De'Longhi Magnifica Evo im Test: Melange und Verlängerter mit kalkigem Linzer Wasser
Zwanzig Jahre Kundendienst für Haushaltsgeräte, eine Altbauküche in Linz und Wasser, das den Wasserkocher in drei Wochen weiß färbt. Wie lange hält der beliebte Vollautomat das aus?
In meinen zwanzig Jahren im Kundendienst habe ich bestimmt 600 Kaffeevollautomaten in Oberösterreich von innen gesehen. Die meisten kamen nicht wegen eines Defekts zu mir. Sie kamen, weil niemand die Brühgruppe herausgenommen hatte oder weil der Kalk die Leitungen dichtgemacht hatte. Einmal hat mir eine Kundin in Wels eine Maschine gebracht, in der ein kleiner Wald aus Schimmel gewachsen war. Sie hat sich geschämt, ich habe ihr gesagt: Das ist normal, das hat nur keiner erklärt.
Deshalb habe ich die De'Longhi Magnifica Evo ECAM290.61.SB anders getestet als die meisten. Natürlich habe ich Melange und Verlängerten getrunken, sieben Wochen lang, mit meiner Frau Renate als strenger Jury. Aber vor allem habe ich geschaut, was die Maschine mit dem Linzer Wasser macht, wie leicht sie sich putzen lässt und was in zwei Jahren kaputtgehen wird.
Die Magnifica Evo ist einer der meistverkauften Vollautomaten in Österreich. Ob sie das verdient, steht hier.
- Brühgruppe in zehn Sekunden draußen, unter dem Wasserhahn sauber
- Kräftiger Espresso als Basis für einen guten Verlängerten
- Milchkaraffe spült sich auf Knopfdruck selbst
- Einfache Technik, wenig, was teuer kaputtgehen kann
- Die Taste Kaffee liefert eine bittere, dünne Tasse
- Melange-Schaum zu fest, erst nach Umstellen richtig
- Hohe Gläser passen nicht unter den Auslauf
- Kein Display, Einstellungen über Tastenkombinationen
Kurz gesagt: Für Haushalte, die Espresso, Verlängerten und hin und wieder eine Melange trinken, ist die Magnifica Evo um 350 bis 400 Euro eine vernünftige Maschine. Mit hartem Wasser hält sie lange, wenn du den Filter einsetzt und die Brühgruppe jede Woche ausspülst.
Welche Magnifica Evo das ist und warum das wichtig ist
Die Bezeichnungen bei De'Longhi sind für Kunden ein Rätsel. Unter dem Namen Magnifica Evo laufen mindestens drei Maschinen: eine mit Dampfrohr zum Selberschäumen, eine mit Karaffe und eine Evo Milk, deren Milchsystem ohne Schlauch auskommt. Getestet habe ich die ECAM290.61.SB, also die Variante mit der LatteCrema-Milchkaraffe in Silber-Schwarz. Technisch ist sie identisch mit der ECAM290.61.B in reinem Schwarz, die Farbe der Blenden ist der einzige Unterschied.
Die Eckdaten: ein Mahlwerk mit Stahlkegeln und 13 Mahlgraden, ein Bohnenbehälter für 250 Gramm, ein Wassertank mit 1,8 Litern, 1.450 Watt und eine Pumpe mit 15 bar. Am Bedienfeld gibt es Direkttasten für Espresso, Kaffee, Cappuccino und ein frei einstellbares Milchgetränk, das De'Longhi My Latte nennt, dazu Heißwasser.
Bevor ich auch nur eine Tasse gemacht habe, habe ich eine Sache erledigt, die in neun von zehn Haushalten vergessen wird. Und die entscheidet in Linz darüber, ob die Maschine fünf Jahre hält oder zwei.
Kalk und Linzer Wasser: die ersten zehn Minuten entscheiden
Die Linz AG veröffentlicht alle zwei Monate die Wasserwerte. Je nach Stadtteil liegt die Gesamthärte zwischen knapp 15 und über 20 Grad deutscher Härte. Bei uns in der Altbauwohnung zeigt der Teststreifen 14 Grad. Das ist Härtebereich zwei, also mittel bis hart. Wer im Mühlviertel oder im Innviertel wohnt, hat teilweise noch härteres Wasser.
- Wasserhärte einstellen: Der Teststreifen liegt der Maschine bei. Eine Sekunde ins Wasser, ablesen, dann über eine Tastenkombination an der Maschine eintragen. Bei uns Stufe 3 von 4.
