Kärcher WV 6 Plus im Test: Schlierenfreie Fenster in der halben Zeit?

14 Altbaufenster, eine Enkelin mit Nasenabdrücken und eine Stoppuhr. Wie viel Zeit der Kärcher WV 6 Plus wirklich spart und wo du trotzdem zum Tuch greifst.

Mann mit grauem Schnurrbart zieht einen gelben Akku-Fenstersauger über das Wohnzimmerfenster im Altbau, seine kleine Enkelin drückt die Hände an die Scheibe

Es gibt in unserer Wohnung ein Fenster, das meine Frau das Emma-Fenster nennt. Es ist das Wohnzimmerfenster zur Straße, und auf der unteren Hälfte kleben an drei Tagen pro Woche frische Nasen- und Handabdrücke. Unsere Enkelin Emma ist vier, und jede Straßenbahn, die unten vorbeifährt, muss sie aus nächster Nähe begrüßen. Ich habe dieses Fenster früher alle zwei Tage geputzt. Mit Eimer, Abzieher, Tuch, und mit wachsendem Groll.

Ich war 30 Jahre Hausmeister in einer Wohnanlage in Wattenscheid und habe in dieser Zeit mehr Treppenhausfenster abgezogen, als ich zählen will. Unsere eigene Altbauwohnung in Bochum-Ehrenfeld hat 14 Fenster, darunter ein Erker mit drei Flügeln und ein Badfenster mit Sprossen. Der Frühjahrsputz hat mich trotzdem bisher einen ganzen Samstagvormittag gekostet. Deshalb wollte ich wissen, ob der Kärcher WV 6 Plus, der meistverkaufte Fenstersauger der Marke, wirklich hält, was der Karton verspricht. Fünf Wochen, 14 Fenster, eine Duschwand, drei Spiegel und eine Stoppuhr.

Unser Urteil5 Wochen im Altbau
8,4
Sehr gut für große, glatte FlächenKärcher WV 6 Plus, Akku-Fenstersauger
Putzergebnis8,8
Akku9,4
Handhabung8,2
Preis-Leistung8,5
Was uns gefallen hat
  • Alle 14 Fenster in 58 statt 107 Minuten
  • Akku mit Minutenanzeige, nach einem kompletten Putztag noch 41 Minuten übrig
  • Keine Pfützen mehr auf dem Fensterbrett
  • Duschwand in 40 Sekunden trocken
Was besser sein könnte
  • Saugdüse mit 28 cm zu breit für kleine Sprossenfenster
  • Am unteren Rahmen bleibt oft ein schmaler Wasserstreifen
  • Über Kopf und in engen Ecken lässt die Saugkraft nach
  • Laden dauert fast drei Stunden

Unser Urteil: Für große Fenster, Balkontüren und die Dusche spart der WV 6 Plus spürbar Zeit und Nerven. Wunder vollbringt er nicht: Einweichen musst du weiterhin selbst, und kleine Scheiben bleiben Handarbeit. Für die meisten Haushalte ist er trotzdem der vernünftigste Fenstersauger in der Preisklasse um 90 Euro.

Was ein Fenstersauger kann, und was nicht

Viele kaufen einen Fenstersauger in der Hoffnung, er putze das Fenster. Tut er nicht. Er ersetzt nur den letzten Schritt: das Abziehen und Trocknen. Das Einsprühen und Lösen des Schmutzes machst du weiterhin mit der mitgelieferten Sprühflasche und dem Mikrofaserbezug.

Der Trick liegt darin, was danach passiert. Statt dass der Abzieher das Schmutzwasser nach unten schiebt, wo es aufs Fensterbrett tropft und in die Rahmenecken läuft, saugt ein kleiner Motor das Wasser direkt hinter der Gummilippe ab. Es landet in einem 150-ml-Tank. Kein Tropfen auf dem Parkett, kein nasses Tuch, das nach drei Fenstern nur noch verschmiert.

Das klingt nach einer kleinen Sache. Wer aber einmal ein Erkerfenster mit Holzrahmen geputzt und danach die Wasserflecken im Lack gesehen hat, weiß, dass es keine kleine Sache ist.

Der WV 6 Plus im Überblick

Kärcher hat inzwischen eine ganze Familie von Fenstersaugern, vom einfachen WV 2 bis zum WV 7 Signature Line. Der WV 6 Plus ist das Modell, das in den großen Shops am häufigsten verkauft wird. Er hat die Laufzeit der Spitzenmodelle, aber weniger Zubehör.

