4,1 Zentimeter. So hoch ist die Stufe vom Wohnzimmer in unseren Erker, gemessen mit meinem alten Zollstock aus der Hausmeisterzeit. Dazu kommt davor eine Messingschiene, die nochmal knapp einen Zentimeter aufträgt. Zwei Saugroboter haben an dieser Kante schon aufgegeben. Der eine hat sich festgefahren, der andere hat sie einfach ignoriert und den Erker nie gesehen.
Der Dreame X50 Ultra Complete wirbt damit, dass er mit zwei ausklappbaren Hilfsrädern Hindernisse bis 6 Zentimeter hochklettert. Er kam im Frühjahr 2025 für 1.499 Euro auf den Markt. Heute gibt es ihn schon ab rund 720 Euro, weil Dreame mit der X60-Reihe den Nachfolger bringt. Genau das macht ihn interessant: ein Flaggschiff vom letzten Jahr zum halben Preis. Ob er sein Geld wert ist, habe ich vier Wochen lang in unserer Wohnung in Bochum-Ehrenfeld ausprobiert. 31 Reinigungen, alle mit Uhrzeit und Notizen in einem Heft, das Renate inzwischen „das Protokoll“ nennt.
Dreame X50 Ultra Complete, Weiß
Saug- und Wischroboter mit Kletterhilfe, absenkbarem Laserturm und Station, die Mopps mit heißem Wasser wäscht. Stark auf Hartboden, schwächer auf losen Teppichen.
- Klettert Stufen, an denen andere Roboter scheitern
- Laserturm fährt ein, passt unter 9 cm hohe Möbel
- Mopps werden mit heißem Wasser gewaschen und getrocknet
- Kaum Haare in der Bürste, auch lange nicht
- Schiebt leichte Läufer zusammen
- Station braucht viel Platz
- Absaugen der Station mit 71 dB laut
- Fährt den Turm nicht überall ab, wo er könnte
Unser Fazit: Für Wohnungen mit Schwellen, Stufen und niedrigen Möbeln ist der X50 Ultra Complete zum aktuellen Preis einer der vernünftigsten Käufe im oberen Regal. Wer viele lose Teppiche hat, sollte vorher Klebeband kaufen oder weiterlesen.
Warum ein Modell vom letzten Jahr
Bei Saugrobotern gilt eine alte Hausmeisterregel: Das neue Modell kostet am meisten, das alte funktioniert meistens genauso. Der X50 Ultra Complete war 2025 das Spitzenmodell von Dreame. Inzwischen verkauft Dreame in Deutschland den X60 Pro Ultra Complete für 1.499 Euro. Der hat mehr Saugkraft auf dem Papier und klettert noch höher, aber er kostet eben auch doppelt so viel.
Laut Geizhals lag der tiefste Preis für den X50 bisher bei 699 Euro, im Moment startet er bei 724 Euro. Im Dreame-Shop steht er noch mit 999 Euro. Die Unterschiede zwischen den Händlern sind also groß, und du solltest vor dem Kauf zwei Minuten vergleichen. Aber zuerst die Frage: Was bekommst du für das Geld?
Die Kurzfassung: 20.000 Pascal Saugkraft, zwei gummierte Hauptbürsten gegen Haarwickel, eine Seitenbürste und einen Wischmopp, die an den Rändern ausfahren, einen Laserturm, der sich auf 8,9 Zentimeter absenkt, und die Kletterhilfe, die Dreame ProLeap nennt. Die Station saugt den Staub in einen Beutel mit 3,2 Litern, füllt den Frischwassertank mit 4,5 Litern nach und wäscht die Mopps mit 80 Grad heißem Wasser. Auf dem Papier klingt das beeindruckend. In unserer Wohnung klang es zuerst nach Umräumen.
Wohin mit der Station?
Die Station ist 34 Zentimeter breit, 59 Zentimeter hoch und knapp 46 Zentimeter tief. Dazu braucht sie vorn Platz für die Rampe und seitlich etwas Luft. In einem Altbau mit Stuck und Dielen sind die Nischen dafür rar. Wir haben sie im Flur neben den Schuhschrank gestellt, weil dort eine Steckdose ist und der Roboter von da aus alle Zimmer erreicht.
Renate hat sich die Station drei Tage lang angeschaut und dann gesagt, dass sie aussieht wie ein kleiner Kühlschrank mit Goldgürtel. Das stimmt. Die weiße Front mit dem gebürsteten Metallstreifen ist schicker als die schwarzen Kästen, die ich kenne, aber verschwinden tut sie nicht. Wenn du keinen Flur mit etwas Platz hast, plane das ein.
