„Gas ist doch kein richtiges Grillen.“ Das sagt mein Nachbar Herr Dittmar seit elf Jahren über den Gartenzaun, meistens mit einem Kamin voller Briketts in der Hand. Ich habe ihm lange recht gegeben. Bis zu dem Freitag, an dem ich um 18:40 Uhr aus der Werkstatt kam, die ganze Familie samt Enkel Hunger hatte und die Kohle um 19:25 Uhr immer noch nicht durchgeglüht war.
Seitdem steht bei uns ein Gasgrill. Und weil die Stiftung Warentest im Frühjahr 2026 ausgerechnet den Weber Spirit E-325 zum Testsieger unter den Dreibrennern gekürt hat (Note 2,0), wollte ich wissen, ob der Grill das auch im Alltag eines ganz normalen Reihenendhauses am Stadtrand von Kassel verdient. Ich bin Metallbauer und baue seit 36 Jahren Geländer, Treppen und Hoftore. Einen Grill schaue ich mir deshalb zuerst von unten an. Neun Wochen, 31 Grillabende, zwei 11-kg-Flaschen Propan. Hier ist, was dabei herauskam.
- Sear Zone schafft am Rost gemessene 338 °C
- Sehr gleichmäßige Hitze, im Toastbrot-Test nur eine hellere Ecke
- Stabiler Deckel, gusseiserne Roste, 10 Jahre Garantie
- Fettablauf, der zuverlässig funktioniert
- Braucht an kühlen Abenden 13 bis 16 Minuten zum Vorheizen
- Nur zwei Rollen, auf Rasen eine Zerrerei bei 44,5 kg
- Deckelthermometer zeigt bis zu 40 °C weniger als am Rost
- GBS-Einsätze wie Pizzastein kosten extra
Unser Urteil: ein ehrlicher, robuster Dreibrenner, der Steaks, Gemüse und lange indirekte Sessions gleich gut kann. Wer zwei- bis dreimal pro Woche grillt und 10 Jahre Ruhe will, bekommt hier den sichersten Kauf in seiner Klasse. Wer nur sechsmal im Sommer grillt, spart mit einem günstigeren Modell gut 300 Euro.
Was der Spirit E-325 eigentlich ist
Der Spirit ist Webers Mittelklasse, zwischen den kleinen Traveler-Modellen und der größeren Genesis-Serie. 2025 hat Weber die Reihe überarbeitet. Die wichtigste Neuerung sitzt in der Mitte des Rosts: eine Sear Zone, in der zwei Boost-Brenner laut Hersteller rund 40 Prozent mehr Leistung abgeben. Das ist kein separater Infrarotbrenner wie bei teuren Grills, sondern mehr Flamme direkt unter dem mittleren Rostbereich.
Drumherum steckt klassisches Weber-Handwerk: drei Edelstahlbrenner mit zusammen 9,1 kW, Grillroste aus emailliertem Gusseisen, Flavorizer Bars aus Edelstahl und ein Deckel mit eingebautem Thermometer. Der mittlere Rosteinsatz lässt sich herausnehmen, das ist das Gourmet BBQ System (GBS). Dort passen Pizzastein, Wok oder Dutch Oven hinein, die du aber separat kaufen musst.
Die Stiftung Warentest hat in Heft 04/2026 zehn Gasgrillwagen geprüft. Der E-325 lag vorn, weil Grillergebnis, Verarbeitung und Sicherheit zusammen am besten passten. Mittelmäßig fanden die Prüfer Vorheizen, Reinigung und Transport. Genau diese drei Punkte habe ich mir im Garten besonders genau angeschaut.
Der Aufbau: 1 Stunde 52 Minuten und eine rätselhafte Schraube
Der Karton wiegt fast 50 Kilo. Der Paketbote hat ihn mit einem Blick abgestellt, der sagte: „Viel Spaß damit.“ Den Aufbau habe ich allein gemacht, mit Akkuschrauber und der Bilderanleitung aus der BILT-App von Weber. Die App zeigt jeden Schritt in 3D, das ist wirklich angenehmer als ein Faltblatt.
