De'Longhi Magnifica Evo im Test: Wie gut ist der Bestseller nach 318 Tassen?

318 Tassen in sechs Wochen, jede notiert. Was der meistverkaufte De'Longhi-Vollautomat bei Espresso und Milchschaum kann und wo er dich nervt.

Testerin mit Lesebrille im Haar schaut frühmorgens zu, wie der Kaffeevollautomat einen Cappuccino in die Tasse laufen lässt, daneben das karierte Heft

318 Tassen. So viele hat die De'Longhi Magnifica Evo in sechs Wochen bei uns gemacht, und jede einzelne steht in einem kleinen karierten Heft neben der Maschine. Uhrzeit, Getränk, Bohnenstärke, eine Note von 1 bis 5. Mein Mann Jürgen hält das für übertrieben. Er hat trotzdem jeden Morgen um 5:40 Uhr brav eingetragen, bevor er zur Frühschicht ging.

Warum so penibel? Weil ich als Köchin jahrelang morgens an einem Siebträger im Restaurant stand. Mein damaliger Chef hat jeden Espresso zurückgehen lassen, dessen Crema nach einer halben Minute zusammengefallen war. So etwas prägt. Und weil die Magnifica Evo in Deutschland zu den meistverkauften Vollautomaten überhaupt gehört, wollte ich wissen: Ist sie beliebt, weil sie gut ist, oder nur, weil sie günstig ist?

Unser Urteil6 Wochen, 318 Tassen

De'Longhi Magnifica Evo ECAM290.61.B

Einfacher Vollautomat mit Milchkaraffe. Richtig guter Espresso, ordentlicher Cappuccino, wenig Schnickschnack.

8,4
Sehr gut in ihrer PreisklassePreis beim Schreiben: etwa 350 bis 420 € im Handel
Espresso8,8
Milchschaum8,0
Bedienung8,4
Preis/Leistung9,2
Das hat uns gefallen
  • Kräftiger, schokoladiger Espresso mit stabiler Crema
  • Milchkaraffe spült sich per Drehknopf selbst
  • Brühgruppe herausnehmbar und unter dem Wasserhahn zu reinigen
  • Für den Preis sehr solide verarbeitet
Das könnte besser sein
  • Die Taste „Kaffee“ liefert eine etwas bittere Tasse
  • Kein Display, Einstellungen per Tastenkombination
  • Hohe Latte-Gläser passen nicht unter den Auslauf
  • Tropfschale und Tresterbehälter klein

Unser Fazit: Für Espresso- und Cappuccino-Trinker, die keine App und kein Farbdisplay brauchen, ist die Magnifica Evo die vernünftigste Wahl unter 500 Euro. Wer oft Latte Macchiato im hohen Glas trinkt oder mehrere Profile will, sollte eine Klasse höher schauen.

Welche Magnifica Evo das eigentlich ist

Die Modellnamen bei De'Longhi sind ein kleines Labyrinth. „Magnifica Evo“ gibt es in mehreren Varianten, die sich in den Ziffern hinter ECAM290 unterscheiden. Die einfachste hat nur eine Dampflanze. Die Variante mit Karaffe, die wir getestet haben, heißt ECAM290.61.B und ist die, die du in den Bestsellerlisten der großen Händler am häufigsten siehst. Daneben gibt es die „Evo Milk“ mit schlauchlosem Milchsystem, die rund 100 Euro mehr kostet.

Die 290.61 hat fünf Direktwahltasten: Espresso, Kaffee, Cappuccino, My Latte und Heißwasser. Bei My Latte legst du dein eigenes Milchgetränk fest, also Milchmenge, Kaffeemenge und Stärke. Stiftung Warentest hat genau dieses Modell Ende 2023 mit „gut“ (1,9) bewertet, das österreichische Magazin Konsument kürte es zum Preis-Leistungs-Tipp.

Soweit die Theorie. In der Praxis beginnt jeder Vollautomat mit derselben Aufgabe: ihn richtig einzustellen.

Tasse 1 bis 40: die Einstellphase

Ab Werk steht das Kegelmahlwerk auf einer mittleren Stufe. Von 13 möglichen. Mit unserer Hausbohne, einem mittel gerösteten Espresso aus einer kleinen Rösterei in Hamburg, lief der Espresso damit in 14 Sekunden durch. Viel zu schnell. Das Ergebnis war dünn und sauer.