Das Einrichten ging schnell. App installieren, WLAN, Karte fahren lassen. Die erste Erkundung unserer 78 Quadratmeter dauerte 14 Minuten, danach standen alle fünf Räume korrekt in der Karte. Nur den Erker hat er in der ersten Runde nicht gefunden. Also habe ich den Zollstock wieder geholt.
Schwellen, Stufen und der Erker
Unsere Wohnung hat vier Hindernisse, die jeder Roboter schaffen muss: die Schwelle zur Küche mit 1,8 Zentimetern, die zum Bad mit 2,4 Zentimetern, die Balkontür, über die er nicht soll, und die Erkerstufe mit gut 5 Zentimetern samt Schiene. Die ersten beiden hat der X50 in 31 Reinigungen jedes Mal genommen, ohne Anlauf, ohne Hängenbleiben.
Beim Erker wird es spannend. ProLeap funktioniert so: Der Roboter fährt vor die Kante, klappt hinten zwei kleine Stützräder aus, hebt sich an und zieht sich in zwei Schritten hoch. Dreame gibt 4,2 Zentimeter für eine einzelne Stufe an und bis 6 Zentimeter, wenn die Stufe aus zwei Absätzen besteht, so wie unsere mit der Schiene davor. Von 20 Versuchen hat er es 17 Mal geschafft. Dreimal hat er abgebrochen, den Erker umfahren und in der App „Hindernis“ gemeldet. Das ist keine Schande, das ist Physik bei 4,5 Kilo Roboter.

Was mich mehr beeindruckt hat, war das Sofa. Unser Sofa hat 9,5 Zentimeter Bodenfreiheit. Mit ausgefahrenem Laserturm ist der X50 über 10 Zentimeter hoch und passt nicht drunter. Er erkennt das aber und fährt den Turm auf 8,9 Zentimeter ein, dann rollt er hinein. Darunter lagen nach dem ersten Durchgang drei Duplo-Steine, ein Haargummi und ein Stück Zwieback, das ich lieber nicht datiert habe.

„Opa, der hat sich geduckt!“ Emma, 4, beim ersten Mal unter dem Sofa
Nicht immer fährt er den Turm ab, wo er könnte. Unter dem Sideboard im Schlafzimmer mit 9,2 Zentimetern hat er in der ersten Woche jedes Mal kehrtgemacht. Erst nachdem ich in der App den Bereich als „niedrige Möbel“ markiert habe, fuhr er rein. Kleine Nachhilfe, großer Unterschied. Und dann ging es ans eigentliche Putzen.
Saugen: Krümel, Kaffeesatz und lange Haare
Auf Dielen und Fliesen saugt der X50 hervorragend. Mein Standardtest ist eine Mischung aus Haferflocken, Kaffeesatz und Sand auf einem Quadratmeter Dielen in der Küche. Nach einer Überfahrt im Standardmodus lag der Rest bei 2 Gramm von 50. Die Fugen zwischen den alten Dielen waren danach sauberer als nach meinem Handstaubsauger.
Die Hauptbürste besteht aus zwei gummierten Walzen, die gegeneinander laufen. Dreame sagt, dass sich Haare bis 30 Zentimeter nicht aufwickeln. Wir haben das mit Renates Bürstenausbeute einer Woche getestet. Nach vier Wochen fand ich in der Bürste genau zwei Haare, beide um die Achse an der Seite gewickelt. Bei meinem alten Roboter musste ich jede Woche mit der Schere ran.
Bei Duplo und Kleinkram war er vorsichtig. Von 20 Spielsachen, die Emma im Wohnzimmer verteilt hatte, hat er 17 umfahren und zwei ein Stück geschoben. Eine kleine Lego-Figur landete im Staubbeutel. Emma hat sie nach dem Leeren der Station in einem Beutel voller Staub wiedergefunden und war stolz wie nach einer Schatzsuche. Weniger stolz war ich im Flur.
Teppich: die Schwachstelle
Im Flur liegt ein schmaler Läufer, 70 mal 200 Zentimeter, leicht und ohne Gummirücken. Der X50 fährt mit seinen Kletterrädern gern auf Kanten zu, und genau das hat den Läufer in der ersten Woche viermal zusammengeschoben. Einmal lag er am Ende als Wurst vor der Station. Dreame hebt die Mopps beim Teppich zwar bis zu 10,5 Millimeter an, aber gegen einen rutschenden Läufer hilft das nicht.