Als Metallbauer habe ich zuerst Bleche und Schweißpunkte am Wagen angeschaut: sauber gesetzt, keine scharfen Kanten, die Verschraubungen sitzen in verstärkten Löchern. Nach 1 Stunde und 52 Minuten stand der Grill, und die Wasserwaage auf dem Rost zeigte keine Abweichung. Die Warentest-Prüfer brauchten bei den verschiedenen Geräten zwischen einer und zweieinhalb Stunden, ich lag also im Mittelfeld. Am Ende lag eine Schraube übrig. Ich habe sie bis heute keinem Teil zugeordnet, und der Grill steht bombenfest. Sie wohnt jetzt in einem Marmeladenglas in meiner Werkstatt, für den Fall der Fälle.

Dann kam der Moment, auf den ich mich gefreut hatte: die Snap-Jet-Zündung. Du drückst den Drehknopf rein, drehst ihn, und jeder Brenner zündet einzeln per Funke. Kein Batteriefach, keine Stabfeuerzeuge. In neun Wochen hat die Zündung genau einmal nicht beim ersten Versuch geklappt, an einem sehr windigen Abend im Mai.
Neun Wochen im Garten: so haben wir getestet
Der Grill stand auf unserer Terrasse aus Betonpflaster, ohne Überdachung. Er hat drei Gewitter, einen Hagelschauer und den Fußball meines Enkels Finn ohne Schaden überstanden. Gegrillt haben wir alles, was bei uns so auf den Rost kommt, wenn die Kinder mit Anhang und Enkeln zu Besuch sind.
- 31 Grillabende zwischen Anfang April und Anfang Juni, davon 6 mit mehr als acht Personen
- Temperaturmessungen mit einem Infrarot-Thermometer am Rost und einem Funk-Thermometer auf Rosthöhe
- Toastbrot-Test für die Hitzeverteilung: 12 Scheiben, alle Brenner auf mittel, 90 Sekunden
- Gasverbrauch über das Gewicht der Flasche vor und nach jedem Abend
Das Toastbrot-Ergebnis vorneweg, weil es das wichtigste ist. Elf von zwölf Scheiben waren gleichmäßig goldbraun. Nur die Scheibe vorne links war sichtbar heller. Das kenne ich von fast jedem Gasgrill, bei einigen günstigen Modellen, die ich vorher hatte, war es eher die halbe Fläche.
Die Sear Zone: 338 Grad, und das merkst du am Steak
Mit geschlossenem Deckel, allen drei Brennern auf voll und aktiviertem Boost habe ich nach 15 Minuten in der Mitte des Rosts 338 °C gemessen. Die äußeren Bereiche lagen bei rund 290 °C. Das reicht für das, worum es bei einer Sear Zone geht: eine kräftige Kruste, bevor das Innere des Fleischs übergart.
Mein Standardtest war ein 3,5 Zentimeter dickes Rumpsteak. Zwei Minuten pro Seite in der Sear Zone, einmal um 90 Grad gedreht für das Rautenmuster, dann ab in die indirekte Zone, bis das Kerntermometer 54 °C zeigte. Das Ergebnis war besser als alles, was ich vorher auf Gas hinbekommen habe. Herr Dittmar hat probiert, lange gekaut und dann nur gesagt: „Na ja. Gar nicht so schlecht.“ Von ihm ist das ein Orden.

„Ich gebe zu, bei dem Steak hätte ich nicht gewusst, ob es über Kohle oder Gas lag. Beim Grillen selbst merke ich es natürlich schon.“ Herr Dittmar, Nachbar und Holzkohle-Veteran
Was mir aufgefallen ist: Die Sear Zone ist kein Zauberknopf. Bei nassem, kaltem Fleisch direkt aus dem Kühlschrank bricht die Temperatur am Rost kurz auf unter 250 °C ein. Nimm die Steaks 30 Minuten vorher raus und tupf sie trocken, dann bekommst du die Kruste, die du auf den Weber-Fotos siehst.
Indirekt grillen: der Schweinebauch, der alles entschieden hat
Steaks kann jeder Grill halbwegs. Spannend wird es bei langen Garzeiten, weil sich dort zeigt, ob ein Grill die Temperatur hält. Für den Test habe ich einen 2,1 Kilo schweren Schweinebauch indirekt gegart: linker Brenner auf klein, die anderen aus, Fleisch rechts.