Ich habe das Mahlwerk in drei Schritten feiner gestellt, immer nur während des Mahlens, wie es die Anleitung verlangt. Wichtig: Der Effekt zeigt sich erst nach zwei bis drei Tassen, weil noch altes Pulver im Weg liegt. Bei Stufe 3 war ich zufrieden. 25 Sekunden Durchlauf, 40 Milliliter in der Tasse, eine haselnussbraune Crema, die auf meiner Stoppuhr 2 Minuten und 10 Sekunden stand. Mein alter Chef hätte genickt.

Hand dreht den Mahlgradregler im Bohnenbehälter eines schwarzen Kaffeevollautomaten
Mahlwerk feiner stellen, immer nur während es mahlt.
Der Trick, den wir allen empfehlenStell das Mahlwerk nur um eine Stufe auf einmal um, und immer während das Mahlwerk läuft. Dann trink zwei Tassen, bevor du wieder drehst. Wer ungeduldig drei Stufen auf einmal springt, landet fast immer bei einem bitteren, überextrahierten Espresso und gibt der Maschine die Schuld.

Auch die Wasserhärte gehört ganz an den Anfang. Der beiliegende Teststreifen zeigte bei uns Stufe 3. Die Maschine rechnet damit aus, wann sie entkalkt werden will. Wer diesen Schritt überspringt, bekommt die Meldung zu spät, und Kalk ist der häufigste Grund, warum Vollautomaten nach zwei Jahren schlechter schmecken.

Tasse 41 bis 200: der Alltag mit Espresso und Kaffee

Beim Espresso ist die Magnifica Evo stark. Er schmeckt nach dunkler Schokolade und etwas Nuss, ohne harte Bitterkeit, und bleibt über Wochen gleichmäßig. In meinem Heft stehen 96 Espressi mit einer Durchschnittsnote von 4,3. Für eine Maschine in dieser Preisklasse ist das ein sehr gutes Ergebnis.

Die Taste „Kaffee“ hat mich dagegen enttäuscht. Sie presst mehr Wasser durch das gleiche Pulver und liefert eine Tasse, die leicht bitter und etwas holzig schmeckt. Durchschnittsnote 2,9. Jürgen, der morgens eine große Tasse will, war nicht glücklich.

„Schmeckt wie Kantinenkaffee, nur schneller.“ Jürgen, Tasse 57, 5:42 Uhr

Die Lösung war simpel: Espresso auf die Tasse, danach Heißwasser über die eigene Taste dazu. Ein Americano, wenn du so willst. Die Note stieg auf 4,1, und Jürgen trägt seitdem freiwillig „Americano“ ins Heft ein, mit Ausrufezeichen. Das ist der einzige Umweg, den du bei dieser Maschine kennen musst.

Ein Wort zur Lautstärke, weil sie morgens um 5:40 Uhr eine Rolle spielt. Das Mahlwerk erreichte in einem Meter Abstand 71 dB, etwa so laut wie ein Föhn auf kleiner Stufe. Es läuft aber nur rund zwölf Sekunden. Unsere Küche liegt direkt neben dem Schlafzimmer, und ich bin in sechs Wochen genau zweimal davon aufgewacht. Beide Male hatte Jürgen vergessen, die Küchentür zu schließen. Die Aufheizzeit nach dem Einschalten lag bei 42 Sekunden inklusive der kurzen Spülung, die du mit einer Tasse unter dem Auslauf auffangen solltest.

Die Temperatur haben wir mit einem Küchenthermometer direkt nach dem Bezug gemessen: 67 °C beim Espresso in einer vorgewärmten Tasse, 61 °C in einer kalten. Die Maschine hat drei Temperaturstufen. Wir haben die höchste eingestellt und würden das allen empfehlen, die ihre Tassen nicht vorwärmen. Genug Schwarzes, jetzt zur Milch.

Tasse 201 bis 318: Cappuccino und Milchschaum

Die Karaffe heißt LatteCrema. Du füllst Milch ein, steckst sie vorn an die Maschine und drückst Cappuccino oder My Latte. Die Maschine saugt die Milch an, schäumt sie auf und gibt danach den Espresso dazu. Für einen Cappuccino brauchte die Evo bei uns 58 Sekunden.

