose in den Fingern, Leute nach einer Operation. Dabei habe ich gelernt, dass eine elektrische Bürste für die Pflege oft die bessere Wahl ist, aber nicht jede.
- Dicker Griff: Wer Arthrose in den Händen hat, hält eine Handzahnbürste schlecht. Beide Bürsten in diesem Vergleich haben einen dickeren Griff, der sich leichter umfassen lässt. Mit einem Stück Schaumstoffrohr aus dem Baumarkt wird er noch dicker.
- Runder Kopf beim Putzen anderer: Wenn du jemand anderem die Zähne putzt, ist ein kleiner runder Kopf leichter zu führen. Du gehst Zahn für Zahn und siehst genau, wo du bist. Mit einem länglichen Schallkopf rutscht man leichter ans Zahnfleisch.
- Leise und ohne Überraschung: Menschen mit Demenz erschrecken manchmal vor dem Geräusch oder dem Kribbeln. Schalte die Bürste erst im Mund ein und sprich vorher, was du machst.
- Prothesen: Herausnehmbare Prothesen putzt du nicht mit der elektrischen Bürste, sondern mit einer eigenen Prothesenbürste über einem Waschbecken mit Wasser, damit nichts zerbricht, wenn sie hinunterfällt.
Für meine Mutter, die mit 87 im Pflegeheim in Villach lebt, haben wir uns für eine einfache rotierende Bürste entschieden. Die Pflegerinnen dort kommen damit am besten zurecht, und meine Mutter sagt, sie fühle sich danach an wie nach dem Zahnarzt. Sie meint das als Lob.
Black Friday und Weihnachten: unsere Preisschwellen
Elektrische Zahnbürsten gehören zu den Produkten, die rund um den Black Friday, heuer am 27. November, fast immer im Angebot sind, bei MediaMarkt, dm, Bipa und auf Amazon.de. Die Listenpreise sind oft hoch angesetzt, damit der Rabatt groß aussieht. Die iO 6 hat eine Preisempfehlung weit über ihrem Marktpreis, auf Geizhals.at gibt es sie beim Schreiben ab rund 99 Euro.
Achte bei Sets auf den Inhalt. Die iO 6 gibt es als Sondereditionen mit mehr Köpfen, Ladeglas oder zweitem Handstück. Das sind gute Angebote, wenn du das Zubehör wirklich brauchst. Woran du falsche Streichpreise erkennst, hat Christoph im Black-Friday-Ratgeber für Österreich aufgeschrieben.
Als Weihnachtsgeschenk ist eine elektrische Zahnbürste persönlicher, als sie klingt. Für jemanden, der bisher mit der Hand putzt, ist die Sonicare 3100 ein guter Einstieg, weil sie günstig ist und wenig Knöpfe hat. Für jemanden, der zu fest drückt, ist die iO 6 mit ihrem roten Licht die bessere Wahl. Herbert hat sich übrigens zum Geburtstag eine eigene gewünscht. Ich verrate nicht, welche.
Welche Bürste zu dir passt
Unser großer Test läuft noch
Diese beiden Bürsten sind Teil unseres laufenden Vergleichs der elektrischen Zahnbürsten, gemeinsam mit der Oral-B iO 9, der Philips Sonicare DiamondClean 9000 und der Oral-B Pro 3 3500. Wie die anderen Bürsten abschneiden, siehst du bald bei den laufenden Tests. Wie wir Gesundheitsprodukte nachmessen, steht unter So testen wir. Wer seine Gesundheit in der Nacht im Blick behalten will, findet meinen Test des Oura Ring 4 nach 60 Nächten im Blog.
Was ich nach drei Monaten sagen kann
Schall oder rotierend ist weniger wichtig, als die Werbung behauptet. Beide Bürsten haben deutlich mehr Belag entfernt als Herberts Handzahnbürste, und zwischen ihnen lagen bei uns nur ein paar Flächen. Was bei mir den Unterschied gemacht hat, war der Druck: Ein rotes Licht hat mir in einer Woche beigebracht, was mir zwei Jahre Schallbürste nicht gezeigt haben.
Wer empfindliches Zahnfleisch hat und zu fest putzt, ist mit der iO 6 gut beraten. Wer sanft putzt und sparen will, bekommt mit der Sonicare 3100 eine ehrliche Bürste um weniger als die Hälfte. Und wer wirklich etwas für sein Zahnfleisch tun will, kauft sich zusätzlich Zwischenraumbürstchen und geht zweimal im Jahr zur Mundhygiene.
Meine Dentalhygienikerin hat im September übrigens nur gesagt: „Na also.“ Bei ihr ist das ein großes Lob. Herbert hat seither keine Färbetablette mehr gekaut. Er sagt, er wisse jetzt, wie es geht.
Häufige Fragen zu elektrischen Zahnbürsten
Ist eine Schallzahnbürste oder eine rotierende Zahnbürste besser?
Beide entfernen deutlich mehr Belag als eine Handzahnbürste. Für rotierende Bürsten gibt es mehr Studien, ein klarer Sieger lässt sich aber nicht ableiten. In unserem Test lag die Oral-B iO 6 bei den Färbetabletten leicht vor der Philips Sonicare 3100, vor allem an den Innenseiten der Backenzähne.
Welche elektrische Zahnbürste ist bei empfindlichem Zahnfleisch besser?
Wichtiger als das System ist eine gut sichtbare Andruckkontrolle und ein sanfter Modus. Die Oral-B iO 6 zeigt zu viel Druck mit einem roten Leuchtring und hat einen Modus Sensitiv. Schallbürsten fühlen sich am Zahnfleischrand oft weicher an. Lass dir die Technik bei der Mundhygiene zeigen.
Wie oft muss ich den Bürstenkopf wechseln?
Alle drei Monate oder früher, wenn die Borsten auseinanderstehen. Das sind vier Köpfe pro Person und Jahr, bei Originalköpfen rund 24 bis 40 Euro. Bei dm und Bipa sind Mehrfachpackungen oft im Angebot.
Kann eine elektrische Zahnbürste Zahnfleischrückgang verursachen?
Bei richtiger Anwendung gibt es dafür keinen Beleg. Zahnfleischrückgang entsteht vor allem durch zu viel Druck, schrubbende Bewegungen und Entzündungen. Eine Bürste mit Andruckkontrolle hilft, den Druck zu verringern.
