Ich vermesse beruflich Grundstücke, und zwar auf zwei Zentimeter genau. Einem Roboter, der ohne Draht im Boden wissen will, wo mein Rasen aufhört, begegne ich deshalb mit dem gleichen Misstrauen wie einem Nachbarn, der behauptet, der Grenzstein sei «ungefähr da hinten».
Dazu kommt unser Garten am Stadtrand von Thun. Er hat einen Apfelbaum, Gemüsebeete, einen Sandkasten, den Lara mit zehn Jahren eigentlich nicht mehr braucht, aber nicht hergeben will, und einen Hang. Ich habe ihn selbst gemessen: 27 Prozent an der steilsten Stelle. Gardena gibt für den smart SILENO sense maximal 25 Prozent an. Ich wollte trotzdem wissen, wie weit er kommt. Neun Wochen lang, von Mitte Mai bis Ende Juli, hat die 600-m²-Version bei uns gemäht.
- Kein Draht, keine Antenne, Grenze in einer guten Stunde gezogen
- Hält die Grenzlinie im Schnitt auf 6 cm genau
- Leise: 53 dB aus drei Metern gemessen
- Kamera weicht Trottinett, Schlauchrolle und Ball aus
- Über 24 Prozent Steigung rutschen die Räder, bei Nässe früher
- Unter dem Apfelbaum Stopps von bis zu 35 Sekunden
- Schnitthöhe nur von Hand, in vier Stufen
- Kanten an Beeten bleiben Handarbeit
Unser Urteil: Liegt dein Rasen am Stück, ziemlich eben und unter offenem Himmel, erledigt der SILENO sense das Mähen ohne einen Meter Draht. Hast du Böschungen über 20 Prozent, grosse Baumkronen oder mehrere Raseninseln, dann lies zuerst den Abschnitt über unseren Hang. Die rund 900 Franken sollen sich ja lohnen.
Warum ohne Draht, und was das technisch heisst
Die meisten Mähroboter in Schweizer Gärten kennen ihre Grenze, weil rundherum ein dünner Draht im Boden liegt. Der Roboter spürt ihn und kehrt um. Bewährt ist das, aber jemand muss den Draht zuerst um jedes Beet, jeden Baum und jede Rabatte legen und festnageln. Und spätestens wenn der Vertikutierer ihn im Herbst durchtrennt, geht die Sucherei los.
Der SILENO sense orientiert sich stattdessen mit einer Kamera an der Front und mit Satellitenortung, im Fachjargon GNSS. Viele andere Roboter ohne Draht brauchen dafür eine Referenzantenne auf einem Pfosten im Garten, eine RTK-Station. Diese kennt ihre eigene Lage genau und schickt dem Roboter laufend Korrekturen, so wird aus einer Position auf einen Meter eine auf wenige Zentimeter. Genau so arbeiten übrigens auch wir Geometer draussen im Feld. Gardena verzichtet auf diese Station und verlässt sich auf die Kamera und eine eigene Software, die Gardena LONA nennt.
Das spart dir eine Antenne und einen Stromanschluss mehr im Garten. Es heisst aber auch: Wo der Himmel verdeckt ist, wird die Position ungenauer. Wie ungenau, war mein erster Test.
Die Einrichtung: 110 Meter Grenze mit dem Handy
Am Anfang steht die Frage, wohin mit der Ladestation. Sie will flach stehen, mit möglichst viel offenem Himmel über sich, nicht direkt an einer Mauer oder unter einem Baum. Bei uns steht sie jetzt neben den Gemüsebeeten, sechs Meter von der Hauswand, mit Blick nach Süden. Der Roboter hat dort vom ersten Tag an ein stabiles Signal gemeldet.
Danach gehst du hinter dem Roboter her und lenkst ihn mit zwei Fingern auf dem Handybildschirm einmal rund um den Rasen. Aus dieser Runde zeichnet die App die Karte. Bei uns waren es 110 Meter Grenze und drei Sperrzonen für Sandkasten, Beete und Feuerstelle, zusammen 1 Stunde und 20 Minuten. Eine vierte Zone kam auf Laras Wunsch dazu: um das Kaninchengehege, und zwar grosszügig, «damit Hoppel keine Angst hat». Hoppel hat vor nichts Angst. Die Zone blieb trotzdem.