Die Lösung kostete 6 Euro: Antirutsch-Unterlage aus dem Baumarkt. Danach blieb der Läufer liegen. Auf dem Wohnzimmerteppich mit kurzem Flor hat der X50 kräftig gesaugt und die Teppichkanten sauber gezogen. Hochflor haben wir nicht. Andere Tests berichten, dass er dort Fasern niederdrückt. Wenn du also lose Teppiche hast, plane die Unterlage gleich mit ein. Auf Hartboden kommt dann der Teil, der die Station rechtfertigt.
Wischen: 80 Grad und feuchte Dielen
Unsere Dielen sind geölt und über hundert Jahre alt. Zu viel Wasser vertragen sie nicht. Die App erlaubt es, die Feuchtigkeit in 32 Stufen einzustellen. Wir haben für Dielen Stufe 12 genommen und für Küche und Bad Stufe 22. Nach dem Wischen waren die Dielen nach etwa fünf Minuten trocken, ohne Flecken und ohne dunkle Ränder.
Den Kaffeefleck-Test mache ich seit Jahren gleich: ein Teelöffel Kaffee mit Milch, eine Stunde antrocknen lassen, dann Wischen im Standardmodus. Der X50 hat den Fleck mit zwei Überfahrten komplett entfernt. Ein angetrockneter Ketchupklecks von Emma brauchte drei. An den Wänden fährt der Mopp seitlich aus und wischt bis knapp an die Fußleiste, in Ecken bleibt ein Dreieck von etwa zwei Zentimetern.

Nach dem Wischen fährt der Roboter zurück, die Station wäscht die Mopps mit heißem Wasser und trocknet sie mit warmer Luft. Der Trocknungsvorgang lief bei uns standardmäßig drei Stunden. Danach roch nichts, auch nicht nach vier Wochen. Den Schmutzwassertank habe ich alle vier bis fünf Reinigungen geleert, den Frischwassertank genauso oft aufgefüllt. Wie wir Flecken, Krümel und Lautstärke immer gleich messen, beschreiben wir auf So testen wir.
Akku, Lautstärke und die Zahlen
Eine komplette Reinigung mit Saugen und Wischen für unsere 78 Quadratmeter dauerte im Schnitt 94 Minuten, inklusive zwei Zwischenstopps zum Mopp-Waschen. Der Akku lag danach bei 38 Prozent. Im Standardmodus habe ich 59 dB in einem Meter gemessen, im stärksten Modus 70 dB. Am lautesten ist die Station, wenn sie den Behälter leer saugt: 12 Sekunden lang 71 dB. Das hört man bis ins Treppenhaus, also lieber nicht um 6 Uhr morgens.
| Merkmal | Dreame X50 Ultra Complete |
|---|---|
| Saugkraft | 20.000 Pa |
| Klettern (Herstellerangabe) | 4,2 cm einstufig, bis 6 cm zweistufig |
| Höhe Roboter mit eingefahrenem Turm | 8,9 cm |
| Station (B x H x T) | 34 x 59 x 45,7 cm |
| Staubbeutel / Frischwasser / Schmutzwasser | 3,2 l / 4,5 l / 4,0 l |
| Mopp-Wäsche | 80 °C, danach Warmlufttrocknung |
| 78 m² Saugen und Wischen (unsere Messung) | 94 Min., Akku danach 38 % |
| Lautstärke Standard / Station (unsere Messung, 1 m) | 59 dB / 71 dB |
| Erkerstufe 5 cm mit Schiene (unser Test) | 17 von 20 Versuchen geschafft |
Black Friday und Weihnachten: warten oder zugreifen?
Saugroboter gehören am Black Friday zu den Geräten mit den größten Rabatten, vor allem Vorjahresmodelle. In den USA hat Dreame den X50 Ultra Complete im November 2025 um 700 Dollar günstiger verkauft. Für Deutschland haben wir keine verlässliche Zahl vom letzten Black Friday gefunden, und wir erfinden keine. Was wir haben: Laut Geizhals lag der tiefste Preis bisher bei 699 Euro, im September 2026 geht es bei 724 Euro los.
Als Geschenk ist ein Saugroboter für ältere Eltern oder Leute mit Rückenproblemen oft sinnvoller als jeder Pullover. Renate hat gesagt, das sei das erste Gerät, bei dem sie nichts tun muss, außer sich zu freuen. Leg Ersatzbeutel und eine Antirutschunterlage für Läufer dazu, dann gibt es an Heiligabend keine Enttäuschung. Und richte die App vorher ein, wenn die Beschenkten nicht gern mit dem Handy hantieren.
