Samstag, 9:15 Uhr. Ich schiebe den Rasenmäher aus dem Schuppen, während nebenan Herr Albers seine Hecke schneidet und drei Häuser weiter jemand den Laubbläser anwirft. So klingt ein Wochenende am Stadtrand. Und jedes Mal denke ich: Irgendwann soll das jemand anderes machen.
Einen Mähroboter wollte ich trotzdem jahrelang nicht. Der Grund lag im Boden, genauer gesagt in 180 Metern Begrenzungsdraht, die ich hätte verlegen müssen. Um Beete, um den Apfelbaum, um Bens Sandkasten. Dann kam der Gardena smart SILENO sense auf den Markt: ein Mähroboter, der ohne Kabel auskommt und sich per Kamera und Satellit orientiert. Ich habe die 600-m²-Version sechs Wochen lang auf unserem Rasen in Gießen laufen lassen.
- Kein Draht, keine Referenzstation, Einrichtung an einem Vormittag
- Sehr leise, in 3 Metern Abstand 54 dB gemessen
- Kamera erkennt Ball, Gießkanne und Sandspielzeug zuverlässig
- Kompakt, 9,5 kg, europäischer Hersteller mit guter Ersatzteilversorgung
- Unter Bäumen legt er Denkpausen von bis zu 40 Sekunden ein
- Durchgänge unter 1 Meter Breite sind tabu
- App umständlich, kein Live-Fortschritt
- Nur vier Schnitthöhen, Rasenkanten bleiben Handarbeit
Unser Urteil: Für einen übersichtlichen Garten bis etwa 500 m² mit freiem Himmel ist der SILENO sense eine angenehm einfache Lösung ohne Buddelei. Wer viele Bäume, schmale Durchgänge oder mehrere getrennte Rasenflächen hat, sollte genau hinschauen, bevor er rund 800 Euro ausgibt.
Warum ein Mähroboter ohne Kabel so viel verändert
Klassische Mähroboter fahren innerhalb eines Drahts, der unter oder auf dem Rasen liegt und ein schwaches Signal aussendet. Das funktioniert seit Jahren gut. Das Problem ist die Arbeit davor: Kabel verlegen, Haken einschlagen, jedes Beet umrunden. Und wenn du später ein neues Beet anlegst oder beim Vertikutieren den Draht durchtrennst, fängt das Ganze von vorne an.
Der SILENO sense arbeitet anders. Eine Kamera an der Front erkennt, wo Rasen ist und wo nicht. Dazu kommt Satellitenortung über GNSS, ergänzt durch eine Mobilfunkverbindung. Die meisten kabellosen Konkurrenten brauchen eine zusätzliche RTK-Antenne im Garten, die auf Zentimeter genau korrigiert. Gardena verzichtet darauf. Das spart Aufbau und Platz, hat aber Folgen, die ich weiter unten beschreibe.
Den SILENO sense gibt es in zwei Größen: für 400 und 600 Quadratmeter. Die UVP liegt bei 999 und 1.099 Euro, im Handel habe ich die 600er-Version zum Zeitpunkt des Tests für rund 770 bis 800 Euro gesehen.
Die Einrichtung: ein Vormittag, ein Siebenjähriger und der Sandkasten
Der erste Schritt ist der wichtigste: der Platz für die Ladestation. Gardena empfiehlt ebenen Boden und freien Himmel, idealerweise sechs Meter Abstand zu Hauswand und hohen Hindernissen. Mein erster Versuch direkt neben dem Schuppen war zu nah dran. Der Roboter fand zwar seinen Weg, meldete aber immer wieder schwaches Signal. Zwei Meter weiter auf den Rasen, und das Problem war weg.
Dann kommt der Teil, der Spaß macht. Du fährst den Mähroboter mit dem Smartphone wie ein ferngesteuertes Auto einmal an der Rasengrenze entlang. Dabei setzt die App Wegpunkte, aus denen sie eine Karte baut. Mein Sohn Ben, sieben Jahre alt, hat das als persönliche Einladung verstanden. Nach elf Minuten stand der Roboter mitten im Sandkasten, und Ben erklärte mir sehr ernst, dass Sand „eigentlich auch Rasen“ sei.