- Filter einsetzen: Die Maschine kann mit einem Wasserfilter im Tank betrieben werden. Ich habe ihn ab dem ersten Tag verwendet. Er hält rund zwei Monate.
- Entkalkungsmeldung ernst nehmen: Wenn die Lampe leuchtet, entkalk innerhalb von ein paar Tagen. Jede Woche Aufschub lagert Kalk im Thermoblock ab.
Ohne Filter hätte die Maschine bei unseren Werten etwa alle sechs Wochen entkalken wollen, mit Filter kam die Meldung nach knapp sieben Wochen zum ersten Mal. Das Entkalken selbst dauert rund 25 Minuten, du musst zweimal den Tank füllen und eine große Schüssel unterstellen. Ich verwende das Entkalkungsmittel des Herstellers, Zitronensäure aus dem Drogeriemarkt würde ich in einem Vollautomaten nicht nehmen.
Mit gesetzter Wasserhärte und eingesetztem Filter konnte es losgehen. Und ich wusste genau, womit ich anfange.
Espresso und Verlängerter: die Stärke dieser Maschine
Ab Werk steht das Mahlwerk in der Mitte. Mit unseren Bohnen, einer mittel gerösteten Mischung von einer Linzer Rösterei, lief der Espresso zu schnell durch und schmeckte flach. Ich habe in zwei Schritten auf Stufe 4 gestellt, immer nur bei laufendem Mahlwerk, und dann war er rund: kräftig, mit einer Note von Kakao und einer dichten, haselnussbraunen Crema.
Jetzt zum Verlängerten, dem Kaffee, den in Oberösterreich die meisten am Vormittag trinken. Der Verlängerte ist ein Espresso, mit heißem Wasser gestreckt. Die naheliegende Idee, einfach die Taste Kaffee zu drücken, ist bei dieser Maschine die schlechteste. Sie presst mehr Wasser durch dasselbe Pulver, und das Ergebnis schmeckt dünn und leicht verbrannt.
So mache ich ihn jetzt, und so hat ihn auch Renate abgesegnet:
- Zuerst rund 60 Milliliter Heißwasser über die eigene Taste in die Tasse.
- Dann einen Espresso mit Stärke stark direkt darauf.
- Wasser zuerst, Kaffee danach: So bleibt die Crema oben und wird nicht vom Wasserstrahl zerrissen.
So gemacht ist der Verlängerte richtig gut, vergleichbar mit dem in einem ordentlichen Kaffeehaus. Renate hat ihn in der dritten Woche zum ersten Mal ohne Kommentar getrunken, was bei ihr ein großes Lob ist.

Gemessen habe ich auch. Die Temperatur in einer vorgewärmten Tasse lag direkt nach dem Bezug bei 68 Grad auf der höchsten Stufe, das Mahlwerk war in einem Meter Abstand mit 70 Dezibel ungefähr so laut wie ein Staubsauger auf kleiner Stufe, aber nur für zwölf Sekunden. Die Aufheizzeit nach dem Einschalten betrug 40 Sekunden. Beim Espresso war ich also zufrieden. Bei der Melange musste ich mehr arbeiten.
Die Melange: zwei Einstellungen, dann passt es
Eine Wiener Melange ist kein Cappuccino. Sie ist milder, mit mehr warmer Milch und einer weichen, nicht zu festen Schaumhaube. Die Cappuccino-Taste der Magnifica Evo macht einen ordentlichen Cappuccino nach italienischer Art, für eine Melange ist der Schaum aber zu fest und zu hoch, und der Kaffee ist zu stark.
Die Lösung ist die Taste My Latte. Du hältst sie gedrückt, die Maschine gibt zuerst Milch aus, und du lässt los, wenn die Menge passt. Dann folgt der Kaffee, wieder hältst du, bis die Menge stimmt. Das Ergebnis speichert sie. Zusätzlich gibt es am Deckel der Milchkaraffe einen Drehregler für die Schaummenge. Ich habe ihn eine Stufe Richtung weniger Schaum gedreht.

Mit 100 Milliliter Milch, 40 Milliliter Kaffee und dem Regler auf halber Stufe war die Melange so, wie Renate sie aus dem Café in der Landstraße kennt. Die Milch hatte am Ende 63 Grad, das ist gut, heißer sollte sie nicht werden, sonst schmeckt sie gekocht. Ein hohes Latte-Glas bekommst du übrigens nicht darunter, der Auslauf geht nur bis rund 14 Zentimeter hinauf. Für Melange-Häferl reicht es.