Wichtig bei einem Gerät für mehrere hundert Euro: Heb den Karton bis Ende Januar auf. Online gekauft darfst du 14 Tage lang zurücktreten, und rund um Weihnachten sind viele Shops großzügiger. Amazon hat Geschenke aus dem Dezember in der Vergangenheit bis in den späten Januar zurückgenommen. Zwei Jahre Gewährleistung hast du vom Gesetz her sowieso. Kaufst du bei einem Marktplatzhändler, prüf vorher, ob er in Deutschland sitzt. Ob deine Wohnung zu ihm passt, zeigt die Gegenüberstellung hier.
Für wen er passt und für wen nicht
Die Alternativen
- Roborock Saros 20: Noch flacher, sehr stark beim Saugen, beim Wischen schwächer. Um 1.000 Euro. Heike hat ihn in ihrem Leipziger Altbau getestet, alles steht im Test des Saros 20.
- Dreame X60 Pro Ultra Complete: Der Nachfolger mit mehr Saugkraft und Kletterhilfe bis 10 Zentimeter. Kostet mit 1.499 Euro etwa das Doppelte. Nur sinnvoll, wenn du wirklich hohe Stufen hast.
- Dyson V16 Piston Animal: Kein Roboter, sondern ein Akkusauger, falls du lieber selbst saugst. Im Handel oft um 700 Euro. Unser Test des V16 zeigt, was er gegen Katzenhaare kann.
Wer noch mehr über Sauger, Wischer und Fensterputzer lesen will, schaut in die Testberichte.
Mein Urteil nach 31 Reinigungen
Der X50 Ultra Complete ist ein Roboter für Wohnungen, wie ich sie mein Leben lang betreut habe: alt, verwinkelt, mit Kanten an Stellen, an die kein Prospekt denkt. Er klettert, er duckt sich, er wischt sauber und wäscht seine Mopps selbst heiß. Seine Schwäche sind leichte Teppiche, und die kostet dich eine Antirutschmatte.
Zum Preis unter 750 Euro ist er für mich die bessere Wahl als die meisten neuen Modelle. Den Erker schafft er übrigens inzwischen jeden Morgen. Emma hat an der Stufe einen kleinen Stoffbären als Zuschauer platziert. Der Roboter umfährt ihn jedes Mal höflich. Renate sagt, das sei mehr Anstand, als sie von manchem Nachbarn im Haus kennt.
Häufige Fragen zum Dreame X50 Ultra Complete
Wie hohe Schwellen schafft der Dreame X50 Ultra?
Laut Dreame 4,2 Zentimeter bei einer einzelnen Stufe und bis 6 Zentimeter bei zwei Absätzen. In unserem Altbau hat er Schwellen mit 1,8 und 2,4 Zentimetern immer geschafft und eine gut 5 Zentimeter hohe Erkerstufe mit Schiene in 17 von 20 Versuchen.
Was ist der Unterschied zwischen X50 Ultra und X50 Ultra Complete?
„Complete“ bezeichnet in Deutschland das Paket mit Station, die absaugt, Wasser nachfüllt, Mopps heiß wäscht und trocknet, plus Zubehör. Vergleiche vor dem Kauf genau, was im Karton liegt, denn Händler verkaufen teils Varianten mit weniger Zubehör.
Passt der Dreame X50 unter das Sofa?
Mit eingefahrenem Laserturm ist er 8,9 Zentimeter hoch. Bei uns passte er unter ein Sofa mit 9,5 Zentimetern Bodenfreiheit. Unter einem Sideboard mit 9,2 Zentimetern fuhr er erst, nachdem wir den Bereich in der App markiert hatten.
Lohnt sich der X60 statt des X50?
Nur wenn du Stufen über 6 Zentimeter hast oder unbedingt das neueste Modell willst. Der X60 Pro Ultra Complete kostet rund 1.499 Euro, der X50 Ultra Complete ab etwa 724 Euro. Im normalen Alltag war der X50 bei uns mehr als stark genug.
Wie laut ist der Dreame X50 Ultra?
Wir haben im Standardmodus 59 dB in einem Meter gemessen, im stärksten Modus 70 dB. Am lautesten war mit 71 dB die Station beim Leersaugen, dauert aber nur rund 12 Sekunden.