MerkmalKärcher WV 6 Plus
Akkulaufzeitbis 100 Minuten
Ladezeitca. 170 Minuten
Flächenleistung laut Herstellerbis 300 m² pro Ladung
Breite Saugdüse280 mm
Schmutzwassertank150 ml
Gewicht mit Akkuca. 0,8 kg
Lautstärkeca. 52 dB(A)
AkkuanzeigeDisplay mit Restlaufzeit in Minuten
LieferumfangLadegerät, Sprühflasche mit Mikrofaserbezug, 20 ml Konzentrat
Preisca. 75 bis 100 Euro (Stand der Recherche)

Die 300 Quadratmeter pro Ladung sind ein Laborwert. Das entspricht grob 100 normal großen Fenstern, beidseitig. Ich kam nicht annähernd so weit, aber weit genug, um den Akku im Alltag komplett zu vergessen. Doch der Reihe nach.

Der große Stoppuhr-Test: 107 gegen 58 Minuten

Bevor der Kärcher kam, habe ich im April alle 14 Fenster von innen auf die klassische Art geputzt: Eimer mit Wasser und einem Spritzer Spülmittel, Einwascher, Abzieher, Mikrofasertuch für die Ränder. Meine Frau Renate hat mit dem Handy gestoppt, und ich war ehrlich gesagt schneller, als ich dachte. Die alte Routine aus dem Treppenhaus sitzt eben noch. 1 Stunde und 47 Minuten, Eimerwechsel und das Abwischen der Fensterbretter inklusive.

Drei Wochen später das gleiche Programm mit dem WV 6 Plus: 58 Minuten. Der größte Zeitgewinn kam nicht vom Abziehen selbst, sondern von allem, was wegfiel. Kein Eimer, den ich durch die Wohnung trage. Kein Fensterbrett, das ich trockenwische. Kein Tuch, das ich nach jedem zweiten Fenster auswringe.

  • Große Fensterflügel (Wohnzimmer, Erker): im Schnitt 2 Minuten 40 Sekunden pro Flügel statt 5 Minuten 30
  • Balkontür: 3 Minuten 10 statt 6 Minuten, und kein Wasser auf der Türschwelle
  • Kleines Badfenster mit Sprossen: kein Gewinn, eher Verlust (dazu gleich mehr)

Der Tank musste dreimal geleert werden. Er lässt sich mit einem Handgriff abnehmen und über dem Waschbecken ausgießen. Nach dem ersten Mal habe ich mich über die graue Brühe darin erschrocken, die sonst in meinen Tüchern gelandet wäre.

Hände gießen graues Schmutzwasser aus dem Tank eines Fenstersaugers ins Spülbecken
Nach dem großen Fenstertag: So sah das Wasser aus, das früher in meinen Tüchern gelandet wäre.

Schlieren: wo der WV 6 Plus glänzt, und wo nicht

Auf den großen Flächen war das Ergebnis besser als mit meinem alten Abzieher. Die Gummilippe liegt gleichmäßig an, weil sie leicht beweglich gelagert ist und sich dem Winkel anpasst. Ich musste sie nicht mehr so exakt führen wie früher.

Das Problem sind die Ränder. Am unteren Rahmen bleibt fast immer ein schmaler Streifen Wasser stehen, etwa einen Zentimeter hoch, weil die Düse nicht bis ganz in die Kante kommt. Seitlich passiert das Gleiche, wenn der Rahmen tief ist. Ein trockenes Mikrofasertuch für die Ränder gehört also weiterhin dazu. Bei zwei der Testfenster auf der Südseite, geputzt um die Mittagszeit, gab es trotzdem leichte Schlieren. Da lag es aber am Wasser, das in der Sonne schneller trocknet, als irgendein Gerät es wegsaugen kann.

So vermeidest du SchlierenPutz an einem bewölkten Tag oder auf der Schattenseite. Nimm weniger Reiniger, als du denkst: 10 ml Konzentrat auf die volle Sprühflasche reichen. Zieh die Lippe nach jeder Bahn kurz über ein trockenes Tuch. Und führe den Sauger langsam von oben nach unten, leicht schräg gehalten.

Emmas Abdrücke waren übrigens nie ein Problem, auch nicht die mit Marmeladenfingern. Einsprühen, zehn Sekunden einwirken lassen, eine Bahn. Das Emma-Fenster ist seitdem nach jedem Besuch in 90 Sekunden sauber, und die Straßenbahn sieht sie so klar wie nie.