Nach jedem Milchgetränk fordert die Maschine dich auf, den Regler auf Clean zu drehen. Dann spült sie heißen Dampf durch die Karaffe. Das dauert zehn Sekunden und verhindert, dass Milchreste in den Leitungen sauer werden. Die Karaffe selbst kommt bei uns jeden Abend in den Kühlschrank und alle zwei Tage zerlegt in den Geschirrspüler. Damit wären wir beim Thema, das mich als Techniker am meisten interessiert hat.
Zerlegt: was nach zwei Jahren kaputtgehen wird
Nach sieben Wochen habe ich die Maschine so weit zerlegt, wie es ohne Garantieverlust geht, also alles, was du als Kunde abnehmen darfst. Dabei ist mir aufgefallen, wie durchdacht sie für ihren Preis ist.
| Bauteil | Zustand nach 7 Wochen | Mein Rat aus dem Kundendienst |
|---|---|---|
| Brühgruppe | leichter Kaffeefettfilm, sonst sauber | einmal pro Woche unter lauwarmem Wasser ausspülen, nie mit Spülmittel, nie im Geschirrspüler |
| Dichtungen der Brühgruppe | trocken | alle drei Monate mit lebensmittelechtem Silikonfett schmieren |
| Tresterbehälter | nach 2 Tagen ohne Leeren erster Schimmelgeruch | jeden Tag leeren, auch wenn er nicht voll ist |
| Innenraum unter der Brühgruppe | Kaffeepulver in den Ecken | einmal pro Woche mit dem Pinsel oder Staubsauger raus |
| Thermoblock und Leitungen | kein sichtbarer Kalk am Auslauf | Filter verwenden, Entkalkung nie aufschieben |
Die Brühgruppe ist bei der Magnifica Evo herausnehmbar. Seitliche Klappe auf, zwei rote Tasten drücken, herausziehen. Das hat beim ersten Mal 15 Sekunden gedauert, ab dem dritten Mal 10. Bei vielen Maschinen anderer Marken ist die Brühgruppe fest eingebaut und wird nur über ein Reinigungsprogramm mit Tabletten gesäubert. Das funktioniert auch, aber du siehst nie, wie es drinnen aussieht.

Was ich nach zwei bis drei Jahren erwarte: Die Dichtungen der Brühgruppe werden hart und lassen Wasser durch, das ist eine Reparatur um 40 bis 80 Euro in einer Fachwerkstatt. Bei sehr hartem Wasser ohne Filter kann sich das Thermoblock-Heizelement zusetzen, das wird teurer. Das Mahlwerk aus Stahl hält in der Regel viele Jahre, solange keine Steinchen aus billigen Bohnen hineingeraten. Kurz gesagt: Wer die Brühgruppe pflegt und entkalkt, hat mit dieser Maschine wenig Ärger. Und was kostet dieser Ärger, den man vermeidet, im Jahr?
Was die Magnifica Evo im Jahr wirklich kostet
Bei uns trinken zwei Personen am Tag zusammen etwa sechs Kaffees. Wir haben in sieben Wochen 4,2 Kilo Bohnen verbraucht. Hochgerechnet auf ein Jahr sieht das so aus:
- Bohnen: rund 31 Kilo im Jahr. Bei 20 Euro pro Kilo für eine gute Rösterei sind das rund 620 Euro, bei Supermarktbohnen um 12 Euro rund 370 Euro.
- Wasserfilter: sechs Stück im Jahr, je nach Händler rund 90 bis 110 Euro.
- Entkalker: mit Filter etwa sieben Entkalkungen, rund 30 bis 40 Euro.
- Strom: Im Bereitschaftsbetrieb mit automatischer Abschaltung nach 15 Minuten haben wir pro Tag 0,19 kWh gemessen, rund 15 Euro im Jahr.
Pro Tasse kommst du je nach Bohne auf 20 bis 30 Cent. Ein Verlängerter im Kaffeehaus kostet in Linz inzwischen 3,80 Euro. Nach rund 110 Kaffeehausbesuchen hat sich die Maschine bezahlt gemacht. Und wo bekommst du sie am günstigsten?
Wo die Magnifica Evo in Österreich am wenigsten kostet
Auf Geizhals.at liegt die Magnifica Evo ECAM290.61.SB beim Schreiben ab rund 350 Euro, die schwarze Variante ECAM290.61.B ebenfalls. Im Regal bei MediaMarkt und Expert zahlst du meist 399 bis 429 Euro. Die Evo Milk liegt rund 100 Euro darüber, für eine Melange ist sie nicht besser, nur bequemer beim Reinigen.