Der Deckel ist doppelwandig verarbeitet und schließt ordentlich, das Spaltmaß ist rundum gleich. So etwas fällt mir berufsbedingt sofort auf. Über 3 Stunden und 20 Minuten schwankte die Temperatur auf Rosthöhe zwischen 138 und 151 °C, ohne dass ich einmal nachregeln musste. Draußen waren es 16 Grad mit leichtem Wind. Das ist ein Wert, mit dem du ruhig auf dem Liegestuhl bleiben kannst, statt alle zehn Minuten nachzuschauen.
Hier kommt die Schwäche des Deckelthermometers ins Spiel. Es sitzt oben im Deckel und misst die Luft dort, nicht am Rost. Bei indirektem Grillen zeigte es im Schnitt 35 °C weniger an als mein Funk-Thermometer neben dem Fleisch. Wer sich nur auf die Anzeige verlässt, gart zu heiß. Ein Funk-Thermometer für 30 bis 40 Euro ist bei diesem Grill kein Luxus, sondern Pflicht.
Vorheizen, Gasverbrauch, Reinigung: die Alltagsfragen
Die Warentest-Kritik am Vorheizen kann ich bestätigen, mit Einschränkung. An einem warmen Juniabend mit 24 Grad war der Grill nach 9 Minuten bei 260 °C. An einem kühlen Aprilabend mit 9 Grad brauchte er 16 Minuten. Im Vergleich zur Holzkohle ist das immer noch ein Sprint. Im Vergleich zu manchen Konkurrenten mit dünnerem Deckel ist es gemächlich.
Beim Gas hat mich der Spirit positiv überrascht. Die erste 11-kg-Flasche war nach 23 Abenden leer, inklusive des Schweinebauchs. Bei rund 30 Euro pro Füllung kostet dich ein normaler Grillabend also etwa 1,30 Euro Gas. Das Rechnen hat mir Spaß gemacht, meiner Frau Petra weniger, als ich es ihr zum dritten Mal erklären wollte.
Die Reinigung ist solide, aber nicht elegant. Fett und Reste laufen über eine geneigte Wanne in eine Auffangschale unter dem Grill, in die eine Aluschale passt. Das funktioniert, und genau das ist wichtig: Im Warentest fielen drei Grills durch, weil das Fett nicht richtig ablief und noch Minuten nach dem Abschalten weiterbrannte. Beim Weber gab es in 31 Abenden kein einziges unkontrolliertes Aufflammen. Nur an die Schale kommst du etwas umständlich heran, du musst dich tief bücken und leicht schräg ziehen.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Weber Spirit E-325 GBS (2025) |
|---|---|
| Brenner | 3 Edelstahlbrenner, Boost in der Sear Zone |
| Leistung gesamt | 9,1 kW |
| Hauptgrillfläche | 52 x 44 cm |
| Warmhalterost | 58 x 12 cm |
| Maße geschlossen | 117 x 123 x 67,5 cm (H x B x T) |
| Gewicht | 44,5 kg |
| Grillroste | Emailliertes Gusseisen, GBS-Einsatz |
| Zündung | Snap-Jet, jeder Brenner einzeln |
| Seitenbrenner | Nein |
| Garantie | 10 Jahre (freiwillige Herstellergarantie, je nach Bauteil) |
| Preis | ca. 540 bis 600 Euro (Stand der Recherche) |
Was uns im Alltag genervt hat
Drei Dinge, ehrlich aufgeschrieben. Erstens die Mobilität. Der Spirit hat zwei Rollen und zwei feste Füße. Auf Pflaster schiebst du ihn problemlos, auf Rasen musst du ihn anheben und ziehen wie eine Schubkarre ohne Rad. Bei 44,5 Kilo ist das ein Kraftakt. Wenn dein Grill jeden Sommer quer durch den Garten wandert, plane das ein.
Zweitens die Seitentische. Sie lassen sich wegklappen, was auf einer kleinen Terrasse Gold wert ist. Aber sie sind schmal. Ein Brett mit Fleisch, eine Schale Gemüse und die Grillzange, dann ist Schluss. Wir haben am dritten Abend einen Beistelltisch daneben gestellt, und dort steht er bis heute.
Drittens: Das GBS-System ist eine schöne Idee, macht den Grill aber teurer, als der Preis vermuten lässt. Ein Pizzastein für den Einsatz kostet um die 60 Euro, der Wok ähnlich. Wer die Weber-Fotos mit Pizza und Paella im Kopf hat, sollte das mitrechnen. Wer nur grillt, braucht davon nichts.
