Oura Ring 4 im Test: Lohnt er sich noch, seit es den Ring 5 gibt?

62 Nächte, ein Lauf am Rhein pro Woche und eine Abo-Rechnung über drei Jahre: Birgit hat den Oura Ring 4 getragen, als der Ring 5 schon angekündigt war. Ihr Urteil überrascht.

Frau liegt morgens im Bett, Smart Ring am Finger, und schaut verschlafen auf ihre Schlafdaten im Handy
Unser Testergebnis62 Nächte getragen

Oura Ring 4

Smart Ring aus Titan für Schlaf, Erholung, Zyklus und Aktivität

8,6
Sehr gut, vor allem zum neuen Preis★★★★☆ Preis beim Schreiben: ab rund 210 € plus Abo
Schlafanalyse9,4
Tragekomfort9,0
Akku7,8
Sport6,8
Das gefällt uns
  • Schlafdaten nah an unserer Vergleichsuhr
  • Nach drei Tagen vergisst du ihn am Finger
  • Temperaturkurve erkennt Erkältungen früh
  • Deutlich günstiger, seit der Ring 5 da ist
Das stört
  • Ohne Abo fast nur drei Zahlen
  • Akku eher 6 als 8 Tage
  • Titan zerkratzt beim Hanteltraining
  • Beim Intervalltraining ungenau
Unser Urteil: Wer seinen Schlaf verstehen will und keine Uhr am Handgelenk mag, bekommt mit dem Ring 4 zum gesenkten Preis das bessere Geschäft als mit dem Ring 5. Wer vor allem trainiert, greift besser zur Sportuhr.

„Ich schlafe doch acht Stunden. Warum bin ich dann morgens so gerädert?“

Diesen Satz habe ich im Frühjahr ungefähr dreimal pro Woche gesagt. Meistens zu Stefan, meinem Freund, der darauf verlässlich antwortet: „Weil du bis halb eins am Handy warst.“ Er hatte teilweise recht. Aber eben nur teilweise, und genau das wollte ich genauer wissen.

Ich bin Birgit, ich teste bei uns Produkte rund um Gesundheit und Beauty. Ende April habe ich mir einen Oura Ring 4 gekauft und ihn 62 Nächte lang nicht mehr abgenommen, außer zum Laden. Mitten in den Test platzte die Ankündigung des Ring 5. Das hat die wichtigste Frage dieses Tests verändert: Nicht mehr nur „Ist der Ring 4 gut?“, sondern „Solltest du ihn jetzt noch kaufen?“

Größe finden und die ersten drei Nächte

Bevor du einen Oura bestellst, bekommst du ein Größen-Set mit Plastikringen. Das klingt nach Zeitverschwendung, ist es aber nicht. Oura-Größen entsprechen nicht normalen Ringgrößen, und ein Ring, der am Abend perfekt sitzt, kann am Morgen nach einer warmen Nacht drücken.

Mein Tipp aus dem Test: Trag den Probering mindestens 24 Stunden, inklusive einer Nacht und einer Dusche. Ich lag zuerst zwischen Größe 6 und 7 und habe mich für 7 am Zeigefinger entschieden. Der Zeigefinger liefert laut Oura die besten Messwerte, weil die Sensoren dort guten Kontakt zu den Arterien haben.

Die erste Nacht war ungewohnt. Ich habe zweimal im Halbschlaf am Ring gedreht. In der dritten Nacht war er weg, gefühlt jedenfalls. Mit 2,88 mm Dicke und je nach Größe 3,3 bis 5,2 Gramm trägt er sich wie ein etwas breiterer Ehering. Nur beim Zwiebelschneiden merke ich ihn bis heute, weil das Messer genau an ihm vorbeimuss.

Die ersten zwei Wochen sammelt der Ring vor allem Daten über dich. Die Zahlen am Anfang sind deshalb mit Vorsicht zu genießen. Ab etwa Tag 14 wurde es interessant.

Hände probieren schwarze Plastik-Probeaufsätze aus einem Größen-Set auf dem Küchentisch
Das Größen-Set: nervig, aber es spart dir einen Ring, der morgens drückt.

Wie genau ist die Schlafanalyse wirklich?