Wie genau fährt er? Ich habe nachgemessen
Das war der Teil, auf den ich mich am meisten gefreut hatte. Nach zwei Wochen, als der Roboter jede Stelle ein paarmal gemäht hatte, habe ich an zwölf Punkten entlang der Grenze gemessen, wie weit seine äusserste Spur von der Linie entfernt war, die ich in der App gezogen hatte. Mit dem Messband, kein Hexenwerk.
| Messpunkte (je 4) | Lage | Abweichung im Schnitt | Grösste Abweichung |
|---|---|---|---|
| Offene Rasenfläche | freier Himmel | 3 cm | 5 cm |
| Entlang der Hausmauer | Himmel zur Hälfte verdeckt | 6 cm | 9 cm |
| Unter dem Apfelbaum | dichte Krone | 9 cm | 14 cm |
Im Schnitt 6 Zentimeter über alle zwölf Punkte. Für einen Rasen ist das mehr als genug, und ehrlich gesagt besser, als ich es ohne Korrekturstation erwartet hatte. Die Kamera macht hier viel wett. Sie erkennt die Kante zwischen Gras und Erde und hält den Roboter auch dann im Rasen, wenn die Satellitenposition schwankt. Ins Beet gefahren ist er in neun Wochen kein einziges Mal.

Der Apfelbaum ist die Stelle, an der man merkt, dass keine Referenzantenne mithilft. Unter dem dichten Laub sieht der Roboter zu wenig Satelliten und hält immer wieder an, bis er sich seiner Lage sicher ist. Ich habe Pausen zwischen 10 und 35 Sekunden gestoppt. Danach mäht er weiter, nur deutlich langsamer als auf der offenen Fläche. Zweimal in neun Wochen gab er ganz auf, meldete einen Positionsfehler und wollte neu gestartet werden. Und dann kam der Hang.
Der Hang: 27 Prozent sind zwei zu viel
Unser Hang fällt vom Sitzplatz Richtung Gemüsegarten ab. Der grösste Teil hat zwischen 12 und 20 Prozent, das hat der Roboter problemlos gemacht, auch quer zum Hang. Ein Streifen von etwa 35 Quadratmetern hat zwischen 24 und 27 Prozent. Genau dort wurde es interessant.
Bei trockenem Gras kam er bis etwa 24 Prozent hoch, danach drehten die Räder durch, er setzte zurück und versuchte es von der Seite. Nach Regen oder am Morgen mit Tau war schon bei rund 21 Prozent Schluss. Er ist nie abgerutscht oder umgekippt, aber er hat dort viel Zeit und Akku verbraucht und hinterliess Radspuren im feuchten Boden.

Nach drei Wochen habe ich den steilsten Streifen als Sperrzone definiert. Den mähe ich jetzt alle zwei Wochen mit der Motorsense, zwölf Minuten. Das ist ein Kompromiss, den ich eingehen kann. Wenn dein Garten aber hauptsächlich aus Hang besteht, wie viele Gärten im Berner Oberland, dann ist der SILENO sense nicht dein Roboter. Dann brauchst du ein Modell mit Allradantrieb, und das ist eine ganz andere Preisklasse.
«Du hast doch gesagt, der schafft 25 Prozent. Unser Hang hat 27. Das hast du selbst gemessen.» Andrea, meine Frau, sehr freundlich und sehr korrekt
Das Schnittbild nach neun Wochen
Nach anderthalb Wochen war der Rasen auf der ebenen Fläche so dicht und gleichmässig wie noch nie, seit wir hier wohnen. Weil der Roboter jeden Tag nur die Spitzen kappt, fallen winzige Schnipsel, die zwischen die Halme rieseln und dort verrotten. Die Grünabfuhr hat bei uns diesen Sommer merklich weniger Rasenschnitt gesehen.
Statt im Zickzack zu irren, zieht er parallele Streifen wie auf einem Fussballplatz. Der Nachbar hat über den Hag gefragt, ob wir neuerdings einen Gärtner hätten. Mit 16 Zentimetern Messerbreite ist er kein Schnellmäher. Für unsere 480 Quadratmeter reichte es trotzdem, nach vier bis fünf Tagen war alles einmal gemäht.