Achte beim Kauf darauf, dass wirklich die Karaffe dabei ist. Im Handel gibt es Angebote unter dem Namen Magnifica Evo, die nur die Dampfdüse haben. Die erkennst du an der Endung .21 oder .31 in der Modellnummer.
Black Friday und Weihnachten: die Maschine als Lockangebot
Die Magnifica Evo ist bei den großen Händlern jedes Jahr am Black Friday im Angebot, sie dient oft als Lockartikel. Heuer fällt er auf den 27. November, und am Cyber Monday drei Tage später ziehen viele Onlineshops nach.
Pass auf Bundles auf, bei denen eine Packung Entkalker und zwei Filter dabei sind und der Preis dafür 30 Euro höher ist. Das Zubehör ist das meist nicht wert. Wie Händler vor dem Black Friday mit Streichpreisen tricksen, hat Christoph im Ratgeber zu echten und falschen Angeboten aufgeschrieben. Als Weihnachtsgeschenk ist die Maschine eine sichere Wahl für Leute, die bisher Kapseln trinken. Leg gleich ein Kilo gute Bohnen von einer Rösterei aus der Region dazu.
Passt die Magnifica Evo zu deinem Haushalt?
Die Alternativen im großen Vergleich
Die Magnifica Evo ist Teil unseres laufenden Tests der Kaffeevollautomaten bis 700 Euro, gegen die Philips Serie 3300 LatteGo, die Siemens EQ.300, die Melitta Purista, die Krups Evidence One und die Nivona CafeRomatica 560. Den Zwischenstand findest du bei den laufenden Tests.
Schon jetzt so viel: Die Philips mit LatteGo ist beim Reinigen der Milch bequemer, die Brühgruppe ist ähnlich gut zugänglich. Die Siemens hat eine fest eingebaute Brühgruppe und ist für Leute gedacht, die nie etwas zerlegen wollen. Wer in einer Altbauwohnung wie unserer auch beim Boden Wert auf wenig Aufwand legt, findet meine Erfahrungen mit dem Roborock Saros 20 auf Fischgrätparkett im Blog. Nach welchen Kriterien wir Haushaltsgeräte bewerten, findest du auf der Seite So testen wir.
Mein Fazit nach sieben Wochen
Die Magnifica Evo ist keine Maschine, die dich mit Technik beeindruckt. Sie hat kein Farbdisplay, keine App und keine zwanzig Rezepte. Sie ist eine Maschine, die ein Techniker gern sieht: einfach aufgebaut, gut zugänglich, mit wenigen Teilen, die teuer kaputtgehen können.
Mit den richtigen Handgriffen macht sie einen sehr guten Verlängerten und eine ordentliche Melange. Ohne diese Handgriffe macht sie eine bittere Tasse Kaffee. Das ist der eigentliche Grund, warum ich diesen Text geschrieben habe.
Renate hat übrigens nach sieben Wochen gesagt, die Maschine dürfe bleiben. Unter einer Bedingung: Ich muss aufhören, ihr beim Frühstück zu erklären, was in der Brühgruppe gerade passiert.
Häufige Fragen zur De'Longhi Magnifica Evo
ECAM290.61.SB oder ECAM290.61.B, welche soll ich nehmen?
Nur die Farbe. Die SB hat silberne Blenden, die B ist ganz schwarz. Mahlwerk, Milchkaraffe, Tasten und Technik sind identisch. Kauf die Variante, die gerade billiger ist.
Wie oft muss ich die Magnifica Evo bei hartem Wasser entkalken?
Bei 14 Grad deutscher Härte und ohne Filter etwa alle sechs Wochen, mit Filter etwa alle sieben bis acht Wochen. Stell die Wasserhärte mit dem beiliegenden Teststreifen ein, dann meldet sich die Maschine zur richtigen Zeit.
Wie gelingt der Verlängerte aus der Magnifica Evo?
Zuerst rund 60 Milliliter Heißwasser über die Heißwassertaste in die Tasse, dann einen Espresso in der Stärke stark darauf. Die Taste Kaffee liefert eine dünnere, bitterere Tasse.
Kann ich die Brühgruppe im Geschirrspüler waschen?
Bitte nicht. Spül sie einmal pro Woche unter lauwarmem Wasser ohne Spülmittel aus und lass sie an der Luft trocknen. Alle drei Monate die Dichtungen dünn mit lebensmittelechtem Silikonfett schmieren.