Der Schaum ist feinporig und cremig, eher wie aus einem guten Café als wie aus der Sprühdose. Er ist nicht so fest, dass du Latte Art machen kannst, aber er hält. Die Milchtemperatur im fertigen Cappuccino lag bei 62 °C. Das ist angenehm zum sofort Trinken, für manche aber zu kühl. Mit kalter Vollmilch direkt aus dem Kühlschrank war der Schaum am besten, Haferdrink Barista-Edition klappte fast genauso gut.

Zwei Dinge haben mich gestört. Unser Latte-Macchiato-Glas ist 15 Zentimeter hoch und passte nicht unter den Auslauf. Ich musste es schräg halten, was bei heißer Milch keinen Spaß macht. Und es gibt keinen doppelten Cappuccino auf Knopfdruck. Wer morgens zwei Milchgetränke braucht, steht zweimal an der Maschine.

Frau hält ein hohes Latte-Macchiato-Glas schräg unter den Auslauf, daneben die Milchkaraffe
15 Zentimeter Glas, zu hoch für den Auslauf. Also schräg halten.

Das Gute dafür: Nach jedem Milchgetränk drehst du den Knopf an der Karaffe auf „Clean“, und die Maschine spült den Milchweg mit heißem Dampf. Die Karaffe kommt dann einfach in den Kühlschrank. Einmal am Tag wandert sie in die Spülmaschine. Damit sind wir beim Thema, das über die Lebensdauer entscheidet.

Pflege: fünf Minuten pro Woche

Die Brühgruppe lässt sich seitlich herausnehmen. Das ist bei De'Longhi Standard und ein echter Vorteil gegenüber Maschinen mit fest verbauter Einheit. Einmal pro Woche habe ich sie unter lauwarmem Wasser abgespült und an der Luft trocknen lassen. Kein Spülmittel, keine Spülmaschine. Nach sechs Wochen sah sie noch aus wie neu.

Brühgruppe des Kaffeevollautomaten wird in der Spüle unter dem Wasserhahn abgespült
Einmal pro Woche unter den Hahn, ganz ohne Spülmittel.

Weniger schön: Die Tropfschale und der Tresterbehälter sind klein. Nach etwa 14 Kaffees will der Trester raus, und die Tropfschale war bei uns alle zwei Tage voll, weil die Maschine beim Ein- und Ausschalten spült. Die Schale hat viele Ecken, in denen sich Kaffeereste sammeln. Ein Fall für die Spülbürste.

Entkalkt haben wir einmal, nach etwa 260 Bezügen, als die Maschine es verlangte. Der Vorgang dauerte 26 Minuten und brauchte eine Flasche Entkalker. Wer einen Wasserfilter einsetzt, schiebt das deutlich hinaus.

Was dich eine Tasse wirklich kostet

Das ist der Teil, den ich jedem vor dem Kauf zeige. Wir haben mit Preisen gerechnet, die du im Supermarkt oder bei einer Rösterei bezahlst.

GetränkZutatenKosten pro Tasse
Espresso9 g Bohnen (16 €/kg)ca. 0,15 €
Americano9 g Bohnen plus Heißwasserca. 0,15 €
Cappuccino9 g Bohnen, 120 ml Vollmilchca. 0,28 €
Zum Vergleich: Kapseleine Markenkapselca. 0,40 bis 0,50 €
Zum Vergleich: BäckereiCappuccino to goca. 3,20 €

Bei zwei Cappuccini am Tag hat sich die Maschine gegenüber dem Bäcker nach gut zwei Monaten bezahlt gemacht. Gegenüber Kapseln dauert es etwa eineinhalb Jahre. Das Rechnen ist übrigens ansteckend: Seit ich die Tabelle an den Kühlschrank geklebt habe, holt Lea sich keinen Coffee to go mehr auf dem Weg zur Uni.

Technische Daten

MerkmalMagnifica Evo ECAM290.61.B
DirektwahlEspresso, Kaffee, Cappuccino, My Latte, Heißwasser
MilchsystemLatteCrema-Karaffe, spülmaschinenfest
MahlwerkKegelmahlwerk aus Stahl, 13 Stufen
Wassertank1,8 Liter
Bohnenbehälterca. 250 g
Pumpendruck / Leistung15 bar / 1.450 W
Maße (B x T x H) / Gewicht24 x 44 x 36 cm / 9,6 kg
Lautstärke Mahlwerk (unsere Messung, 1 m)71 dB

Mit 24 Zentimetern Breite passt sie auch in schmale Küchennischen. Die 44 Zentimeter Tiefe solltest du aber nachmessen, denn der Wassertank wird von vorn entnommen und die Karaffe steht vorn über. Wie wir Lautstärke, Temperatur und Geschmack erfassen, beschreiben wir auf unserer Seite So testen wir.