Die Duschwand: der heimliche Grund, ihn zu kaufen

Nach zwei Wochen habe ich gemerkt, dass ich den WV 6 Plus häufiger im Bad benutze als an den Fenstern. Unsere Dusche hat eine feste Glaswand von 90 Zentimetern, und unser Wasser hinterlässt Kalkflecken, sobald es antrocknet. Früher trocknete es dort einfach, und alle paar Wochen rückte ich mit Essigreiniger gegen die Kalkflecken an.

Jetzt ziehe ich nach dem Duschen einmal mit dem Kärcher über die Wand. Das dauert 40 Sekunden, und das Glas ist trocken, bevor ich mich abgetrocknet habe. Nach fünf Wochen ist die Wand so klar wie am ersten Tag. Das Gleiche gilt für den großen Badspiegel, der nach dem Duschen nicht mehr beschlägt und abtropft, sondern in einer Bahn frei ist.

„Ich dachte, das Ding wäre für die Fenster. Jetzt hängt es im Bad am Haken, und da gehört es auch hin.“ Renate, nach Woche drei
Mann mit Handtuch um den Hals zieht den Fenstersauger über die nasse Glasduschwand
Nach dem Duschen einmal drüber, 40 Sekunden, fertig.

Akku, Lautstärke, Gewicht: die kleinen Dinge im Alltag

Nach dem kompletten Fenstertag zeigte das Display noch 41 Minuten an. Danach habe ich den WV 6 Plus zwei Wochen lang täglich für Dusche und Spiegel benutzt, ohne ihn zu laden. Die Minutenanzeige ist dabei wirklich praktisch. Die alten Modelle hatten nur drei Balken, und man wusste nie, ob es noch für die Balkontür reicht.

Die Ladezeit von knapp drei Stunden ist lang. Im Alltag stört das wenig, weil der Akku ewig hält. Nur wenn du ihn am Putztag leer vorfindest, weil ihn jemand im Bad benutzt hat, ohne es zu sagen, ist der Vormittag gelaufen. Ich spreche aus Erfahrung und nenne keine Namen.

Mit rund 52 dB ist er etwa so laut wie ein leiser Kühlschrank aus der Nähe. Emma fand ihn am ersten Tag unheimlich und am zweiten so spannend, dass sie unbedingt selbst abziehen wollte. Und die 800 Gramm spürt man nach einer Stunde im Handgelenk, mit 63 erst recht, besonders bei den oberen Fensterbereichen, wo du den Arm hoch hältst.

Die Schwachstellen: Sprossen, Ecken und über Kopf

Unser Badfenster hat vier kleine Scheiben mit Sprossen, jede davon 24 Zentimeter breit. Die Saugdüse des WV 6 Plus ist 28 Zentimeter breit. Du siehst das Problem. Hier war ich mit Abzieher und Tuch schneller. Im Treppenhaus der Wohnanlage hätte mir das nie gereicht. Kärcher verkauft eine schmale Düse mit 17 Zentimetern als Zubehör für rund 15 Euro, beim WV 7 Signature Line ist sie direkt dabei.

Über Kopf, etwa bei einem Dachfenster oder einer Glasdecke, funktioniert der Sauger nur eingeschränkt. Das Wasser muss gegen die Schwerkraft in den Tank, und ab einem gewissen Winkel tropft es einfach vorne heraus. Das steht so auch in mehreren Kundenrezensionen, und wir können es bestätigen. Für schräge Dachfenster in 45 Grad ging es noch gut, für waagerechte Flächen nicht.

Die Außenseite der Fenster hängt am Ende an dir, nicht am Gerät. Wenn du sicher rauskommst, putzt der WV 6 Plus draußen genauso gut. Bei unseren Altbaufenstern im dritten Stock habe ich das nur bei den Flügeln gemacht, die sich nach innen drehen lassen. Beim Rest bleibt es beim Fensterputzer, der zweimal im Jahr kommt.

Fenstersauger an einem kleinen Sprossenfenster im Bad, die Düse ist breiter als die Scheibe
Unser Badfenster mit Sprossen: Hier ist die Düse einfach zu breit.

Pflege: damit er auch im dritten Jahr noch sauber abzieht

Der WV 6 Plus braucht wenig Pflege, aber die richtige. Den Tank leerst du nach jedem Einsatz aus und spülst ihn kurz mit klarem Wasser nach. Wer das vergisst, merkt es nach ein paar Tagen an einem muffigen Geruch, ich habe es in Woche zwei ausprobiert, unfreiwillig. Der Tank lässt sich mit einem Griff abnehmen, das Gerät selbst gehört nie unter den Wasserhahn.