Das ist die Kernfrage, denn wegen des Schlafs kaufen die meisten Leute einen Oura. Also habe ich 20 Nächte lang zusätzlich eine Smartwatch am Handgelenk getragen und morgens beide Auswertungen notiert, dazu mein eigenes Schlaftagebuch: Wann habe ich das Licht ausgemacht, wann war ich nachts wach, wie fühle ich mich.

Beim Gesamtschlaf lagen Ring und Uhr im Schnitt nur 11 Minuten auseinander. Bei den Wachphasen war der Ring genauer als die Uhr. Die Uhr hat zweimal eine halbe Stunde Lesen im Bett als Schlaf gezählt, der Oura nicht. Und dreimal hat der Ring eine nächtliche Wachphase erkannt, an die ich mich morgens erinnern konnte, die Uhr aber nicht.

Die Schlafphasen, also Leicht-, Tief- und REM-Schlaf, kann kein Wearable so genau messen wie ein Schlaflabor mit Hirnstrom-Messung. Das sagt jede Schlafmedizinerin, und das sagt auch Oura selbst. Was der Ring aber gut kann: Trends zeigen. Und die Trends waren bei mir eindeutig.

„Nach dem dritten Abend mit Handy im Bett hatte ich im Schnitt 23 Minuten weniger Tiefschlaf. Das ist keine Meinung mehr, das ist eine Kurve.“ Birgit, Testnotiz vom 29. Mai

Stefan hatte also recht. Ich habe es ihm nicht gesagt, aber der Ring hat es mir drei Wochen lang jeden Morgen gezeigt. Seit Anfang Juni liegt mein Handy nachts in der Küche, und mein Schlafwert ist im Schnitt von 71 auf 79 gestiegen. Wie sich das tagsüber anfühlt, zeigt der Ring mit ein paar Werten, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte.

Temperatur, Zyklus und Stress: was im Alltag hilft

Der Oura misst nachts die Hauttemperatur am Finger und zeigt dir die Abweichung von deinem persönlichen Durchschnitt. Klingt nach Spielerei. Anfang Juni zeigte der Ring an zwei Morgen hintereinander plus 0,7 °C, dazu einen erhöhten Ruhepuls. Ich fühlte mich gut. Am dritten Tag hatte ich Halsschmerzen, am vierten eine ausgewachsene Sommergrippe.

Die Funktion heißt Symptom-Radar, und sie hat mir bei der Erkältung nichts erspart. Aber ich habe das lange Lauftraining abgesagt und den Termin in Düsseldorf verschoben, statt mich hinzuschleppen. Das war es wert.

Die Zyklus-Vorhersage nutzt ebenfalls die Temperaturkurve. In meinen zwei Testzyklen lag die Vorhersage der Periode einmal genau richtig und einmal einen Tag daneben. Das ist besser als die Kalender-App, die ich vorher hatte. Als Verhütungsmethode ist der Ring in Deutschland nicht zugelassen, das solltest du wissen.

Dazu kommen Tageswerte wie Stress und Erholung, die aus der Herzfrequenzvariabilität berechnet werden. Die fand ich spannend, aber weniger nützlich als Schlaf und Temperatur. An einem Tag mit Steuererklärung zeigte der Ring „sehr gestresst“. Das wusste ich allerdings auch ohne Ring. Beim Sport wird es dann weniger eindeutig.

Sport: hier merkst du, dass es ein Ring ist

Ich laufe einmal pro Woche meine Runde am Rhein, 5 bis 8 Kilometer, und gehe zweimal ins Fitnessstudio. Für die Läufe hatte ich zum Vergleich einen Brustgurt dabei. Das Ergebnis: Bei ruhigem Tempo lag der Ring im Schnitt 4 Schläge pro Minute über dem Gurt. Bei Intervallen hat er die Spitzen deutlich verpasst, bei einem Sprint um 17 Schläge.

Dazu kommt: Der Ring hat kein Display und kein GPS. Pace und Strecke kommen nur, wenn dein Handy mitläuft. Die Schrittzählung lag in meinem Test 8 Prozent unter dem Handy. Das stört mich wenig, aber wenn du Schritte sammelst wie andere Leute Payback-Punkte, wirst du nicht glücklich.

Die automatische Trainingserkennung funktioniert dagegen erstaunlich gut. Radfahren zur Arbeit, ein langer Spaziergang mit meiner Mutter, sogar eine Stunde Gartenarbeit: Der Ring hat es erkannt und nachgefragt. Für Alltagsbewegung reicht das. Für ernsthaftes Training nicht.