Was mich stört, ist die Höhe. Vier Höhen stehen zur Wahl, die tiefste bei 25, die höchste bei 45 Millimetern, und verstellt wird von Hand unter einer Abdeckung. In der Julihitze hätte ich das Gras gern länger stehen lassen, 45 Millimeter war das Höchste. Andere Hersteller lassen dich die Höhe am Handy in kleinen Schritten wählen. Entlang der Beetkanten wuchsen 6 bis 8 Zentimeter Gras einfach weiter. Die hole ich alle zwei Wochen mit dem Trimmer.
Was die Kamera sieht
Ein Familiengarten ist ein Hindernisparcours. Laras Trottinett, die Schlauchrolle, ein Fussball, ein umgekippter Gartenstuhl, die Giesskanne: Alles ab etwa Handgrösse hat der Roboter zuverlässig erkannt und umfahren. Gardena spricht von über 150 Objektarten, die die Kamera unterscheiden kann. Nachzählen konnte ich das nicht, aber ich habe es in neun Wochen nicht geschafft, ihn mit einem grösseren Gegenstand zu überraschen.
Den flach liegenden Gartenschlauch hat er dreimal überfahren, ohne Schaden. Die kleinen grünen Äpfel vom Junifall hat er einfach gemäht, was mich nicht stört, im Gegenteil. Was kleiner ist als eine Hand, etwa eine Wäscheklammer oder ein Farbstift von Lara, sammle ich vor dem Mähen trotzdem ein. Das würde ich bei jedem Roboter so halten.
Wichtig ist mir das Thema Igel. Der SILENO sense mäht nur bei Tageslicht, weil die Kamera Licht braucht. Den Igeln kommt das entgegen, sie gehen erst bei Dämmerung auf Futtersuche. Wir haben ihn von Montag bis Samstag zwischen 9 und 12 Uhr und von 13.30 bis 18 Uhr laufen lassen. So respektieren wir auch die Mittagsruhe, die in vielen Gemeinden gilt, obwohl man ihn kaum hört.
Lautstärke, App und Alltag
Drei Meter Abstand, Schallpegelmesser in der Hand: 53 dB. Das ist leiser als zwei Leute, die sich unterhalten. Beim Zmittag auf dem Sitzplatz fuhr er keine zwei Meter neben dem Tisch vorbei, und Lara hat ihn erst bemerkt, als er auf ihren nackten Fuss zusteuerte und kurz davor abdrehte. Das Einzige, was man hört, ist das feine Rascheln, wenn er über trockenes Gras fährt.
In der Gardena-App findest du alles Nötige, von den Mähzeiten über die Karte bis zu den Sperrzonen. Schnell geht dort aber wenig. Für eine andere Startzeit am Mittwoch brauchte ich vier Menüs. Wo der Roboter heute schon war und wo nicht, verrät die Karte nicht. Das Gute: Der Roboter hat eine eigene SIM, die laut Gardena nichts extra kostet. Ein WLAN-Verstärker im Garten ist also überflüssig, und in Thun hatte die CH-Version in neun Wochen keinen einzigen Verbindungsabbruch.
In neun Wochen musste ich zwölfmal eingreifen. Fünfmal am Hang nach Regen, bevor ich die Sperrzone gesetzt hatte, dreimal am Rand des Sandkastens, zweimal unter dem Apfelbaum und zweimal wegen einer Meldung, die niemand erklären konnte und die ein Aus- und Einschalten behob. Seit der Anpassung am Hang war es noch einmal in fünf Wochen.

Einen Verlierer gibt es in dieser Geschichte übrigens. Jonas, 14, hat bisher für zehn Franken pro Mal den Rasen gemäht. Der Roboter hat ihm diesen Nebenverdienst gestrichen, ohne Kündigungsfrist. Wir haben uns auf eine Abfindung geeinigt: Er ist jetzt für die Motorsense am Hang zuständig, zum gleichen Tarif.