Beim zweiten Anlauf habe ich das Steuer übernommen. Die komplette Grenze von rund 95 Metern plus zwei Sperrzonen für Sandkasten und Kräuterbeet dauerten 1 Stunde und 35 Minuten. Die Wegpunkte lassen sich später in der App verschieben. Das ist praktisch, weil meine erste Linie am Lavendelbeet ein paar Zentimeter zu großzügig war.
So sieht unser Testgarten aus
Damit du die Ergebnisse einordnen kannst: Unser Rasen hat 430 Quadratmeter und liegt hinter einer Doppelhaushälfte. Es gibt einen alten Apfelbaum mit großer Krone, eine leichte Steigung zur Terrasse von etwa 18 Prozent, drei Beete mit Steinkante und einen Durchgang neben der Garage, der 85 Zentimeter breit ist. Dazu kommen ein Vorgarten mit 40 Quadratmetern und viel Spielzeug, das nie dort liegt, wo es hingehört.
Gemäht wurde von Mitte Juni bis Ende Juli. Zeitplan: Montag bis Samstag, jeweils von 9 bis 15 Uhr, sonntags Ruhe. Ich habe notiert, wann er hängen blieb, wie das Schnittbild aussah und wie oft ich eingreifen musste. Wie wir generell bewerten, steht auf unserer Seite So testen wir.
Sechs Wochen Mähen: das Schnittbild
Nach zehn Tagen sah der Rasen besser aus als nach jedem Sonntag mit dem Benzinmäher. Das liegt am Prinzip: Der Roboter schneidet täglich nur ein paar Millimeter, das Schnittgut bleibt fein im Rasen liegen und düngt ihn. Kein Rasenschnitt in der Biotonne, keine gelben Stellen nach dem Mähen.
Anders als viele günstige Modelle, die kreuz und quer fahren, mäht der SILENO sense in geraden Bahnen. Das sieht ordentlich aus, und Herr Albers hat es über den Zaun mit einem anerkennenden Nicken quittiert. Die Schnittbreite von 16 Zentimetern ist eher schmal. Für unsere Fläche war das kein Problem, der Rasen war nach vier Tagen einmal komplett gemäht.
Weniger gut: die Schnitthöhe. Es gibt vier feste Stufen zwischen 25 und 45 Millimetern, und zum Verstellen musst du eine Abdeckung abnehmen und die Mäheinheit von Hand drehen. Bei der Hitze im Juli wollte ich den Rasen etwas höher lassen. 45 Millimeter waren das Maximum. Andere Roboter lassen sich in 5-Millimeter-Schritten per App einstellen.
Die Kamera: was sie erkennt, und was nicht
Das ist der spannendste Teil, weil ein Garten mit Kind ein Hindernisparcours ist. Den roten Fußball hat der Roboter jedes Mal erkannt und umfahren. Genauso die Gießkanne, Bens Plastikschaufel und einen umgekippten Gartenstuhl. Die Kamera sieht Dinge ab etwa Handgröße sehr verlässlich.

Den flach im Gras liegenden Gartenschlauch hat er zweimal überfahren. Passiert ist nichts, die Klingen liegen hoch genug. Einen Tennisball, halb im Rasen versunken, hat er einmal angestupst und dann umfahren. Kleine Dinge wie ein Kinderhandschuh oder ein vergessenes Sandförmchen solltest du trotzdem vor dem Mähen einsammeln. Das ist bei jedem Mähroboter so.