Läuferin dehnt sich nach dem Lauf an einer Bank am Rheinufer, im Hintergrund ein Frachtschiff
Nach meiner Runde am Rhein. Für Intervalle ist der Ring nicht gemacht.

Akku, Laden und die Kratzer

Oura verspricht bis zu 8 Tage Laufzeit. Mit eingeschalteter Blutsauerstoff-Messung kam ich im Schnitt auf 5,8 Tage, ohne auf 7,1 Tage. Kleinere Ringe haben kleinere Akkus, meine Größe 7 liegt im unteren Mittelfeld. Geladen wird auf einem kleinen Dock mit USB-C, von 20 auf 100 Prozent dauerte es bei mir 64 Minuten.

Mein Rhythmus hat sich schnell eingespielt: Sonntagmorgen beim Frühstück aufs Dock, nach dem Kaffee wieder an den Finger. Einmal habe ich das vergessen und einen Montag ohne Daten verbracht. Und einmal habe ich den Ring nach dem Händewaschen bei meiner Mutter in Bonn am Waschbecken liegen lassen. Sie rief abends an: „Kind, da liegt ein Ring. Ist das was Ernstes mit Stefan?“ Ich musste sie enttäuschen.

Die Verarbeitung ist tadellos, das Titan fühlt sich hochwertig an. Aber es ist nicht kratzfest. Nach drei Wochen mit Kettlebell-Training hatte meine Version in Silber feine Kratzer rundum. Wenn dich das stört, trag beim Krafttraining Handschuhe oder nimm den Ring ab. Wasserdicht ist er bis 100 Meter, Duschen und Schwimmen sind kein Problem.

MerkmalOura Ring 4
MaterialTitan, innen und außen
Breite und Dicke7,9 mm breit, 2,88 mm dick
Gewicht3,3 bis 5,2 g je nach Größe
Größen4 bis 15, Größen-Set vor dem Kauf
Sensorenrote, grüne und Infrarot-LEDs, Temperatursensor, Beschleunigungssensor
Akkubis 8 Tage laut Oura, im Test 5,8 bis 7,1 Tage
Wasserdichtbis 100 m
AppiOS und Android, Abo 5,99 € im Monat oder 69,99 € im Jahr
Preis beim Schreibenab rund 210 € (Silber, Schwarz), Sonderfarben teurer

Bleibt der Punkt, über den in jedem Oura-Forum am lautesten gestritten wird.

Silberner Smart Ring auf einer kleinen schwarzen Ladestation neben Frühstück und Kaffee
Sonntagmorgen: Ring aufs Dock, Kaffee, und nach dem Frühstück wieder an den Finger.

Das Abo: die ehrliche Rechnung

Ohne Mitgliedschaft zeigt dir die App im Wesentlichen drei Zahlen: Schlaf, Bereitschaft und Aktivität. Alles, was ich oben beschrieben habe, von den Schlafphasen über die Temperaturkurve bis zum Zyklus, gibt es nur mit Abo. Es kostet 5,99 € im Monat oder 69,99 € im Jahr, der erste Monat ist gratis.

Ich habe das einmal über drei Jahre durchgerechnet, weil das ungefähr die Zeit ist, die ein Akku gut durchhält:

ModellRing3 Jahre AboGesamt
Oura Ring 4 (aktueller Straßenpreis)ca. 210 €209,97 €ca. 420 €
Oura Ring 5 (Silber oder Schwarz)ca. 399 €209,97 €ca. 609 €
Ring ohne Abo (z. B. RingConn Gen 2)ca. 250 bis 300 €0 €ca. 250 bis 300 €

Ringe ohne Abo sind auf drei Jahre also deutlich günstiger. Warum ich trotzdem beim Oura bleibe: Die App ist die beste, die ich bei Smart Ringen gesehen habe. Sie erklärt, statt nur Zahlen zu zeigen, und sie bekommt laufend neue Funktionen. Ob dir das 70 € im Jahr wert ist, kannst du nur selbst entscheiden. Kauf den Ring nicht in der Hoffnung, das Abo später zu kündigen. Ohne ist er nur ein halber Oura.