Datenblatt und Franken
| Was | SILENO sense 600, CH-Version |
|---|---|
| Rasenfläche | für höchstens 600 m² gedacht |
| Orientierung | Frontkamera und Satellitenempfang, dazu eine SIM, weder Draht noch Referenzantenne |
| Schnittbreite | 16 cm |
| Schnitthöhe | von Hand in vier Stufen, 25 bis 45 Millimeter |
| Max. Steigung | 25 % laut Hersteller, bei uns trocken bis etwa 24 % |
| Akku | Lithium, 18 Volt und 4 Amperestunden |
| Gewicht | 9,5 Kilo |
| Wetter | spritzwassergeschützt nach IPX5, bleibt bei Frost stehen |
| Mindestbreite für Durchfahrten | 1 m |
| Preis beim Schreiben | 600 m², CH-Version: rund CHF 900 bis 1'000 (Galaxus, Brack, Digitec), 400 m² ab rund CHF 880 |
Die Preise schwanken, und die kleinere 400er-Version kostet kaum weniger. Wenn dein Rasen über 350 Quadratmeter hat, würde ich direkt die 600er nehmen, dann hat der Roboter Reserve, und das zahlt sich unter Bäumen und am Hang aus. Achte beim Kauf auf die CH-Version mit Schweizer Stecker.
Passt er in deinen Garten?
- Gardena SILENO city oder minimo: die Drahtmodelle der Marke, in der Schweiz ab rund 480 Franken. Einmal verlegen, dann fahren sie unter dem dichtesten Baum so sicher wie auf offener Wiese.
- Gardena smart SILENO free: auch drahtlos, arbeitet aber mit Referenzantenne und findet sich darum unter Bäumen besser zurecht. Ab rund 1'040 Franken.
- Husqvarna Automower mit Allradantrieb: für wirklich steile Gärten. Husqvarna gehört zur gleichen Firmengruppe wie Gardena. Die Allradmodelle kosten aber ein Mehrfaches.
Unsere Regeln für Mähroboter, von der Schallmessung aus drei Metern bis zur Testdauer von neun Wochen, kannst du unter So testen wir nachlesen. Weitere Tests für Garten und Sitzplatz sammeln wir im Ratgeber.
Neun Wochen später: mein Urteil als Geometer
Als Geometer hatte ich erwartet, dass der SILENO sense ohne Korrekturstation ungenau fährt. Da lag ich falsch. Wo der Himmel frei ist, trifft er seine Linie auf wenige Zentimeter, und dabei bleibt er so leise, dass Hoppel im Gehege nicht einmal die Ohren dreht. Die Einrichtung ohne Draht war an einem Samstagvormittag erledigt.
Seine Grenzen liegen dort, wo der Himmel verschwindet und der Boden steil wird. Unter dem Apfelbaum wird er langsam, und am Hang ist bei 24 Prozent Schluss. Wenn dein Garten eher flach und offen ist, ist er eine sehr gute Wahl. Wenn nicht, kauf lieber ein Modell mit Draht oder mit RTK-Station. Die gewonnenen Samstage verbringe ich übrigens am Grill. Wie sich ein Gasgrill im Urner Föhn schlägt, hat Hansruedi in Altdorf ausprobiert, in seinem Weber-Gasgrill-Test.
Fragen aus dem Bekanntenkreis
Wie steil darf der Garten für den Gardena SILENO sense sein?
Gardena gibt maximal 25 Prozent an. In unserem Test kam er bei trockenem Gras bis etwa 24 Prozent, nach Regen nur bis rund 21 Prozent. Für steilere Stellen setzt du am besten eine Sperrzone und mähst sie von Hand.
Muss das WLAN bis in den Garten reichen?
Nein. Der Roboter verbindet sich über eine eigene SIM mit der App, und die Kosten dafür trägt laut Gardena der Hersteller. Eine Referenzantenne braucht er auch nicht. In Thun lief das neun Wochen ohne Unterbruch.
Wie genau hält ein Mähroboter ohne Kabel die Grenze ein?
In unserem Test lag die Abweichung im Schnitt bei 6 Zentimetern, auf offener Fläche bei 3 Zentimetern und unter einem dichten Apfelbaum bei bis zu 14 Zentimetern. In die Beete ist er nie gefahren, weil die Kamera zusätzlich die Rasenkante erkennt.
Darf ein Mähroboter in der Schweiz am Sonntag mähen?
Das regelt jede Gemeinde selbst, oft im Polizeireglement. Viele kennen Ruhezeiten über Mittag und am Sonntag. Auch wenn der Roboter leise ist, würden wir ihn sonntags und nachts ruhen lassen, schon wegen der Igel.