„Papa, der Roboter hat meinen Ball gesehen und ist extra drumherum gefahren. Der ist schlauer als Oskar.“ Ben, über den Mähroboter und den Hund der Nachbarn
Ein Punkt, der mir wichtig ist: Igel. Der SILENO sense hat kein Licht und mäht nur bei Tageslicht. Das klingt nach einer Einschränkung, ist für Igel aber eine gute Nachricht, weil sie in der Dämmerung und nachts unterwegs sind. Lass ihn trotzdem nie abends laufen, und schau unter Hecken nach, bevor du den Zeitplan änderst.
Die Schwächen: Apfelbaum, Engstelle, Vorgarten
Unter dem Apfelbaum zeigte sich, was der Verzicht auf die RTK-Station bedeutet. Die Krone schirmt den Himmel ab, das Satellitensignal wird schwächer. Der Roboter bleibt dann stehen, als würde er nachdenken. Ich habe Pausen zwischen 15 und 40 Sekunden gestoppt, danach fährt er weiter. Gemäht wurde unter dem Baum trotzdem, nur deutlich langsamer.
Die Engstelle neben der Garage war ein Ausschlusskriterium. Gardena verlangt mindestens einen Meter Breite für Durchfahrten, unsere hat 85 Zentimeter. Der Roboter kommt also nicht in den schmalen Streifen dahinter. Konkurrenzmodelle schaffen teils schon 70 Zentimeter. Und der Vorgarten? Getrennte Rasenflächen kann der SILENO sense zum Zeitpunkt unseres Tests nicht verwalten. Ich mähe die 40 Quadratmeter weiter von Hand, mit leisem Groll.
Auch die Kanten brauchen Nacharbeit. Trotz der nach hinten versetzten Klinge, die an festen Kanten näher heranfahren soll, blieb an den Steinkanten der Beete ein Streifen von 6 bis 9 Zentimetern stehen. Alle zwei Wochen zehn Minuten mit dem Rasentrimmer, damit kann ich leben.
Die App: funktioniert, aber macht keine Freude
Die Gardena smart App tut, was sie soll: Zeitplan, Karte, Sperrzonen, Schnitthöhe notieren, Statusanzeige. Aber sie fühlt sich umständlich an. Um eine einfache Änderung am Zeitplan zu machen, habe ich mich durch vier Ebenen geklickt. Einen Live-Fortschritt, wie viel heute schon gemäht wurde, gibt es nicht, und eine Kamera-Ansicht, wie sie manche Konkurrenten anbieten, auch nicht.
Positiv: Die Mobilfunkverbindung ist laut Gardena dauerhaft inklusive, du brauchst also kein WLAN bis in den hintersten Gartenwinkel. Die Daten bleiben nach Herstellerangabe lokal gespeichert. Und der Roboter lässt sich mit einer PIN sperren, falls er sich über den Gartenzaun verabschieden will.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Gardena smart SILENO sense 600 |
|---|---|
| Empfohlene Fläche | bis 600 m² |
| Navigation | Kamera mit KI, GNSS, Mobilfunk, ohne Begrenzungskabel und ohne RTK-Station |
| Schnittbreite | 16 cm |
| Schnitthöhe | 25 bis 45 mm, 4 Stufen, manuell |
| Max. Steigung | 25 % |
| Lautstärke | 57 dB(A) laut Hersteller |
| Akku | 18 V, 4 Ah, Lithium-Ionen, herausnehmbar |
| Ladezeit | ca. 80 Minuten |
| Gewicht | 9,5 kg |
| Wetterschutz | IPX5, Frostsensor |
| Mindestbreite Durchfahrt | 1 m |
| Preis | UVP 1.099 Euro, im Handel ca. 770 bis 800 Euro (Stand der Recherche) |
Lautstärke und Alltag: der Roboter, den keiner hört
Mein Schallpegelmesser zeigte in drei Metern Abstand 54 dB. Das ist leiser als ein normales Gespräch. Wir haben auf der Terrasse gefrühstückt, während der Roboter zwei Meter weiter seine Bahnen zog, und niemand hat die Stimme gehoben. Mit einem Benzinmäher wäre das undenkbar, mit vielen anderen Robotern auch nicht.