Für wen sie passt und für wen nicht

Für dich, wenndu vor allem Espresso, Americano und Cappuccino trinkst, eine einfache Bedienung ohne App willst, eine schmale Küchennische hast und unter 450 Euro bleiben möchtest.
Eher nicht, wenndu täglich Latte Macchiato im hohen Glas trinkst, für mehrere Personen mit eigenen Vorlieben Profile brauchst, gern kalte Kaffeegetränke machst oder große Filterkaffee-Tassen am Stück willst.

Die Alternativen

  • De'Longhi Eletta Explore: Seit dem Update im Juli 2026 einer der Testsieger bei Stiftung Warentest. Farbdisplay, über 30 Getränke, auch kalte Varianten mit Cold-Brew-Funktion. Kostet aber etwa das Doppelte.
  • De'Longhi Magnifica Evo Milk: Gleiche Kaffeeeinheit, aber mit schlauchlosem Milchsystem, das du direkt in die Milchpackung hängst. Sieben Getränke. Für Milchtrinker das angenehmere Paket, rund 100 Euro teurer.
  • Philips-Serie 3300 oder 4400 mit LatteGo: Das Milchsystem besteht nur aus zwei Teilen und ist noch schneller gereinigt. Der Espresso schmeckt in unseren Ohren, pardon, auf unserer Zunge etwas flacher.

Welche Küchengeräte sonst bei uns vorn liegen, siehst du in den Testberichten. Und falls du dich fragst, was ich in derselben Zeit mit einem Gerät für 1.549 Euro erlebt habe: Hier ist mein Erfahrungsbericht zum Thermomix TM7.

Mein Urteil nach 318 Tassen

Die Magnifica Evo ist nicht beliebt, weil sie billig ist. Sie ist beliebt, weil sie das Wichtigste richtig macht: Sie brüht einen Espresso, den ich ohne schlechtes Gewissen Gästen serviere, und sie tut das Tag für Tag gleich. Ihre Schwächen sind echt, aber sie liegen am Rand: die schwache Kaffeetaste, die knappe Auslaufhöhe, die kleine Tropfschale.

Wenn du einen ehrlichen Vollautomaten suchst, der morgens um 5:40 Uhr ohne Diskussion funktioniert, ist sie für ihr Geld kaum zu schlagen. Das Heft liegt übrigens immer noch neben der Maschine. Jürgen schreibt weiter hinein, obwohl der Test längst vorbei ist. Er sagt, er will wissen, ob er seinen Americano besser hinbekommt als ich.

Häufige Fragen zur Magnifica Evo

Was ist der Unterschied zwischen Magnifica Evo und Magnifica Evo Milk?

Die normale Evo mit Karaffe (ECAM290.61.B) hat fünf Direktwahltasten und eine LatteCrema-Milchkaraffe. Die Evo Milk nutzt ein schlauchloses Milchsystem, bietet sieben Getränke und kostet etwa 100 Euro mehr. Das Mahlwerk und die Brüheinheit sind gleich.

Wie oft muss man die Magnifica Evo entkalken?

Das hängt von der Wasserhärte ab, die du am Anfang einstellst. Bei uns mit Härtestufe 3 kam die Meldung nach etwa 260 Bezügen, also nach rund fünf Wochen intensiver Nutzung. Mit Wasserfilter verlängert sich der Abstand deutlich.

Warum schmeckt der Kaffee aus der Magnifica Evo bitter?

Meist liegt es an der Taste „Kaffee“, die viel Wasser durch wenig Pulver drückt. Bezieh stattdessen einen Espresso und gib Heißwasser dazu. Wenn auch der Espresso bitter ist, stell das Mahlwerk eine Stufe gröber und trink zwei Tassen, bevor du erneut änderst.

Kann man die Brühgruppe in die Spülmaschine geben?

Nein. Die Brühgruppe spülst du nur mit lauwarmem Wasser ohne Spülmittel ab und lässt sie an der Luft trocknen. Die Milchkaraffe darf in die Spülmaschine. Tropfschale und Tresterbehälter spülst du am besten von Hand mit einer Bürste.