Für wen der Spirit E-325 passt, und für wen nicht
Für Haushalte wie unseren, zwei Erwachsene und am Wochenende Kinder und Enkel zu Besuch, ist die Größe genau richtig. Bei unserer größten Runde mit elf Personen wurde es eng. Wir haben in zwei Durchgängen gegrillt, was bei Würstchen niemanden stört und bei Steaks ein bisschen Planung braucht.
Die Alternativen, die wir ernsthaft überlegt haben
Wenn dir der E-325 zu teuer oder zu klein ist, gibt es drei Richtungen, die ich guten Gewissens empfehlen würde.
- Weber Spirit EP-325 GBS: gleiche Basis, dafür ein beleuchtetes Digitalthermometer. Kostet meist rund 100 Euro mehr. Lohnt sich nur, wenn du oft im Dunkeln grillst und kein eigenes Thermometer kaufen willst.
- Weber Spirit EP-435R Stealth: der Vierbrenner-Testsieger der Stiftung Warentest (Note 2,1), um 860 Euro. Mehr Fläche für große Runden.
- Jamestown Kane (Obi): um 200 Euro und laut Warentest beim Grillergebnis erstaunlich nah an den Testsiegern. Verarbeitung und Materialien sind einfacher, und über zehn Jahre würde ich darauf nicht wetten. Für Gelegenheitsgriller trotzdem ein kluger Kauf.
Wer größer denkt, landet bei der Genesis-Reihe von Weber, etwa dem E-325s ab rund 1.000 Euro. Mehr Fläche, dickere Wände, größere Sear Zone. Für die meisten Gärten ist das aber schlicht mehr Grill, als sie brauchen. Eine Übersicht aller Geräte, die wir aktuell empfehlen, findest du in unseren Testberichten.
Mein Fazit nach 31 Abenden
Der Spirit E-325 ist kein Grill, der dich jeden Abend neu beeindruckt. Er ist einer, der jeden Abend funktioniert. Er zündet, er heizt gleichmäßig, er hält die Temperatur über Stunden, und die Sear Zone macht Steaks, auf die du stolz sein darfst. Die Schwächen sind echt, aber alle mit ein bisschen Planung lösbar: ein Funk-Thermometer, ein Beistelltisch, ein fester Platz auf der Terrasse.
Bei rund 560 Euro zahlst du für Verarbeitung und Garantie spürbar mehr als bei einem Baumarkt-Grill. Wenn du oft grillst, ist das gut angelegtes Geld. Herr Dittmar grillt übrigens weiter mit Kohle. Aber er fragt inzwischen, ob er am Donnerstag „kurz die Sear Zone ausleihen“ darf. Wie wir Grills und andere Geräte bewerten, erklären wir ausführlich auf unserer Seite So testen wir. Und wenn dein Rasen nach dem Grillabend auch noch gemäht werden will: Unser Kollege Holger Pietzsch hat in Gießen den Gardena Mähroboter ohne Begrenzungskabel getestet.

Häufige Fragen
Wie lange hält eine 11-kg-Gasflasche beim Weber Spirit E-325?
Bei uns reichte eine Flasche für 23 Grillabende von rund 45 Minuten, einer davon mit über drei Stunden indirektem Garen. Wenn du oft lange mit Boost grillst, rechne mit 15 bis 18 Abenden.
Was ist der Unterschied zwischen Spirit E-325 und EP-325?
Brenner, Rost und Sear Zone sind gleich. Der EP-325 hat ein beleuchtetes Digitalthermometer im Deckel und kostet meist rund 100 Euro mehr. Ein separates Funk-Thermometer am Rost ist in beiden Fällen die genauere Lösung.
Kann der Grill im Winter draußen stehen?
Ja. Unserer steht ganzjährig auf der Terrasse. Eine Abdeckhaube schützt vor Laub und Pollen, sollte aber nicht direkt nach dem Grillen auf den heißen Deckel. Die Gasflasche bleibt draußen angeschlossen, niemals im Keller oder in der Garage lagern.
Braucht man das Gourmet BBQ System wirklich?
Nein. Zum Grillen reicht der normale Rost. Pizzastein, Wok und Co. sind Zubehör für Leute, die gerne experimentieren. Rechne pro Einsatz mit rund 50 bis 70 Euro zusätzlich.