In sechs Wochen musste ich neun Mal eingreifen. Viermal hing er im Sandkasten fest, bevor ich die Sperrzone vergrößert habe, dreimal nach Regen an der steilsten Stelle am Terrassenrand, zweimal wegen einer Fehlermeldung, die nach einem Neustart verschwand. Bei Regen mäht er dank IPX5 weiter, auf nassem Gras rutschten die Räder an der Steigung aber durch.
Dass unser Garten jetzt am Samstag ruhig ist, hat einen Nebeneffekt, den ich nicht erwartet hatte. Die gewonnene Stunde verbringe ich am Grill. Welcher Gasgrill sich dafür lohnt, hat unser Kollege Rüdiger Schwertfeger in Kassel neun Wochen lang ausprobiert: Hier ist sein Test des Weber Spirit E-325.
Für wen er passt, und die Alternativen
- Gardena SILENO minimo: der Klassiker mit Begrenzungskabel, oft unter 450 Euro. Mehr Arbeit beim Einrichten, danach sehr zuverlässig, auch unter Bäumen.
- Gardena smart SILENO free: ebenfalls ohne Kabel. Die RTK-Korrekturdaten holt er sich über Mobilfunk aus dem Netz, eine eigene Antenne im Garten braucht er nicht. Dafür teurer, und unter großen Bäumen kann die Position wandern.
- Segway Navimow und Ecovacs GOAT: kabellose Konkurrenz aus China mit schickerer App und feinerer Höhenverstellung. Bei connect lagen sie preislich zwischen 650 und 750 Euro.
Welche Mähroboter und Gartengeräte wir aktuell empfehlen, findest du gesammelt in unseren Testberichten.
Mein Fazit nach sechs Wochen
Der SILENO sense hat mir etwas geschenkt, das ich nicht in Minuten messen kann: Samstage ohne Rasenmäher. Die Einrichtung ohne Draht ist so einfach, wie Gardena verspricht, und das Schnittbild ist schön gleichmäßig. Er ist leise, klein und ließ Ball, Gießkanne und Kinderspielzeug in Ruhe.
Gleichzeitig spürst du an einigen Stellen, dass die Technik noch jung ist. Die Denkpausen unter Bäumen, die Meter-Regel bei Durchgängen und die fehlende Verwaltung mehrerer Flächen sind echte Einschränkungen. Wenn dein Garten dazu passt, ist er ein guter Kauf. Wenn nicht, bist du mit einem klassischen Kabelmodell oder einem RTK-Roboter besser bedient. Ben hat übrigens eine klare Meinung: Er will den Roboter „Rasen-Rudi“ nennen. Wir haben abgestimmt. Rudi hat gewonnen.
Häufige Fragen
Braucht der Gardena SILENO sense WLAN?
Nein. Er nutzt eine eingebaute Mobilfunkverbindung, die laut Gardena dauerhaft ohne Zusatzkosten inklusive ist. WLAN im Garten ist nicht nötig.
Wie funktioniert ein Mähroboter ohne Begrenzungskabel?
Er orientiert sich über Satellitenortung und eine Kamera, die Rasen, Beete und Hindernisse erkennt. Die Grenzen legst du einmal fest, indem du den Roboter per App an der Rasenkante entlangsteuerst.
Kann der SILENO sense unter Bäumen mähen?
Ja, aber langsamer. Unter dichten Kronen wird das Satellitensignal schwächer, der Roboter legt dann kurze Pausen ein. In stark verschatteten Gärten ist ein Modell mit RTK-Station oder Begrenzungskabel zuverlässiger.
Was passiert im Winter mit dem Mähroboter?
Ein Frostsensor verhindert das Mähen bei Kälte. Für die Winterpause empfiehlt Gardena, Roboter und Akku gereinigt, trocken und frostfrei zu lagern, etwa im Keller. Die Ladestation kann draußen bleiben, wenn du den Netzstecker ziehst.