Ring 4 oder Ring 5: was du jetzt kaufen solltest

Ende Mai hat Oura den Ring 5 vorgestellt. Er ist rund 40 Prozent kleiner: 6,09 mm breit und 2,28 mm dick. Dazu kommen neue Sensoren und ein optionales Ladecase für unterwegs. Der Startpreis liegt bei 399 €, Sonderfarben kosten mehr.

Das ist ein echter Fortschritt, vor allem für schmale Finger. Aber zwei Dinge sprechen für den Ring 4. Erstens bekommt er die neuen Software-Funktionen ebenfalls, Oura liefert sie für alle Ringe ab Generation 3 mit Mitgliedschaft aus. Zweitens ist der Preis gefallen: Silber und Schwarz waren beim Schreiben ab rund 210 € zu haben, also fast die Hälfte.

Nimm den Ring 4, wenndu vor allem Schlaf, Erholung und Zyklus verstehen willst, normale bis kräftige Finger hast und 190 € sparen möchtest.
Nimm den Ring 5, wenndu sehr schmale Finger hast, den Ring auch als Schmuck siehst oder viel reist und das Ladecase willst.

Und wenn du hauptsächlich läufst, radelst oder im Studio trainierst? Dann ist eine Sportuhr mit GPS und Display die bessere Wahl, und ein Ring höchstens die Ergänzung für die Nacht. Welche Modelle wir dafür empfehlen, steht in unseren Testberichten.

Für wen der Oura Ring 4 nichts ist

  • Wer Zahlen zwanghaft kontrolliert: Ein Ring, der jeden Morgen eine Schlafnote gibt, kann Druck machen. Wenn du schon beim Blick auf die Waage schlechte Laune bekommst, sei ehrlich zu dir.
  • Wer kein Abo will: Dann ist ein Ring ohne Mitgliedschaft die bessere Wahl, auch wenn die App dort weniger kann.
  • Wer medizinische Diagnosen erwartet: Der Oura ist ein Wellness-Gerät, kein Medizinprodukt. Bei Verdacht auf Schlafapnoe oder Herzrhythmusstörungen gehört das in die Hände einer Ärztin.

Wie wir Wearables bewerten und warum wir sie immer mehrere Wochen tragen, erklären wir auf der Seite So testen wir.

Nach 62 Nächten: mein Fazit

Der Oura Ring 4 hat mir nichts gezeigt, was ich nicht irgendwie schon geahnt habe. Aber er hat es mir so lange und so deutlich gezeigt, bis ich etwas geändert habe. Das Handy schläft in der Küche, ich gehe eine halbe Stunde früher ins Bett und mein Schlafwert ist um acht Punkte gestiegen.

Zum aktuellen Preis ist der Ring 4 für die meisten Leute die klügere Wahl als der Ring 5. Das Abo bleibt der Haken, und beim Sport ist eine Uhr besser. Und wenn dein eigentliches Problem nicht das Handy, sondern die Unterlage ist: Den Ring habe ich danach meiner Kollegin Gudrun Zschiesche geliehen, und er hat ihren Test der Emma Performance 26 begleitet.

Häufige Fragen zum Oura Ring 4

Funktioniert der Oura Ring 4 ohne Abo?

Ja, aber stark eingeschränkt. Ohne Mitgliedschaft siehst du nur die drei Hauptwerte Schlaf, Bereitschaft und Aktivität. Schlafphasen, Temperaturkurve, Zyklus-Funktionen und die meisten Auswertungen brauchen das Abo für 5,99 € im Monat oder 69,99 € im Jahr.

Wie lange hält der Akku wirklich?

Oura nennt bis zu 8 Tage. In unserem Test mit Größe 7 waren es 5,8 Tage mit Blutsauerstoff-Messung und 7,1 Tage ohne. Größere Ringe halten etwas länger.

An welchem Finger sollte ich den Oura tragen?

Oura empfiehlt den Zeigefinger, Mittel- und Ringfinger funktionieren ebenfalls. Wichtig ist, dass der Ring eng genug sitzt, damit er sich nicht dreht, aber nicht so eng, dass er morgens drückt. Nutze das Größen-Set mindestens einen Tag und eine Nacht lang.

Lohnt sich das Upgrade vom Ring 4 auf den Ring 5?

Für die meisten nicht. Der Ring 5 ist kleiner und hat neue Sensoren, aber die neuen App-Funktionen kommen auch auf den Ring 4. Ein Upgrade lohnt sich vor allem, wenn dich die Größe des Ring 4 stört.