Die Gummilippe ist das Verschleißteil. Wisch sie nach dem Putzen mit einem feuchten Tuch ab, damit kein Sand darauf trocknet. Ein einziges Sandkorn aus dem Fensterrahmen reicht, um einen feinen Streifen über jede Scheibe zu ziehen. Im Winter solltest du den Sauger nicht im kalten Keller lagern, weil Akku und Gummi bei Frost leiden. Das habe ich als Hausmeister bei mehr als einem Gerät erlebt. Bei uns hängt er an einem Haken im Bad, geladen wird er alle zwei Wochen.

WV 6 Plus, WV 7 oder etwas ganz anderes?

Der WV 7 Signature Line hat dieselbe Laufzeit, denselben Tank und dieselbe Saugleistung. Du bekommst die schmale Düse, einen zweiten Bezug, einen Schmutzschaber und eine Aufbewahrungsbox. Er kostet meist 30 bis 40 Euro mehr. Wenn du viele Sprossenfenster oder Vitrinen hast, lohnt sich das. Wenn nicht, kaufst du im Zweifel die schmale Düse einzeln.

  • Kärcher WV 2 oder WV 5: günstiger, kürzere Laufzeit, keine Minutenanzeige. Für kleine Wohnungen mit wenigen Fenstern völlig ausreichend.
  • Leifheit Dry & Clean: die bekannteste Alternative, oft günstiger. Im direkten Vergleich wirkt der Kärcher etwas robuster und läuft länger.
  • Fensterputzroboter: klingen verlockend, sind aber langsam, brauchen eine Sicherungsleine und kommen mit Rahmen und Sprossen noch schlechter klar.

Welche Haushaltshelfer wir nach unseren Tests insgesamt empfehlen, siehst du in unseren Testberichten. Und wenn du wissen willst, warum wir mit Stoppuhr und nicht nach Gefühl bewerten, lies unsere Seite So testen wir.

Für wen sich der WV 6 Plus lohnt

Lohnt sich, wenndu große Fenster, bodentiefe Scheiben oder Balkontüren hast, eine Glasdusche kalkfrei halten willst oder Haustiere und Kinder regelmäßig Abdrücke hinterlassen.
Eher nicht, wenndeine Wohnung vor allem kleine Sprossenfenster hat, du vor allem Dachfenster putzt oder nur zweimal im Jahr zum Fensterputzen kommst.

Mein Fazit nach fünf Wochen

Der Kärcher WV 6 Plus hat mir beim großen Fensterputz 49 Minuten geschenkt und im Bad eine lästige Kalkroutine abgenommen. Er macht kein Fenster von allein sauber, er hat Schwächen an Rändern und kleinen Scheiben, und die Ladezeit ist altmodisch lang. Aber er hat etwas geändert, das ich nicht erwartet hatte: Ich putze die Fenster jetzt, wenn sie schmutzig sind, und nicht, wenn ich es nicht mehr aushalte.

Das Emma-Fenster ist trotzdem nach jedem Besuch wieder voller Abdrücke. Manche Probleme löst kein Gerät, und bei diesem will ich das auch gar nicht. Wer statt Enkeln Katzen hat, die ihre Nase an die Scheibe drücken, kennt noch ein ganz anderes Putzthema: Wie sich die Katzen meiner Kollegin Ilona Mühlenkamp mit einem selbstreinigenden Katzenklo angefreundet haben, liest du in ihrem Test.

Häufige Fragen

Muss ich beim Kärcher Fenstersauger vorher einsprühen?

Ja. Der Sauger saugt nur das Wasser ab. Den Schmutz löst du vorher mit der Sprühflasche und dem Mikrofaserbezug. Bei leicht verschmutzten Scheiben reicht Wasser mit ein paar Tropfen Reiniger.

Welcher Reiniger ist für den WV 6 Plus geeignet?

Das mitgelieferte Kärcher-Konzentrat funktioniert gut, aber jeder schaumarme Glasreiniger geht auch. Vermeide stark schäumende Mittel und normales Spülmittel in großer Menge, der Schaum gelangt sonst in den Motorbereich.

Kann ich den Fenstersauger auch für Fliesen und Spiegel nutzen?

Ja, alle glatten Flächen gehen: Spiegel, Duschwände, glatte Fliesen, Glastische. Auf strukturierten Fliesen oder rauen Fugen saugt er schlechter, weil die Lippe dort nicht dicht anliegt.

Wie lange hält die Gummilippe?

Bei normaler Nutzung laut Kundenberichten ein bis zwei Jahre. Ersatzlippen kosten rund 10 Euro und sind in Sekunden gewechselt. Nach fünf Wochen täglicher Nutzung sah unsere noch wie neu aus.